Tochter erhebt schwere Vorwürfe

„Es war sein Todesurteil“: Kranker Mann (73) wird bei Zwangsräumung vor die Tür gesetzt - im neuen Zuhause stirbt er

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Es bleiben nur Erinnerungen: Tatjana Huber mit einem Foto ihres Vaters, der im November gestorben ist.

Er hing an seinem Baum, wollte ihn nicht fällen. Die GWG setzte einen Münchner nach 30 Jahren auf die Straße, obwohl er schwer krank war. Jetzt ist der 73-Jährige tot. Seine Tochter erhebt schwere Vorwürfe.

  • Ein Münchner (73) ist von der GWG nach 30 Jahren vor die Tür gesetzt worden. Nach kurzer Zeit in seiner neuen Wohnung starb er.
  • Der Mieter sollte einen Ahornbaum auf seinem Balkon in seiner Mietwohnung entfernen und weigerte sich.
  • Seine trauernde Tochter erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die städtische Wohnungsgesellschaft.  

München - Zwei Jahre ist es her, dass ein skurriles Wohnurteil für Schlagzeilen gesorgt hat. Damals entschied das Amtsgericht, dass man als Mieter keinen Ahornbaum auf seinem Balkon wachsen lassen darf. Genau das hatte Walter Huber (Name geändert) aber getan. Heute, zwei Jahre später, ist der Mann tot. Das Urteil ist der Anfang einer Geschichte, die ein ganz tragisches Ende nehmen sollte. Die Tochter des 73-Jährigen erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadt und ihre Wohnungsgesellschaft GWG. Diese hatte Hubers Wohnung nach dem Baumstreit zwangsgeräumt – obwohl er zu diesem Zeitpunkt schwer krank war.

Schwerer Vorwurf nach Zwangsräumung in München: „Hat meinen Vater zugrunde gerichtet“

„Die GWG hat meinen Vater zugrunde gerichtet“, sagt Tatjana Huber und kämpft mit den Tränen. In ihren Augen wurde ihr Vater in den Tod getrieben. Vergangene Woche erreichte die 49-Jährige die Horrornachricht ihres Lebens: Ihr Vater wurde tot in seiner neuen Wohnung gefunden. Er lag schon wochenlang auf dem Fußboden. Walter Huber hatte einen Herzstillstand erlitten. 

Er konnte sich die teuren Medikamente für sein krankes Herz nicht leisten. „Er ist ja aus der Krankenversicherung geflogen“, sagt seine Tochter. Ihre Hilfe hat Huber nicht mehr angenommen, er war am Ende. Wie es dazu kommen konnte? Für seine Tochter ist das schwer nachvollziehbar, sie weiß auch nur das, was ihr Vater ihr erzählt hat.

München: Der Ahorn musste weg - eine Schock-Nachricht für den Rentner

Demnach bezog er kaum Rente. In so einem Fall zahlt die Stadt Grundsicherung und auch die Miete für die Wohnung der GWG an der Gabelsbergerstraße, in der Huber 30 Jahre lang gewohnt hat. Immer mit dabei: der Ahornbaum. Erst klein im Blumentopf, später groß auf dem Balkon. Der Baum war ihm wichtig, erzählt die Tochter. Ihr Vater hatte schwere Depressionen, fand im Ahorn Halt. Deshalb hat er ihn nach dem Gerichtsurteil von 2017 auch nicht gleich gefällt, sondern den Streit mit der GWG wohl vorangetrieben. So lange, bis es zur Zwangsräumung kommen sollte. 

Es gab zwei Termine, die verschoben wurden. Huber hatte jeweils ärztliche Atteste vorgelegt. Genauso wie beim dritten Termin, der für Februar 2019 angesetzt wurde. Wieder warnte der Kardiologe eindringlich davor, den schwer kranken Mann der Belastung einer Zwangsräumung auszusetzen. „Andernfalls sind ernste, lebensbedrohliche Folgen zu erwarten“, heißt es im Attest. Diesmal blieb das Gericht hart. So stand Huber am 26. Februar mit einem kleinen Koffer auf der Straße.

Jahrelang hatte er mit seiner Tochter keinen Kontakt, war das Verhältnis zwischen ihnen schwierig. An diesem Tag schreibt er ihr in seiner Not eine E-Mail. Sie hilft ihm, organisiert eine Bleibe bei Bekannten, nimmt ihn auf, sucht ihm eine Wohnung.

Vater schottete sich von der Tochter ab

Bis dahin zeigt sich immer mehr, wie schlecht es ihrem Vater wirklich geht. „Er hat versucht, die Depression vor uns zu verbergen.“ Genauso wie das Ausmaß seiner Herzkrankheit. Huber schottet sich wieder von seiner Tochter ab, will alles allein regeln. Dass er es mit seinen Krankheiten nicht mehr schafft, die Anträge für eine Sozialwohnung und weitere finanzielle Unterstützung vollständig einzureichen, muss sich die Tochter zusammenreimen. „Er war ein lieber Kerl, aber auch ein schwieriger Typ“, sagt sie. Dass er vor dem Nichts stand, daran ist er zerbrochen, ist sie sich sicher.

Der Grund für den Streit: Der Ahornbaum, den Walter Huber auf seinem Balkon wachsen ließ.

München: Zwangsräumung trotz Krankheit

All sein Besitz war in der alten Wohnung geblieben. Die GWG wollte zunächst vor der Herausgabe 17.500 Euro für die Gerichtsvollzieher-Kosten haben. Von einem Mann, der wohnungs- und mittellos war. Dazu erklärt eine Sprecherin: „Aus der Gleichbehandlung aller (....) Mieter folgt die Verpflichtung, offene Forderungen aus Abrechnungen in Rechnung zu stellen.“ Wird die nicht bezahlt, kommt es zur Versteigerung. Der Rest von Hubers Besitz wurde mit wenigen Ausnahmen vernichtet. 

Die GWG beruft sich auf Nachfrage auf gesetzliche Vorgaben. Warum sie trotz Hubers Krankheit zwangsgeräumt hat? Dazu gibt es keine Stellungnahme – „aus Datenschutzgründen“. Darauf beruft sich auch das Sozialreferat. Es weist aber darauf hin, dass der Männerfürsorgeverein wohl vergeblich versucht habe, mit Huber vor der Zwangsräumung Kontakt aufzunehmen. 

Der hatte sich per E-Mail schon im März an OB Dieter Reiter gewandt. Die Antwort kam von Amt für Wohnen und Migration, das auf fehlende Antragsunterlagen hinwies. Auf Anfrage erklärt Reiter, dass er sich eingehend mit den Vorfällen auseinandersetzen will. Muss er auch: Die Stadtratsfraktion der Linken hat einen Antrag gestellt. Sie will wissen, warum die GWG Huber auf die Straße gesetzt hat.

Rudolf Kluge (89) sollte seine Münchner Wohnung wegen einer Eigenbedarfskündigung verlassen. Das Schicksal des Münchner Rentners hatte sogar einen ehemaligen Vizekanzler bewegt. Dann folgte eine Wende.

Die Kündigung des Mietvertrags bedeutet auf einem angespannten Mietmarkt ein riesiges Problem. Gelingt es nicht, rechtzeitig eine neue Bleibe zu finden, droht gar die Zwangsräumung. Was das bedeutet, muss eine Familie in Neuhausen gerade erleben.

In München kam es zu einem Angriff auf der Leopoldstraße. Auf Höhe des Siegestor wurde ein Münchner unvermittelt angegriffen.

In München kam es mitten am Tag zu einem Raubüberfall mitten in der Stadt. Ein unbekannter Mann bedrohte eine Verkäuferin mit einer Pistole.

In München kam es zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Leonrodstraße. Ein Vater rannte mit seinem Sohn zu einer Tram. Beide übersahen ein kommendes Auto.

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