An der Theke wurde diskutiert

Letzter Abend in Münchner Kult-Lokal – Gäste trauern um die Bar in der Maxvorstadt

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Am Samstag haben Stammgäste und Freunde der Betreiber der Theresa Bar ein letztes Mal angestoßen

Die Theresa-Bar in der Münchner Maxvorstadt muss schließen. Am Samstagabend öffneten die Türen ein letztes Mal. So verlief der Abschied.

Update vom 31. März: Am Samstagabend öffnete die Theresa Bar im Univiertel zum letzten Mal ihre Türen. Und das, obwohl die Eigentümer der Räume und der Bar-Besitzer, Markus Thatenhorst, ja noch gehofft hatten, dass ihr Lokal ein weiteres Jahr bleiben darf (die tz berichtete - siehe unten, Artikel vom 16. März). Doch am vergangenen Donnerstag gab es die Gewissheit: Die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) sprach sich gegen die Bar aus. Zur Erinnerung: Weil der nächtliche Betrieb einige Anwohner störte und in der Teilungserklärung keine Bar in den Räumen vorgesehen war, zog die WEG gegen die Bar vor Gericht – und gewann in erster Instanz. In zweiter Instanz gab es dann einen Vergleich: Die Bar durfte ein weiteres Jahr bleiben. Bis Samstag. Nun hofft die WEG, dass ein „ruhiger Betrieb“ einzieht. „Wir waren immer eine erwachsene Bar mit erwachsenen Gästen, wir waren nicht auf Party und lärmende Leute ausgelegt. Und so war es auch, hier war es immer entspannt“, erklärt hingegen Besitzer Markus Thatenhorst am letzten Abend in seiner vollen Bar. Noch habe er es nicht hundertprozentig realisiert, dass seine Bar schließen muss. So mancher Gast am Samstag auch nicht. Heiß wurde über die Schließung an der Theke diskutiert. Die tz hörte sich am Schlussabend in dem Lokal im Univiertel bei den Gästen um.

Sonja Graziadei (27), Managerin aus München: 

Ich bin oft in die Theresa gekommen – eine tolle Bar mit guten Drinks und entspannter Musik. Die Mischung hat immer gepasst, ich hatte besonders schöne Abende hier. Ich verstehe aber im Grunde genommen auch die Anwohner. Allerdings finde ich: Wer so zentral wohnt, sollte mit ein bisschen Lautstärke schon zurechtkommen.

Tibor Kramer (43), Start-up-Berater aus München: „Meine absolute Lieblingsbar“

Die Theresa war meine absolute Lieblingsbar, sie hatte alles, was es dazu braucht: ein tolles Design, eine schöne Lichtatmosphäre und ein super Bar-Team. Insgesamt sehr, sehr lässig. Das Team hat alles gemacht, damit es weitergehen kann: Schallschutz, ein Silencer vor der Tür. Es ist ein Drama, dass München so ein Juwel verliert.

Artikel vom 16. März: Anwohner klagen Bar aus ihrem Haus - eine Sache macht den Fall komplett absurd

Samtvorhänge. Ein „Silencer“, der Gästen sagt, dass sie leiser sein müssen. Dämmungsmaßnahmen. Markus Thatenhorst hat viel versucht, damit seine Theresa-Bar im Univiertel bleiben darf. Doch vermutlich wird dort schon am 31. März zum letzten Mal ein Cocktail geschlürft. 

Räumlichkeiten nur für „stille“ Gewerbe vorgesehen

Nachbarn zwingen Thatenhorst, seine Bar zuzumachen. Eine Anwohnerin hatte geklagt, nachdem sie in der Teilungserklärung herausfand, dass in den Räumlichkeiten gar keine Bar geführt werden darf. „Laden mit WC” steht in dem Papier. Heißt: Hier ist nur Gewerbe erlaubt, das genau so wenig lärmt wie ein Laden und auch vergleichbare Öffnungszeiten hat. Das Absurde in diesem Fall: In den Räumlichkeiten im Hinterhof war die vergangenen 25 Jahre das jüdische Restaurant Cohen’s beheimatet, das auch abends geöffnet hatte. Und: Das Kreisverwaltungsreferat hatte der Theresa-Bar eine Konzession gewährt. 

Klage sorgt für finanzielle Einbußen 

Unter der Schließung leiden nicht nur die Thatenhorsts, sondern auch die Inhaber der Räume, die anonym bleiben möchten. Sie hatten die Immobilie gekauft, als schon ein Restaurant darin war. Die Raummiete sei ein wesentlicher Bestandteil der Rente des 79-Jährigen und seiner Frau. Die Streitigkeiten um die Bar hätten die Rentner bisher bereits 40 000 Euro gekostet. 

Und es könnte noch viel teurer werden: Die Familie Thatenhorst hat einen Vertrag für zehn Jahre – jetzt müssen sie nach der Hälfte raus. Viele Investitionen sind noch nicht gedeckt. „Wir machen der Familie der Eigentümer keinen Vorwurf. Wer was zahlt, ist noch nicht geklärt – das steht noch auf einem anderen Blatt Papier“, sagt Thatenhorst. Umso mehr hoffen beide Parteien auf den 28. März. Dann findet eine Sonderversammlung der Eigentümergemeinschaft statt, in der die Wohnungsbesitzer abstimmen können, ob die Bar noch ein Jahr länger geduldet bleibt. 

Jeder Tag, an dem die Bar geöffnet bleibt, verringert den Schaden. „Es ist ein Vabanquespiel. Ich schätze, dass die Chancen 50:50 stehen“, heißt es vom Sohn der Eigentümer. Thatenhorst ist etwas pessimistischer: „Ich glaube, den Prozentbereich unserer Chancen kann man an einer Hand abzählen…“

Stéphanie Mercier

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