Wer soll sich das leisten?

Wohnungspreis schockt sogar Münchner - Makler wirbt: „Sie sparen das Geld für eine Hotelsuite“

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Fünfter Stock, fünfstellige Summe – gute Aussichten für alle, die sich’s leisten können

Eine Luxus-Immobilie in München bricht alle Preis-Rekorde. Für das Geld, das die Wohnung pro Monat kosten soll, kaufen sich andere einen Kleinwagen.

  • Ein Angebot für eine luxuriöse Wohnung mitten in München bricht alle Preis-Rekorde.
  • Die 220-Quadratmeter-Wohnung soll pro Monat 10.120 Euro Miete kosten.
  • Die Sprecherin des Münchner Mietvereins beklagt „immer absurdere Blüten“, die der Wohnungsmarkt treibt.    

München - Eine große Traumwohnung, hochwertig möbliert, in bester Lage über den Dächern der Stadt – das darf natürlich etwas kosten. Aber 10.120 Euro Miete? Jeden Monat? Ein solches Angebot findet man derzeit im Internet auf ­immowelt.de. Die Makler der Sauter Immobilien & Consulting e. K. vermitteln die 220 Quadratmeter im Auftrag des Eigentümers. Gelegen in der Sophienstraße (Maxvorstadt), fünfter Stock mit Blick auf den Justizpalast. Einbauküche, Fußbodenheizung: alles da, alles nobel. Und das kostet! Selbst im teuren München sind solche Summen nicht alltäglich. Allein die Nebenkosten haben es in sich: 1.100 Euro – dafür bekommt man sonst schon mal eine Zweizimmer-Wohnung in guter Lage. Die durchschnittliche Nettokaltmiete in München liegt bei 11,69 pro Quadratmeter. Das Luxus-Angebot liegt dagegen bei schlappen 46 Euro (da sind dann die Nebenkosten eingerechnet).

Video: Wie teuer sind Wohnungen in München?

„Der Mietmarkt treibt immer absurdere Blüten“, klagt Anja Franz, Sprecherin des Mietervereins München, angesichts solcher Angebote. Seit August gelte in München die Mietpreisbremse, um die ewige Preis-Spirale zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Gemäß dieses Gesetzes dürfen Vermieter höchstens zehn Prozent mehr als die ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen. „Wir hoffen, dass dieses Instrument solche Auswüchse in Zukunft verhindert“, so der Mieterverein. In München bestimmt der Mietspiegel die ortsübliche Vergleichsmiete. Das Problem hier: Der umfasst nur Wohnungen mit einer Fläche bis 160 Quadratmetern. Es wäre also schwierig, die Vergleichsmiete zu berechnen – auch weil’s gar nicht viel Vergleichbares gibt.

Strahlend helle Einbauküche, moderne Fußbodenheizung, Blick auf den Justizpalast – dieser luxuriöse Wohntraum an der Sophienstraße in der Maxvorstadt hat es in sich. Und das gilt auch finanziell

Irre Miete für Wohnung in München: „Hochwertige moderne Designer-Ausstattung“ inbegriffen

Unter anderem auch deshalb, weil der künftige Mieter in der Wohnung laut Inserat „hochwertige moderne Designer-Ausstattung“ vorfinden wird. Auch das erhöht den Wert der Wohnung. Bilder zeigen unter anderem eine edle Couch-Landschaft und eine Wand mit Feuerstelle.

Harald E.W. Sauter, Chef der Sauter Immobilien & Consulting E. K., warnt davor, beim Thema Mieten in München „die bestehende Neid-Debatte noch mehr zu schüren“. Man müsse den Wohnungsmarkt differenziert betrachten. Möblierte Wohnungen seien zum einen natürlich immer teurer.

Eine 38-Millionen-Villa kauft man wohl nicht im Vorbeigehen. Dennoch gibt es eine simple Internetanzeige solch eines Luxus-Objekts in München-Bogenhausen.

Chef von Immobilien-Firma nimmt Stellung: „Sie sparen sich dann das Geld für eine Hotelsuite“

Bei der betroffenen Wohnung handle es sich außerdem um eine exklusive Designer-Penthouse-Wohnung mit Sonnendeck im Freien, vollmöbliert und bis ins kleinste Detail ausgestattet mit hochwertigen Designer-Möbeln und Kunstgegenständen – und das auch noch in dieser Lage, hoch über den Dächern der Stadt direkt neben dem Fünf-Sterne-Hotel The Charles. Den Mietpreis von knapp 10.000 Euro müsse man in Relation zum Wert der Wohnung und der Einrichtung betrachten. Solche Wohnungen seien Teil eines kleinen Luxusmarktes, den es eben auch in München gebe.

„Der Mietmarkt treibt immer absurdere Blüten“. Anja Franz vom Mieterverein.

Wer so ein Penthouse überhaupt mieten soll? Laut Sauter sind das zum Beispiel Firmengründer, Entscheidungsträger und Projektmanager großer Unternehmen, die für meist sechs Monate bis zu einem Jahr eine fertig ausgestattete Wohnung in der Innenstadt beziehen wollen. „Sie sparen sich dann das Geld für eine Hotelsuite.“ Tatsächlich eine Klientel, die sich in der Regel wenig Gedanken um die monatliche Miete machen muss – auch wenn die Summe fünfstellig wird.

Auch kleine Wohnungen in München werden immer teurer

Bezahlbare Wohnungen zu finden, ist nicht leicht in München – hochpreisige Angebote gibt es hingegen wie Sand am Meer. Zum Beispiel 50 möblierte Quadratmeter in der Nähe des Olympiaparks – für 2070 Euro warm. Das sogenannte Microloft ist mit einer Marken-Einbauküche und Fußbodenheizung ausgestattet. Das Haus hat eine Video-Gegensprechanlage und eine eigene Paketstation im Haus. Schlappe 5.400 Euro Kaution muss der künftige Mieter zum Einzug hinterlegen. 

Auch für Freunde sanierter Altbauten gibt es hochpreisige Angebote. Für knapp 28 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter kann man in Haidhausen derzeit einen Wohntraum auf Fischgrätenparkett mieten. Für drei Zimmer in einem 1897 erbauten Haus blättert man dann jeden Monat 2.750 Euro warm hin – die Heizkosten sind da noch gar nicht enthalten. Dafür bekommt man dann ein Tageslichtbad und einen Balkon zum Innenhof. Herrlich!

Manchmal geht es bei der Wohnungssuche nicht nur um die Höhe der Kosten, sondern auch um die Frage, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Betrüger werden immer dreister, um Wohnungssuchende um ihr Geld zu bringen. Derzeit machen Kriminelle mit einer besonders unverschämten Masche auf sich aufmerksam.

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Mitten in München vermietet eine Kirche eine Penthouse-Wohnung. Ab 1. Februar ist die Wohnung bezugsbereit. Der Preis hat sich gewaschen - das ist der Grund. Ein Grund zur Freude ist das Volksbegehren des Mietervereins München - doch eine Frage bleibt: Macht die CSU-geführte Staatsregierung mit?

+++ Auch spannend aus München - Mädchen (12) wird bei Konzert sexuell belästigt und keiner hilft. Ihre Mutter berichtet uns von verstörenden Szenen.

Eine neue Serienproduktion lässt in München Welten aufeinanderprallen: Die „Rich Kids“ der Stadt treffen dabei auf Obdachlose. Gefilmt wird an einem ungewöhnlichen Ort. 

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