Einfach glänzend

Das neue Lenbachhaus: München kann stolz sein

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Der neue Anbau am Lenbachhaus.

Es ist die dritte große Museums-Eröffnung in elf Jahren. Erst die Pinakothek der Moderne, dann das Brandhorst-Museum – und jetzt das Lenbachhaus.

Es ist die dritte große Museums-Eröffnung in elf Jahren. Erst die Pinakothek der Moderne, dann das Brandhorst-Museum – und jetzt das Lenbachhaus. Wir geben zu: Der neue, große Anbau hat uns bisher weniger überzeugt. Bisher. Denn erst, wenn man das Gebäude von außen und innen gesehen hat, merkt man, was da für ein großer Wurf gelungen ist.

Das Architekturbüro Foster + Partner hat einen Teil der Eingangshalle in das alte Lenbachhaus integriert – alles wirkt aus einem Guss. Hängung, Licht, Farbgebung: München hat ein glänzendes neues Haus. Ab Mittwoch können Sie’s sehen:

Spektakulärer ­Auftakt: Das Atrium bietet mit Eliassons furiosem „Wirbelwerk“ schon mal erste Hochgefühle

Wie sagte Helmut Friedel bei der Presse-Führung: „Ein Museum ist ein Spielort. Ein Theater, in dem die Kunst ihren großen Auftritt hat.“ Und der Museumsdirektor des Lenbachhauses hat recht: Dieser Auftritt ist groß, spannend, harmonisch – und vor allem: alles andere als pädagogisch-zeigefingernd. Ein Musentempel für die Handvoll Eingeweihte, die in Kandinsky die Ordnung spüren, bei Marc die Schönheit der Schöpfung, bei Beuys den blitzgescheiten, humoristischen Ernst? Nein! Hier ist ein Haus voller Kunst, in dem man sich wirklich wohl fühlen kann. Von der Großfamilie bis zum Experten. Einfach glänzend!

Das beginnt schon beim neuen Zugang, der so neu nicht ist. Schließlich war der bisherige Zugang ja bei Lenbach nicht öffentlich, sondern führte ins Wohnhaus. Die Öffentlichkeit schritt einst durch ein Tor an der Briennerstraße – so wie heute wieder. Wer nicht gleich auf der großzügigen Terrasse beim Cappuccino den ersten Zwischenstopp macht, wird im Atrium reich belohnt: Von der Decke hängt Olafur Eliassons Wirbelwerk und zeigt in poliertem Metall und farbigem Glas gleich mal, wo’s langgeht: Filigran wie das alte Haus und leuchtend wie die Farben des Blauen Reiters. Ein Kaleidoskop von acht Metern Höhe und sieben Metern Durchmesser.

Ein Spaziergang durch die Maxvorstadt

Ein Spaziergang durch die Maxvorstadt

Entwaffend klar ist die Raumaufteilung: Zwei Türen führen ins Stammhaus, die Treppe hoch im Neubau geht’s in den ersten Stock zu Beuys & Co. Hier fasziniert die LED-Beleuchtung, die fabelhaft dezent und dennoch klar ist. Im zweiten Stock dann der Blaue Reiter in all seiner Faszination, präsentiert in sämtlichen elf Räumen: Die Wände sind farblich abgestimmt, scheinen über Fliederton ganz im Sinne des Münchner Jugendstils bis zum dramatischen Blaugrau für Marc und Macke mit Oberlicht.

Flanieren Sie einfach herum. Klar gibt es auch einen Rundgang, aber wozu das? Schließlich gibt’s, und das sagt Direktor Friedel zurecht mit Stolz, die Jahreskarte schon für 20 Euro oder für zehn Euro ermäßigt. Ein fast schon unmoralisches Angebot.

„Die größte Herausforderung war“, so Architekt Ulrich Hamann von Foster + Partner: „Wie verbinden wir auf dem beschränkten Grundriss Alt und Neu?“ Die Antwort können Sie ab Mittwoch sehen.

Davon kann das deutsche Theater träumen

Bravo! Zeit und Kosten eingehalten

Es geht also auch: Man blieb in der Zeit, und man blieb im finanziellen Rahmen. Die Sanierung hat insgesamt 59,4 Millionen Euro betragen, davon entfielen auf die wunderbare LED-Beleuchtung 4,3 Millionen Euro (zwei Millionen schoss der Bund zu, 1,8 Millionen der Förderverein des Lenbachhauses). Außer im Kunstbau wird das neue Licht, das absolut nicht mehr flackert und Tageslicht in verschiedenen Abstufungen imitieren kann, in allen Lenbachhaus-Räumen verwendet. Doch der Kunstbau wird bereits in der nächsten Schau nachziehen.

M. Bieber

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