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Maxvorstadt: Gute Seiten, schlechte Zeiten

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Gerhard Bauer (70) musste sein Antiquariat in der Maxvorstadt schließen, weil die Kundschaft ausblieb. Dieses Schicksal teilt er mit mehreren anderen Buchhändlern im Univiertel.

München - In der Maxvorstadt weichen Buchhandlungen und Antiquariate immer öfter Saftbars, Copy-Shops oder Schuhläden. Sind die guten alten Zeiten im Viertel vorbei? Geht das Flair verloren? Was meinen Sie?

Gerhard Bauer ist wütend. Sehr sogar. Seine Liebe gehört dem gedruckten Wort. Aber Bücher, – für den Schriftsetzer, Lektor und Korrektor sind sie Schätze – scheinen die Leute immer weniger zu interessieren. Anders kann sich der 70-Jährige das Ausbleiben der Kundschaft nicht erklären. Nach 16 Jahren musste er jetzt laut Münchner Merkur sein Antiquariat Maxvorstadt I am Ende der Schellingstraße zusperren.

Wenn er an die 17 000 Bücher denkt, die er in Kisten verpacken muss, damit sie ein anderer im Internet verscherbelt, dann kocht es ihn ihm: „Ich habe diese Bücher für nicht einmal ein Zehntel dessen verkauft, was ich beim Einkauf bezahlt habe.“

"Verwahrlosung der Kultur auf allen Gebieten"

Der Antiquar ist mit seinem Leid nicht allein. In der Maxvorstadt weichen Buchhandlungen und Antiquariate immer öfter Saftbars, Copy-Shops oder Schuhläden. So hatte die Traditions-Buchhandlung Goltz in der Türkenstraße bereits im Januar Räumungsverkauf. Und die Universitätsbuchhandlung Heinrich Frank konnte noch nicht einmal ihre optimale Lage im selben Gebäude wie die Schellingmensa retten: Kürzlich musste das Geschäft Insolvenz anmelden, 135 Jahre nach Gründung.

Für Gerhard Bauer liegen die Gründe auf der Hand. „Die jungen Leute lesen nicht mehr! Es ist eine Verwahrlosung der Kultur auf allen Gebieten zu beobachten“. Auch das Internet trage zum Niedergang der Antiquariate und Buchläden bei. „Die Leute schauen sich um, schreiben die Titel ab und bestellen die Bücher dann im Netz.“

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Die guten alten Zeiten, als wertvolle Nachlässe im Antiquariat gelandet seien, die Laufkundschaft aus Liebhabern und Sammlern bestanden habe und die Studenten sich nicht nur für die Noten, sondern auch für die Inhalte ihres Studiums interessiert hätten, die kämen nicht wieder – da ist Gerhard Bauer überzeugt. „Vielleicht sollte man das Internet auf Fraktur-Schrift umstellen“, sagt er jetzt zynisch.

Wir fragen uns: Geht mit dem Verschwinden von Traditions-Geschäften auch das Flair des Viertels verloren? Oder macht gerade der Wechsel von Geschäften die Maxvorstadt zu einem besonders lebendigen Viertel? Was denken Sie, liebe Leser? Am besten, Sie sagen uns das, indem sie bei unserem großen Stadtviertel-Check mitmachen (Formular unten).

Wir freuen uns über jede Stimme und jede Meinung. Machen Sie mit beim großen Stadtteil-Check: Die tz und die Uni Augsburg möchten von Ihnen wissen, wo in München Sie sich am wohlsten fühlen! Einfach unten den Fragebogen ausfüllen und automatisch am Gewinnspiel teilnehmen - hier geht's zu den Preisen! Die Angaben behandeln wir natürlich vertraulich.

sbö

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