Szene verlagert sich

Nach Alkoholverbot am Hauptbahnhof: Es gibt einen neuen Brennpunkt in München

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Immer mehr Obdachlose zieht es zum Königsplatz.

Die Situation am Königsplatz spitzt sich zu. Neben Obdachlosen zieht es seit Erlass des Alkoholverbotes am Hauptbahnhof auch Suchtkranke in die Maxvorstadt.

München - Die Situation am Königsplatz spitzt sich zu. Neben Obdach­losen zieht es seit dem Erlass des Alkoholverbotes am Hauptbahnhof auch stetig mehr Suchtkranke in die Maxvorstadt. Zudem schlagen mehr Beschwerden bei Polizei und Bezirksausschuss auf – auch über Drogenkonsum. Nun soll ein runder Tisch helfen.

Bereits vor einem Jahr hatte die Stadtratsfraktion der FDP die „unhaltbaren Zustände“ rund um den Königsplatz angeprangert. Fraktions-Chef Michael Mattar schimpfte damals in der tz über Wildbiesler, Dreck, Betrunkene und Feierwütige. „Es ist eine Verschmutzung festzustellen, die beispiellos gerade für diesen besonderen Ort ist. Zudem halten sich regelmäßig immer mehr Betrunkene und bis in die tiefe Nacht laut krakelende Menschen im Umfeld auf. Der Bereich um die Glyptothek wird zum Übernachten genutzt, wobei im Gebüsch uriniert und die Notdurft verrichtet wird.“

Polizei hat „Verdrängungstendenzen“ ausgemacht

Mit dem Alkoholverbot am Hauptbahnhof zum Jahreswechsel hat sich die Situation am Königsplatz sogar noch verschlimmert. Die Polizei hat „Verdrängungstendenzen“ ausgemacht. Trinker- und Drogenszene suchen sich neue Orte, etwa vor der Antikensammlungen und der Glyptothek. Vermehrt gibt es laut Polizei Beschwerden über „aggressive Personen unter dem Einfluss psychotroper Substanzen“. Das bestätigt Glyptothek-Direktor Florian Knauß: „Der Umgang ist deutlich schwieriger geworden. Früher hat man mit gutem Zureden meist noch etwas erreicht.“ Nun sei aber verstärkt Aggressivität zu beobachten. „Die Menschen sind weniger bereit, Rücksicht zu nehmen und ihre Schlafplätze sauber zu hinterlassen. Es wird exzessiv getrunken und gefeiert.“ Museumsmitarbeiter fühlten sich mittlerweile unwohl.

BA-Chef Krimpmann (l.) und Glyptotheken-Chef Knauß wollen handeln.

BA-Chef Christian Krimpmann (CSU) will das Thema konstruktiv anpacken – und differenzieren zwischen Trinkern, Obdachlosen und der Drogenszene. Junkys oder Händler nimmt der BA-Chef als zweitrangiges Thema wahr, sie seien im Alten Botanischen Garten anzutreffen und auch beweglicher. „Die wollen kaufen und verkaufen. Und die wissen, dass sie sich im Bereich von Straftaten bewegen.“

Anders verhalte es sich bei den Trinkern und den Obdachlosen. „Die Leute, die sich in dieser Situation befinden, sind das ja nicht, weil sie vom Leben besonders begünstigt waren“, sagt Krimpmann. Angebote von Streetworkern aber auch Kontrollen durch die Polizei seien nur bedingt erfolgversprechend. Die Kardinal­lösung hat er auch nicht. Noch nicht. Im neuen Jahr will der BA-Chef zu einem runden Tisch einladen, dort werden neben Nachbarn und Politikern, Vertreter der ­Behörden und sozialen Einrichtungen Platz nehmen. Krimpmann: „Gerade die Obdachlosen sehe ich als gesamtgesellschaftliches Problem. Und so wollen wir das lösen.“

Video: Harter Konkurrenzkampf unter Obdachlosen

Wie die Probleme wandern

Drogendealer, Trinker, Obdachlose: München hat Problemplätze. Und immer wenn Schwierigkeiten an einem Ort gelöst werden, tauchen sie an einem anderen wieder auf. Die Szene verschwindet nicht, sie verlagert sich nur. Vor zehn Jahren galt zum Beispiel der Orleansplatz vor dem Ostbahnhof als Brennpunkt der Drogen­kriminalität mit all ihren Begleiterscheinungen wie Müll und Pöbeleien. Als dort 2007 Überwachungskameras installiert wurden, zog die Szene zum Sendlinger Tor – bis dort 2010 ebenfalls Kameras aufgestellt wurden, worauf sich die Lage am Hauptbahnhof verschärfte...

Lesen Sie auch: Drogen, Gewalt, Straftaten: Der Horror am Hauptbahnhof

Sascha Karowski/Video: Glomex

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