Stadt hält Gelände für nicht geeignet

Mahag-Areal: Viertel-Politiker fordern Wohnungen statt Star-Architekt

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So stellt sich David Chipperfield die künftige Architektur an der Karl- und Denisstraße vor.

Der Bezirksausschuss Maxvorstadt lehnt das von Star-Architekt David Chipperfield entworfenes Gewerbequartier auf dem ehemaligen Mahag- Gelände ab. Das Gremium fordert dort stattdessen auch Wohnungen. Die Stadt solle die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen.

München - Einen echten Hingucker plant Star-Architekt David Chipperfield auf dem ehemaligen Mahag-Gelände in der Maxvorstadt. Das Areal an der Karl- und Denisstraße soll bis 2020 komplett umgestaltet werden, so sehen es zumindest die im März veröffentlichten Pläne vor: Die bestehenden Gebäude werden abgerissen, dafür entsteht ein kubischer Bürokomplex, mit viel Glas und Stahl. Eine ehemalige Werkstatthalle will Chipperfield in ihrer äußeren Form erhalten. Unter der Leitung des international bekannten Landschaftsarchitekten Enzo Enea soll außerdem ein „grüner Gartenhof“ entstehen.

Der BA ist von dem Entwurf nicht überzeugt

Der örtlich zuständige Bezirksausschuss Maxvorstadt (BA) allerdings ist nicht restlos überzeugt von den „ausgewogenen Proportionen“, der „ausdrucksstarken Fassade“ und dem „klaren Volumen des Baukörpers“, wie es im Werbetext des Bauherren heißt. Das Gremium lehnte den Bauvorbescheid für das Projekt „Karl“ einstimmig ab. Der Grund: Auf dem Areal würden keine Wohnungen, sondern vor allem Büroflächen entstehen. Nach dem jetzigen Entwurf bevölkern in Zukunft wohl bis zu 2000 Mitarbeiter das Gelände. Auf den rund 30.000 oberirdisch nutzbaren Quadratmetern sollen nach der Fertigstellung außerdem Restaurants und möglicherweise ein Hotel einziehen.

Nach Ansicht der Vorsitzenden des BA-Planungsunterausschusses, Gesche Hoffmann-Weiss (SPD), bestünde aber sehr wohl die Möglichkeit, Wohnungen zu integrieren. Der Bauherr könne den geplanten, quadratischen Bürokomplex doch diagonal teilen, schlägt sie vor. „Eine Gebäudehälfte kann dann durchaus für Wohnungen eingerichtet werden“, sagt Hoffmann-Weiss. Das wäre sicher auch den geplanten gastronomischen Angeboten zuträglich, meint sie.

Stadt hält Gelände nicht geeignet für Wohnungen

Bereits im März hatte allerdings ein Sprecher des Projekts wenig Hoffnung auf eine Wohnnutzung gemacht. Denn die Stadtverwaltung hält diese nicht für genehmigungsfähig: Aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft zur Spaten-Brauerei sei das Gebiet nicht geeignet für Wohnungen, das Gelände könne nur gewerblich genutzt werden. Wegen der eindeutigen rechtlichen Lage habe sich der Bauherr deshalb von Anfang vor allem auf Büros konzentriert. Aus diesen Gründen „erscheint eine Wohnnutzung auch längerfristig nicht umsetzbar“, teilte die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Das Mahag-Gelände in der Denisstraße/Karlstraße. 

Der Bezirksausschuss will hart bleiben

Dennoch: Der Bezirksausschuss Maxvorstadt will nun erreichen, dass die Stadt das Areal umwidmet und dort künftiges Wohnen ermöglicht. Über den Bauvorbescheid entscheidet demnächst die Stadt, sie ist nicht an die Entscheidung des Bezirksausschusses gebunden.

Auf dem Areal südlich der Karlstraße stehen bislang zwei Verwaltungsgebäude, die der Autohändler Mahag bis 2013 als Zentrale genutzt hat. Jetziger Eigentümer ist die Familie Brecht-Bergen, die auch als Anteilseignerin der Dormakaba-Gruppe auftritt, einem globalen Anbieter für Zutritts- und Sicherheitslösungen.

Mit seinem Entwurf hatte sich David Chipperfield in einem 2016 ausgelobten Planungswettbewerb durchgesetzt. Der britische Architekt hat in Deutschland unter anderem den Neubau des Essener Museum Folkwang entworfen und das Neue Museum auf der Berliner Museumsinsel saniert. Das ehemalige Mahag-Gelände soll nach Chipperfields Vision seine industrielle Prägung bewahren und gleichzeitig städtisches Flair ausstrahlen. Ob der begrünte, rund 1200 Quadratmeter große Innenhof nach seiner Fertigstellung auch für die Allgemeinheit geöffnet wird, ließ der Bauherr bislang noch offen. Ausgeschlossen scheint dies also nicht.

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Philipp Nowotny

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