Auto fährt in Menschenmenge in Helsinki: Ein Toter

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Keine Heizung, kein Warmwasser

Das Mietshaus des Grauens

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Das Mietshaus des Grauens Fotos.

München - Ein Leben ohne Heizung, Warmwasser und Herd – und das mitten im Winter: Für eine Hausgemeinschaft in der Augustenstraße 4 (Maxvorstadt) ist das seit über zwei Monaten bittere Realität.

Der Vermieter riss im Rahmen einer Sanierung des Hauses einfach die Kamine ab. Gasherde, Thermen und Heizung bleiben daher kalt.

Stefka Wild schläft im Wohnzimmer, auch ihre Kleider stapelt sie hier.

Stefka Wild (70) wohnt seit bald 36 Jahren hier unterm Dach. Im Schlafzimmer klafft ein großes Loch im Dachstuhl, angeblich für ein neues Fenster: „Hier lag plötzlich der ganze Dreck in meinem Bett. Jetzt kann man durch das Loch den Himmel sehen!“ Sie schläft seit Monaten im Wohnzimmer, wo sie auch ihre Kleider gestapelt hat und mit Folie vor der Feuchtigkeit schützt.

In der Küche hat sie eine einzige Elektroherdplatte zum Kochen. Warmwasser zum Duschen gibt es jedoch nicht. Ein Leben ohne Heizung, Warmwasser und Herd. Nachbar Mieter Holger Schelpmeier schimpft: „Mir kommt es so vor, als ob ich im letzten Jahrhundert leben würde.“ Für all das soll Stefka Wild nach dem Umbau statt jetzt 500 rund 900 Euro zahlen – bei einer Rente von 980 Euro!

Laut den Mietern wurden vor den Abriss-Arbeiten die Kamine ohne Vorwarnung dicht gemacht, die Bewohner hätten durchaus ersticken können. Oskar Holl und Werner Stadler vom Bezirksausschuss (beide SPD) stellten Strafanzeige wegen Baugefährdung, Nötigung und fahrlässiger Körperverletzung.

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Wie der Münchner Merkur berichtet, verweist die Anwältin des Vermieters auf „sicherheits- und haftungsrechtliche“ Gründe. Der Kamin habe enorme Rauchgas-Ablagerungen aufgewiesen, was Bezirkskaminkehrer Udo Voigt allerdings dementierte. Als die Lokalbaukommission auch noch ungenehmigte Umbauten ausfindig machte, verfügte sie einen Baustopp. Die Mieter haben nun eine Klage auf Wiederherstellung des alten Zustandes eingereicht, doch bis darüber entschieden wird, ist mindestens Frühling…

Dieter Reiter will Notruftelefon

Der OB-Kandidat der SPD, Dieter Reiter, stattete den Mietern der Augustenstraße einen Besuch ab und inspizierte auch das Loch in Stefka Wilds Schlafzimmer (siehe oben): „Das ist nicht zu fassen, wie hier auf eiskalte Art und Weise mit den Mieterinnen und Mietern umgesprungen wird“, so Reiter. „Ich werde auf jeden Fall persönlich einen Brief an den Vermieter schreiben und deutliche Worte finden.“ Viele Mieter wüssten nicht, an wen sie sich in solchen Fällen wenden können. Reiter: „Das will ich ändern. Ich denke an eine Art Not-Telefon für Mieterinnen und Mieter, vielleicht als Kooperationsmodell zusammen mit dem Münchner Mieterverein.“

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

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Johannes Welte

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