Kampf um Blumenkübel

Blumenkrieg in der Maxvorstadt: Jetzt droht die Stadt mit Räumung

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Streit über Blumenkübel am Josephsplatz – die den Anwohnern Freude bereiten, jedoch der Stadt ein Dorn im Auge sind.

Mit Blumenkübeln haben sich Anwohner in der Maxvorstadt einen Platz zurückerobert. Doch das findet die Stadt gar nicht witzig - denn die Kübel versperren unter anderem die Zufahrt. 

München – Chili-Pflanzen, Kräuter, Blüten-Sträucher, aber auch kleine Tannen: Querbeet und kunterbunt sind die Kübel bepflanzt, die den Franziskusbrunnen aufhübschen. Doch seit Dienstag stecken weiße Hinweisschilder – getackert an Holzlatten – in den Kästen. Dabei handelt es sich um laminierte Botschaften der Stadtverwaltung. Genauer gesagt des Baureferats und seiner Abteilung für Straßenunterhalt. Auf diese Weise wird der Eigentümer aufgefordert, die Pflanzenkübel bis Ende des Monats verschwinden zu lassen. Sonst räumt die Stadt auf dem Josephsplatz in der Maxvorstadt auf.

Rätselraten um den Aufsteller der Blumenkübel 

„Ich finde es schade, dass alles weg soll“, sagt Julia Wessendorf. Die Mutter kommt oft zum benachbarten Spielplatz und am Brunnen vorbei. „Die Blumen sehen doch schön aus“, sagt sie und schüttelt angesichts der Aufforderung mit dem Kopf. Karin Laas regt sich darüber richtig auf. „Das gibt es doch nicht“, schimpft die 75-Jährige. „Wir werden nur noch reglementiert.“

Mit diesem Schild kündigt das Baureferat der Stadt München an, die Blumenkübel zu beseitigen.

Wer Besitzer der Blumentröge ist, bleibt unklar. Ende März standen die ersten einfach da, sagt ein Anwohner, der sich zu den „Freunden des Franziskusbrunnen am Josephsplatz“ zählt. Nach und nach wurden es mehr Kästen und Nachbarn, die sie befüllt haben. Jeder pflanzt mal was oder gießt.

Blumenkübel in der Maxvorstadt: Stadt will die Räumung

Das Ganze sieht aber nicht nur schön aus, sondern hat einen weiteren Effekt: Die Kübel erschweren es Autos und Lastwagen, im Brunnen-Umfeld zu parken, weil sie die Einfahrt auf den Platz versperren. Jugendliche Skateboarder werden zudem davon abgehalten, die Treppen in ihre Tricks einzubauen. Das Geratter der Rollen ist vielen auf die Nerven gegangen. „Die haben hier ihre Wettbewerbe ausgetragen“, sagt der Anwohner. Die Gesprächsatmosphäre sei aufgeheizt gewesen. Einmal sei Situation regelrecht eskaliert: Anwohner und Jugendliche fotografierten und filmten sich gegenseitig. Jetzt sind die jungen Leute nicht mehr da, die Anwohner freuen sich über die Ruhe am Brunnen. „Wenn die Kübel weg müssen, kommen die Skater wieder“, sagt der Anwohner.

Streit über Blumenkübel am Josephsplatz: Sehen hübschen aus und halten Skateboarder fern – doch ihre Aufstellung erfolgte ohne Erlaubnis der Stadt.

Zur Nachbarschaft gehört auch Cafébesitzer Richard Weiss, der für die Grünen im Bezirksausschuss sitzt. Seine Reaktion, als er die Blumenkübel das erste Mal gesehen hat: „Eine tolle Aktion der Stadt, um die Fahrzeuge vom Brunnenplatz zu bekommen“. Über den Wortlaut der Räumungsaufforderung kann er nur schmunzeln. Zum einen, weil das Baureferat einräumt, die Blumen selbst schön zu finden. Zum anderen, weil auf die „unerlaubte Sondernutzung auf öffentlichem Verkehrsgrund“ hingewiesen wird. Behördendeutsch, für das Weiss Verständnis hat. Die Mitarbeiter würden nur ihre Arbeit machen.

Die Grünen-Fraktion im Stadtrat will nun per Dringlichkeitsantrag erreichen, dass die Kübel bleiben können. „Vielleicht kann man großzügig prüfen“, sagt Fraktions-Chef Florian Roth mit Blick auf den Feriensenat am 21. August, „ob eine Ausnahme möglich ist“.

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Uneinigkeit über Verschönerungsmaßnahmen herrscht auch im Westend, weil hier Parkplätze für begrünte Straßenoasen geopfert werden müssen. Sehr zum Ärger zum einiger Anwohner, die eine Entwicklung der Schwanthalerstraße zur Partyzone fürchten.

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