Anwohner frustriert

Baujuwel in der Türkenstraße muss Neubau weichen: Hier wird das alte München zerstört

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Kämpfen um ihre Maxvorstadt: Norbert Ott und Marianne Ott-Meimberg (r., seit 1975 in der Türkenstraße 54) mit Nachbarin Kirsten Ameloh. Der Abriss der Nr. 52 hat begonnen.

Der Bagger hat ein Loch in die Fassade gefressen. Das traurige Ende eines verzweifelten Kampfes: Jahrelang haben sich die Anwohner für den Erhalt des historischen Wohnkomplexes an der Türkenstraße 52 und 54 stark gemacht. Sie sind gescheitert.

München - Jetzt hat der Abriss hat begonnen. Die verbliebenen Mieter fürchten jetzt, dass ihre Wohnungen zu Spekulationsobjekten werden.

Sechs Parteien harren noch im Vorderhaus der Nummer 54 aus. Darunter auch Wimmelbuch-Autor Ali Mitgutsch. Es ist das einzige Gebäude des Komplexes, das noch unter Denkmalschutz steht. Die übrigen fünf Teilgebäude waren trotz aller Proteste aus dem Denkmalschutz genommen worden und werden jetzt abgerissen. Vor etwa einem Monat sei mit den ersten Arbeiten begonnen worden, sagt Mieter Norbert Ott, ein Nachbar von Ali Mitgutsch. Die kleinen Geschäfte, die das Leben in der Maxvorstadt (noch) ausmachen, waren da schon längst ausgezogen. Ebenso die Mieter. Christian Krimpmann (CSU) ist besorgt: „Die Maxvorstadt verliert zusehends den Charme eines gewachsenen Viertels“, klagt der Chef des Bezirksausschusses.

Mehr zum Thema: Zeitreise durch München: So sahen Theresienwiese, Türkenstraße und Pini-Haus damals aus

München: Abriss in der Türkenstraße -  „Das sind unsere zehn Mietwohnungen!“

Mieter Ott ist alarmiert. Denn: „Zwischen Vorbesitzer und Stadt wurde ein Vertrag geschlossen, dass die historische Fassade erhalten bleiben muss!“ Doch der größte Schock stand ihm noch bevor, als er auf die Homepage des Eigentümers, der Real-Treuhand Management GmbH, eine Tochter der österreichischen Raiffeisenbank, schaute: „Unsere Mietwohnungen sollen in Eigentumswohnungen umgewandelt werden!“ Auf der Website der Real-Treuhand heißt es wörtlich: Neubau von 75 Eigentumswohnungen. Bestand: zehn Eigentumswohnungen. „Das sind unsere zehn Mietwohnungen!“, empört sich Ott. Auf tz-Anfrage teilt ein Sprecher der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich Aktiengesellschaft mit, dass der Eintrag „etwas unglücklich formuliert“ sei. Derzeit sei nicht geplant, die Mietwohnungen einzeln zu veräußern. Von einem Vertrag die historische Fassade betreffend sei „nichts bekannt“.

Das überzeugt die Mieter nicht – im Gegenteil. „Wir schalten jetzt die Parteien ein“, sagt Ott. Rückendeckung kommt bereits aus Berlin: „Die Maxvorstadt verliert nicht nur ein prägendes Gebäude ihres Straßenbildes, sondern auch die Menschen, die über die letzten Jahre entmietet wurden“, heißt es von der Münchner Bundestagsabgeordneten Nicole Gohlke. Und Christian Krimpmann bietet an, dass der BA bei der Gründung einer Mietergemeinschaft helfe.

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