Volkstheater zieht 2020 um

"Wir bauen uns gerade unser Wunschtheater"

+
Volkstheater-Intendant Christian Stückl (l.) und sein Technik-Chef Carsten Lück zeigen die Pläne für den Neubau ihres Theaters. 2020 wird aufs Viehhof-Gelände umgezogen Foto: dpa

München - Das Volkstheater zieht um. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Der neue Standort steht fest: der Viehhof. Und Intendant Stückl ist begeistert, dass es bald losgeht

„Wir bauen uns gerade unser Wunschtheater“, schwärmt er. 2020 ist’s so weit. Der Stand: Die Entscheidung für den künftigen Standort Viehhof im Schlachthofviertel fällte der Stadtrat im Dezember. „Ich war überrascht, dass es dann doch recht schnell gegangen ist. Und auch von der parteiübergreifenden Einigkeit“, sagt Stückl. Den Zeitfaktor nennt Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers als Hauptgrund für das Viehhofgelände. Eine Entscheidung für die Großmarkthalle hätte eine teure Übergangslösung erfordert.

Ende der 90er habe das Haus kurz vor der Pleite gestanden, erinnert sich Stückl, der 2002 die Intendanz übernahm. Er habe mit seinem Team und einem „überzeugenden Spielplan“ eine Wende erreicht, so Küppers. „Heute würde niemand mehr ernsthaft die Zukunft des beliebten Theaters in Frage stellen.“ Die Vorstellungen seien zu 80 Prozent ausgelastet, 100 000 Besucher kämen jährlich.

Jetzt sind Stückl und sein Cheftechniker Carsten Lück als Bauplaner gefragt. Mit einem Architekten haben sie einen Grundriss angefertigt, die Bühne, Arbeitswege und Zuschauerräume geplant. „Wir verschieben Klötzchen auf dem Papier“, sagt Lück. Ein völlig neues Theater gestalten zu können, sei ein „Traum“.

Das bisherige Haus platzt inzwischen aus allen Nähten. Es gibt zu wenig Platz für Lager, Werkstatt und Probenräume. Das Volkstheater hat Container und Probenbühnen angemietet. Zudem fehlen Schnürboden, ein Aufzug für Rollstühle, eine Tiefgarage, und auch der Brandschutz müsste verbessert werden. Und das, obwohl es mehr Aufführungen gibt als früher. Deswegen soll das neue Volkstheater eine zweite Bühne und größere Zuschauerräume bekommen. „Angesichts der Nachfrage ist dies absolut notwendig“, sagt Küppers.

Die Entwicklung findet der Intendant „total spannend“. Er sei stolz, das Vertrauen der Stadt zu haben. Eine Summe sei ihnen noch nicht genannt worden, was das Haus kosten darf. „Wir brauchen mehr Platz und mehr Bühnentechnik – aber nicht wie die Staatsoper.“ Es soll kein Repräsentationsbau werden, sondern ein Haus, das sich in die gewerblich geprägte Umgebung einfügt. Bauherr ist die Stadt München. „Die Baukosten werden zusammen mit der Vorplanung ermittelt, danach wird der Stadtrat ein Budget für das Bauvorhaben festlegen“, erläutert Küppers. Er will dem Stadtrat demnächst vorschlagen, dass das Kommunalreferat einen externen Dienstleister beauftragt. „In einem Wettbewerb könnte die beste Umsetzungsvariante ermittelt werden.“

Wichtig ist Stückl, dass das Flair erhalten bleibt, bis hin zum Biergarten. „Die Leute sollen gerne ins Theater gehen, sollen diskutieren. Ich sehe es als Ort der Begegnung.“ Stückl findet es amüsant, wenn Lehrer ihren Schülern sagen, sie sollen einen Anzug anziehen. „Man soll ins Theater wie ins Kino gehen können.“ Kritische Stimmen aus der Umgebung des Viehhofgeländes nimmt Stückl ernst. „Sicher haben Leute Angst vor Ruhestörung. Und sicher braucht die Stadt Wohnungen. Aber Kultur ist wichtig und macht eine Stadt lebenswert.“ Er überlegt, am künftigen Standort ein Zelt aufzustellen und die Anwohner einzuladen. „Wir wollen die Bürger einbeziehen.“ Von vielen Leuten habe er aber auch gehört, dass sie sich auf das Theater freuen. „Jeden kann man nicht überzeugen.“

Die Turnhalle hat bald ausgedient

Das aktuelle Domizil von Volkstheater-Chef Christian Stückl (53)  in der Brien­ner Straße wurde 1955 erbaut. Ursprünglich übrigens als Turnhalle im Haus des Sports. 1983 dann wurde es zur Spielstätte des Volkstheaters umgebaut und fasst seither 609 Zuschauer. Der Pachtvertrag mit dem Bayerischen Fußballverband läuft 2020 aus und wird nicht verlängert. Somit kam der Stein ins Rollen – und Stückl kämpfte leidenschaftlich für eine neue, zentral gelegene Heimat seines Hauses. Letztendlich mit Erfolg.

Bisherige Intendanten waren Jörg-Dieter Haas, Ruth Drexel und Hanns Christian Müller als Interims-Leiter.

Ute Wessels

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Auf Streife: Münchner Polizeiinspektionen im Portrait
Auf Streife: Münchner Polizeiinspektionen im Portrait
Starkbier-Wahnsinn: Mehr Gäste und Gaudi – Anwohner genervt
Starkbier-Wahnsinn: Mehr Gäste und Gaudi – Anwohner genervt
H&M gründet neue Modekette auch in München - mit einer Überraschung
H&M gründet neue Modekette auch in München - mit einer Überraschung
Im Internet: Münchner können jetzt unsichere Orte melden
Im Internet: Münchner können jetzt unsichere Orte melden

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare