Demonstranten fordern radikale Verkehrswende

Klimaaktivisten protestieren gegen Automesse in München: „Einziges Mittel ist eine Enteignung der Konzerne“

Verkehrswende und gleichzeitig eine Automesse? Das passt nicht zusammen, finden die Umweltschützer, die am Samstag an die Arcisstraße gekommen sind. Es wurde eine eher kleine Demo - mit großen Zielen.

München - Mehrere Organisationen demonstrierten dort gemeinsam bei einem Straßenfest gegen die Automobilmesse IAA Mobility, die von 7. bis 12. September in München* stattfindet. „Die IAA ist ein großes Problem“, erklärt Lisa Poettinger, Sprecherin des Bündnisses „#noIAA“.

München: Klimaaktivisten protestieren gegen Automesse im September

„Sie steht dafür, dass weiterhin an der fossilen Industrie festgehalten wird.“ Stattdessen brauche es endlich eine radikale Verkehrswende mit autofreien Städten und ein klimagerechteres Leben.

Bei einem Straßenfest demonstrierten Umweltaktivisten gegen die Automesse IAA.

Laut der Polizei waren rund 75 Teilnehmer bei dem Straßenfest dabei. „Die Veranstaltung verlief störungsfrei“, sagt ein Sprecher. Auch wenn der große Ansturm ausgeblieben ist, sind die Veranstalter zufrieden. „Es war sehr viel Laufpublikum da“, so Poettinger. „Und es war eine Supergelegenheit, um sich zu vernetzen.“ Denn die Organisationen planen weitere Protestaktionen gegen die Automesse.

Dominique Oster (52) aus Erding.

Münchner Protest gegen die IAA: Ein Leben ohne Auto

„Ich bin schon länger in der Umweltbewegung aktiv. Früher vor allem bei den Grünen, jetzt bei Green City. Die Zeit rennt davon. Statt auf das Auto muss der Fokus auf andere Transportarten gelenkt werden. Mir ist ein umweltbewusstes Leben wichtig: Ich fahre viel Rad, habe kein Auto, kaufe Sachen aus dem fairen Handel und esse kein Fleisch.“ Dominique Oster (52) aus Erding

Anna Meyer (18) aus München.

Widerstand in München gegen IAA: Ein Klassenkampf

„Unser Ziel ist es, die Prestigemesse der Autoindustrie zum Desaster zu machen. Es geht um die Überwindung des Kapitalismus und der Ausbeutung von Mensch und Natur. Die Beschäftigten trifft keine Schuld an dem System, sondern die Autokonzerne. Das einzige Mittel ist eine Enteignung und Vergesellschaftung der Autokonzerne.“ Anna Meyer (18) aus München

Fred Heussner aus München.

Messe ohne Sinn

„Es macht keinen Sinn, eine Automesse zu veranstalten“, sagt Fred Heussner. Der 33-Jährige Münchner kann sich eine Zukunft ohne Autos vorstellen: „Es braucht eine drastische Abnahme des Individualverkehrs“, fordert er. „Mich bewegt die groteske Debatte um die Aufrechterhaltung der Automobilität.“ Das Technik-Potenzial könne besser für eine klimafreundliche Digitalisierung genutzt werden. Fred Heussner aus München

Felix Braun (3. v. li.) aus München.

Ziviler Ungehorsam

Ziviler Ungehorsam – das ist notwendig, findet Felix Braun. Der 25-Jährige hat beim Straßenfest an einem Aktionstraining zu dem Thema teilgenommen. „Die Klimakrise ist existenzbedrohend“, warnt er. „Die Weichen, die jetzt gestellt werden, sind nicht ausreichend.“ Der Münchner möchte dazu beitragen, dass sich das ändert: „Die Politik wird aktuell zu stark von Lobbyverbänden und der Autoindustrie beeinflusst“, kritisiert er. Felix Braun aus München *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

cla

Rubriklistenbild: © Michaela Rehle

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