Immer mehr Aufträge brachen weg

Aus nach 150 Jahren? Münchner Traditionsgeschäft macht wohl dicht - Corona-Versprechen sorgt für große Wut

Die Zinngießerei Mutz muss wegen Corona womöglich zumachen - nach 150 Jahren.
+
Die Zinngießerei Mutz muss wegen Corona womöglich zumachen - nach 150 Jahren.

Corona macht auch vor dieser Institution aus der Maxvorstadt nicht halt: Die Zinngießerei Mutz muss womöglich nach 150 Jahren schließen.

München - Sie sind eine Institution in der Maxvorstadt: Schon seit 150 Jahren besteht die Zinngießerei Mutz, mittlerweile in dritter und vierter Generation geführt. Es ist einer der ältesten kunsthandwerklichen Betriebe in München, doch der Laden in der Gabelsbergerstraße steht vor ganz schwierigen Zeiten.

„Wir haben nach dem Lockdown monatelang auf die versprochenen Corona*-Soforthilfen gewartet, die wir am 18. März beantragt hatten“, sagen Brigitte Beißler (74) und ihr Sohn Wolfgang (53). Beide führen mittlerweile die Geschäfte und mussten im ersten Lockdown mit ansehen, wie ihre Zinngießerei erstmals nicht mehr öffnen durfte. Während viele Gastronomen Zahlungen erhielten, gingen die Kunsthandwerker aber leer aus.

„Wir fühlten uns im Stich gelassen“, sagen die Beißlers. Angeblich lag es an einem Formfehler, dass kein Geld floss. Im Jahr 2020 hatte sie nach eigenen Angaben keinen einzigen Cent von der Staatsregierung erhalten – am Freitag kam nun das erste Geld auf ihrem Konto an: die 5000 Euro, die viele andere Betriebe bereits im Frühjahr erhalten hatten. „Fast zehn Monate haben wir darauf gewartet, das ist nicht fair“, sagt Brigitte Beißler. „Und die November-Hilfen stehen noch aus.“

München: Traditionsgeschäft muss wohl schließen - „75 Prozent der Aufträge sind durch Corona weggebrochen“

Bitter für den Traditionsbetrieb, der – wie so viele kleine Münchner* Unternehmen – um die wirtschaftliche Existenz bangt. „Wir haben viel für die Regierung gearbeitet, für Vereine oder Firmen“, sagt Wolfgang Beißler. „75 Prozent der Aufträge sind durch Corona aber leider weggebrochen.“ Gerade in der Vorweihnachtszeit und der Skisaison sei das existenziell – wo doch sonst immer viel los war.

Unser Geschäft gibt es schon seit 150 Jahren“, sagt Brigitte Beißler. „Mein Großvater hat es von seinem Lehrherren übernommen und meinem Vater übertragen, der es dann an mich gab. Es ist eine große Familientradition, die mein Sohn fortführt und gerne einmal an seine Tochter weitergeben möchte. Doch im Moment wissen wir gar nicht, ob wir uns das leisten können“, sagt Brigitte Beißler. Hunderte Pokale und Zinnteller stehen hinter ihr im Laden. Produkte eines Meister-Handwerkes, das nun durch Corona auszusterben droht. „Wir werden alles geben, um das zu verhindern“, sagen die Beißlers. Andreas Thieme - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Mehr zum Thema:

Kommentare