Unschuldig aber verantwortlich

Drei Tote bei Brand in München: Geständnis vor Gericht

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Bei dem Brand kamen ein Vater und seine zwei Töchter ums leben.

Drei Bewohner starben bei dem verheerenden Brand in der Dachauer Straße, nachdem ein Feuer sie in der Nacht überrascht hatte. Gestern mussten sich der Hausbesitzer und sein Hausmeister wegen fahrlässiger Tötung verantworten. 

München - Selbst erfahrene Rettungskräfte waren schockiert, als sie die verkohlten Leichen des damals 37-jährigen Aleksandar C. und seinen neun und 16 Jahre alten Töchter fanden. Schützend hatte sich der Vater in der Brandnacht über die Kinder gebeugt. Vor den Flammen konnte er sie nicht bewahren.

Offene Brandschutztür schuld? - Hausmeister und Besitzer beschuldigt

Drei Todesopfer hatte das Feuer im fünften Stock des Mehrfamilienhauses am 2. November 2016 gekostet. Ein Verbrechen aber schloss das Landgericht bereits im Frühsommer 2018 aus: Mohamed E. (44), der wegen Mordes durch Brandstiftung angeklagt war, wurde freigesprochen – aus Mangel aus Beweisen. Die Ursache des tödlichen Brandes bleibt damit bis heute ungeklärt.

Gestern zog das Amtsgericht nun zwei andere Männer zur Verantwortung: Hausmeister Peter T. (67) und Hausbesitzer Johann H. (68). Beide hatte die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung angeklagt. Den Ermittlungen zufolge hätten die Männer dafür sorgen müssen, dass die Brandschutztür im fünften Stock immer geschlossen ist. „Sie stand aber offen“, sagte ein Gutachter gestern im Prozess aus. „Erst dadurch konnte sich der Brand ungehindert ausbreiten.“ Und zwar vom zweiten Stock, wo das Feuer ausgebrochen war, bis hoch in den fünften Stock.

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Für ein Geständnis gibt es nur eine Bewährungsstrafe

„In den unteren Stockwerke ist nichts passiert, bis auf ein bisschen Rauch“, sagte ein Ermittler. „In den Wohnungen, die im Flur hinter der Brandschutztür lagen, entstand dagegen unfassbare Hitze.“ Etwa 660 Grad. Das Todesurteil für Aleksandar C. und seine Töchter: Sie hatten versucht zu fliehen und verbrannten im eigenen Flur.

Sechseinhalb Stunden lang bestritten Peter T. und Johann H. gestern die Vorwürfe. Erst als die Beweislast sie erdrückte, waren beide Männer zu einer Absprache mit dem Gericht bereit: Im Gegenzug für ein Geständnis sagte Richter Vincent Mayr ihnen eine Bewährungsstrafe zu – und keine Haft.

Anschließend sagte Peter T.: „Ich habe eingesehen, dass ein Fehlverhalten vorlag.“ Und Johann H. ergänzte: „Die Anforderungen an die Verkehrssicherung wurden leider nicht eingehalten.“ Zerknirscht blickten beide Männer dabei in den Gerichtssaal. „Es tut uns sehr leid.“ Ihre Verteidiger ergänzten noch, dass beide Männer die abstrakte Brandgefahr durch die offenstehende Schutztür nicht erkannt hatten. Allerdings: Die Lokalbaukommission hätte den Zustand lange geduldet. „Dennoch wäre es sein Job gewesen, die Tür zu schließen“, sagte Anwalt Joachim Schwarzenau über Hausmeister Peter W.

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Unschuldig aber verantwortlich - Bewährung und Zahlung an Witwe

Staatsanwältin Moorloher fand härtere Worte für die Angeklagten. „Durch Ihr Fehlverhalten sind drei Menschen zu Tode gekommen.“ Das sah auch der Richter so: Gegen Johann H. sprach er ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung aus, Hausmeister Peter T. bekam zwei Monate mehr. Beide hätten ihre Kontrollpflichten vernachlässigt – und müssen nun auch 5000 Euro bzw. 20.000 Euro an die Witwe zahlen. Elena C. (38) war zum Zeitpunkt des Brandes in Bulgarien, um ihr Kind zur Welt zu bringen. Als sie nach München kam, waren ihr Mann und beide Töchter tot. Offiziell ist daran niemand schuld, doch der Hausmeister und der -besitzer tragen die Verantwortung dafür, dass sich das Feuer ausbreiten konnte.

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thi

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