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München leuchtet für Frauen und Freiheit: Tausende Demonstranten zeigen Solidarität mit Iran-Protesten

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Von: Leoni Billina

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Leuchtendes Zeichen der Solidarität: 4000 Menschen versammelten sich auf dem Königsplatz
Leuchtendes Zeichen der Solidarität: 4000 Menschen versammelten sich auf dem Königsplatz. © Ulrich Tausend 1000lights.de

Im Iran sterben täglich Menschen, die sich gegen das Regime erheben. In München stehen viele Bürger solidarisch hinter den Protesten. Tausende bekundeten das jetzt bei einer Demo auf dem Königsplatz.

München - Über dem Königsplatz steigt ein Luftballon auf. An seiner langen Schnur kleben unzählige Zettel – darauf die Namen derer, die bei den aktuellen Protesten im Iran ihr Leben verloren haben. Im Hintergrund läuft das Lied Baraye des iranischen Künstlers Shervin Hajipour – es ist zur Hymne der Revolution geworden.

München: Demonstranten zeigen Solidarität mit Protesten im Iran

Ein emotionaler Moment am Samstag auf dem Königsplatz. Rund 4000 Menschen versammelten sich dort, um ihre Solidarität mit den Protestierenden im Iran zu bekunden. Seit fast zwei Monaten gehen dort Menschen für Frauenrechte und Freiheit auf die Straßen, Unzählige wurden inhaftiert oder getötet.

Flagge zeigen: Farhid demons­triert gegen das Regime im Iran.
Flagge zeigen: Farhid demons­triert gegen das Regime im Iran. © Achim Schmidt

Es war ein Nachmittag voller Redebeiträge, Musik und Performances. Wie die des Lichtkünstlers Ulrich Tausend, der zusammen mit den Demonstrierenden ein Meer aus Lichtern auf den Königsplatz zauberte: München sendet ein leuchtendes Signal der Solidarität an die Menschen im Iran.

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Zur Kundgebung hatte ein Bündnis der „Woman-Life- Freedom“-Initiativen aus München, Stuttgart, Nürnberg, Erlangen, Ravensburg und Ulm aufgerufen. Die Forderung: gezielte Sanktionen gegen das Regime und die Unterstützung der demokratischen Parteien. „Der Iran ist zum Gefängnis für das iranische Volk geworden. Wir brauchen alle, um das Regime zu stürzen“, sagte eine Sprecherin.

Shala (li.) und Minu (re.) sind aus dem Iran geflohen – hier solidarisieren sie sich mit den Protestierenden in ihrer Heimat.
Shala (li.) und Minu (re.) sind aus dem Iran geflohen – hier solidarisieren sie sich mit den Protestierenden in ihrer Heimat. © Achim Schmidt

München: Demonstrantin Shala will Landsleuten im Iran zeigen: „Ihr seid nicht allein!“

Shala (73) folgte diesem Ruf und reiste aus Augsburg an, um ihre Landsleute im Iran zu unterstützen und ihnen zu zeigen: „Ihr seid nicht allein!“ Das islamische Regime muss abdanken, sagt sie. „Wir brauchen kein Mullah-Regime. 1979 bin ich wegen der islamischen Revolution aus dem Iran geflohen. Seitdem lebe ich in Deutschland. Die Mullahs sind immer noch da. Wird Zeit, dass sie verschwinden.“

Auch Minu ist 1979 vor dem Regime aus dem Iran geflohen. „Wie viel eine Demonstration in München an der Situation in meinem Heimatland verändert, weiß ich nicht. Aber zumindest wissen die iranischen Frauen, dass wir an sie denken, im Geiste mit ihnen sind“, sagt die 61-Jährige. Wie für viele andere Exil-Iranerinnen und -Iraner ist die Situation belastend, ihre Familien und Freunde in ihrem Heimatland schweben in Gefahr. „Der Kontakt zu ihnen ist im Moment eingeschränkt.“

Die Demonstranten versammelten sich auf dem Königsplatz, um ihre Solidarität mit den Protestierenden im Iran zu bekunden.
Die Demonstranten versammelten sich auf dem Königsplatz, um ihre Solidarität mit den Protestierenden im Iran zu bekunden. © Achim Schmidt

Dem Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran hat sich auch Farhid Habibi verschrieben. Der 53-Jährige ist Initiator der Initiative „The Munich Circle“, die auf die Unterdrückung der Iranerinnen und Iraner durch das Regime aufmerksam macht. „Langsam geschieht ja auch etwas. Der Kanzler hat heute von Sanktionen gegen den Iran gesprochen. Das sollte auch schleunigst geschehen, da täglich Menschen auf den Straßen Teherans sterben“, sagt er. Ihm sei klar, dass Sanktionen erst einmal die Bevölkerung treffen würden, „aber dadurch wird der Druck nach oben weiter gesteigert“. Es werde ein langer Kampf. Aber: „Wir werden mit unserem Druck nicht aufhören.“ (A. Schmidt/L. Billina)

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