Schock-Botschaft für 1860: Aus für Stadionpläne in Riem

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Großer Aufritt auch für Jungzauberer Hamza

Ahmad, der Kriegspianist, spielt vor Zehntausenden

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Am Sonntag sang Ahmad mit Judith Holofernes von Liebe und Hoffnung.

München - Nicht nur deutschsprachige Künstler traten am Sonntag auf dem Königsplatz auf. Für Ahmad (27) und Hamza (12) aus Damaskus war es ebenfalls ein großer Abend.

Statt auf einem ramponierten Klavier spielte Aeham Ahmad (27) auf einem E-Piano. Statt der Hitze von Damaskus spürte er die Kälte des Königsplatzes. Statt den tödlichen Geräuschen des Krieges war donnernder Applaus zu hören. Doch während Aeham Ahmad und Judith Holofernes von „Wir sind Helden“ gemeinsam beim WIR-Konzert musizierten, war es andächtig still. Das lag an der berührenden Musik – und an der berührenden Geschichte hinter dieser Musik.

In den zerbombten Straßen von Damaskus spielte Aeham Ahmad Klavier.

Denn die Bilder von Musiklehrer Ahmad, wie er in den Trümmern von Damaskus auf seinem alten Klavier spielt, gingen um die Welt. Er spielte für die Menschen von Jarmuk, einem palästinensischen Flüchtlingslager am Rande von Damaskus. Über die Jahre hat es sich zu einem Viertel mit rund 800 000 Einwohnern entwickelt. Heute leben dort nur noch schätzungsweise 18 000 Menschen. Jene, die kein Geld für die Flucht haben oder krank sind. Für sie hat Aeham Ahmad musiziert, bis die Milizen im April sein Klavier verbrannten.

Ahmad, der mit seiner Musik die Menschen davon abbringen wollte, die gefährliche Reise nach Europa anzutreten, musste selbst fliehen. Er fürchtete um sein Leben. Seit Ende September ist der Musiklehrer in München – seine Frau und seine Kinder sind noch in Syrien.

Ahmad wird seiner Familie erzählen, dass er seinen bisher größten Auftritt hatte. „Ich bin so glücklich, dass ich meine Botschaft von Liebe und Frieden an so viele Menschen senden konnte und ihre positiven Reaktionen gesehen habe“, sagt Ahmad. Sein Lied am Sonntag handelte natürlich von Jarmuk. Von den Freunden dort, die er verloren hat. Und von der Hoffnung, dass es irgendwann Frieden geben wird.

Hamza (12), der kleine Zauberer

Es war der wohl größte Moment im bewegten Leben eines bis dato kleinen Showmasters: Hamza (12) aus Damaskus stand am Sonntag vor 24 000 Menschen auf der Bühne, bedankte sich für die Party und sprach vor, was „Willkommen“ auf Arabisch heißt: ahlan wa-sahlan.

Hamza habe ich Mitte August als Freizeitbegleiterin für Flüchtlinge kennengelernt – da waren er und sein Bruder Yosuf (23) einen Monat in Deutschland. Hamza hatte sich bei einem Willkommens-Picknick als Vampir schminken lassen und mich lachend mit gebleckten Zähnen angefallen. Dann zeigte er mir Zaubertricks, was er auf Deutsch sagen kann und wir tanzten zu afrikanischer Musik.

Hamza (12) bei seinem großen Auftritt. Neben ihm: Moderator Joko Winterscheidt.

Auf dem Königsplatz war wieder so ein typischer Tag mit Hamza: Er spielte Luftgitarre, zauberte Pfandmarken hinter unseren Ohren hervor und tanzte wie ein Roboter. Dass Steffi von Bellevue di Monaco auf ihn aufmerksam geworden ist, ist ein Zufall. Doch folgt das einer Logik: Denn dieser Junge gehört auf die Bühne! Während Flüchtlinge und Münchner vor der Bühne den Wanda-Refrain „Eins, zwei, drei, vier. Es ist so schön bei dir“ mitsangen, sang Hamza mit Bruder Yosuf hinter der Bühne. Hamza kann auf Deutsch viel weiter als vier zählen und schön, das Wort kennt er auch. Die Münchner haben ihn nur arabisch sprechen hören, aber Hamza spricht englisch, deutsch und kann alles mit seinen Händen erzählen.

Es ist traurig, dass seine Eltern und zwei seiner Geschwister seinen großen Auftritt nicht sehen konnten – sie wären so stolz auf ihn gewesen. Doch die Familie von Hamza ist in Damaskus. Wir Ehrenamtler können nur erahnen, was Hamza und all die anderen Flüchtlinge in ihrer Heimat und auf der Flucht erlebt haben. Hamzas Geschichte kenne ich erst ab dem Moment, als er in München in Sicherheit war. Am Sonntag hat Hamza das erste Mal nicht nur im kleinen Kreis gezaubert, sondern 24 000 Menschen verzaubert.

Bilder vom Danke-Konzert für freiwillige Flüchtlingshelfer

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Jasmin Menrad, im Namen aller, die Hamza kennen

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