Protest im Ahornbaum

Nina Eichinger unterstützt Baum-Aktivisten am Josephsplatz

München - Um den Baumbestand am Josephsplatz zu retten, verharren seit Montag Kletteraktivisten der Aktionsgemeinschaft Robin Wood in vier alten Ahornbäumen - mit prominenter Unterstützung.

Um 4 Uhr in der Früh trafen sie ein. Da war er noch unberührt, der Josephsplatz in der Maxvorstadt: Bäume, ein Brunnen, ein Kinderspielplatz, alles wie gewohnt. Weil sich all das aber schon wenige Stunden später ändern sollte, machten sich gleich mehrere Kletteraktivisten der Münchner Gruppe der Naturschutzorganisation Robin Wood sowie freie Aktivisten daran, einige alte Bäume zu besetzen. So wollen sie verhindern, dass der Baumbestand auf dem Platz zugunsten eines Tiefgaragenbaus gefällt wird. Zumindest den Start der Arbeiten konnten sie gestern aber nicht aufhalten.

Insgesamt 16 Bäume, diverse Gehölze und eine Hecke will das Baureferat in dieser Woche entfernen lassen, der Spielplatz und der Franziskaner Brunnen sollen vorübergehend abgebaut werden. Dann kann im März der Bau einer Tiefgarage unter dem Platz beginnen, die mit rund 240 Plätzen die Parkplatzsituation vor Ort verbessern soll. 2015 sollen alle Arbeiten an Garage und Platz abgeschlossen sein - inklusive einer neuen Baumbepflanzung.

Doch das genügt einer Anwohnerinitiative nicht. Sie ärgert sich vor allem über die geplante Bauweise der Garage: „Ursprünglich sollte in Deckelbauweise also unterirdisch gebaut werden, doch jetzt wird alles aufgerissen“, empört sich Anwohnerin Birgit Wertenson. Damit werde nicht nur die Oberfläche zerstört, auch der Lärm dröhne in vollem Umfang. Die Gründe für diese Entscheidung seien der Initiative, die sich auch an den Bezirksausschuss gewandt habe, nicht erläutert worden: „Wir haben keine Antworten auf unsere Fragen bekommen“, moniert Anwohner Gerd Eickelberg, der die Gesundheit der Nachbarn durch das Projekt gefährdet sieht.

Schließlich wandten sich einige Anwohner an die Kletteraktivisten von Robin Wood, die sich kurzerhand auf den Weg Richtung Josephsplatz machten. „Wir haben versucht die Bauarbeiten am Morgen aufzuhalten, aber wir waren zu wenige“, sagte Céline Magnus von der Münchner Regionalgruppe gestern. Jetzt konzentrieren sich die Aktivisten auf vier alte Ahornbäume am Rand des Platzes. Mit Schlafsäcken und einer Holzplattform in den Ästen sowie einem Holzofen und von Anwohnern gespendetem Essen am Boden wollen sie die Bäume nun so lange verteidigen, wie es nötig sei. Magnus: „Wir halten durch.“

Das Baureferat kann den Protest der Anwohner nicht nachvollziehen, da auch bei gedeckelter Bauweise mit einer Betondecke an der Oberfläche die Bäume hätten entfernt werden müssen. „Zudem wäre die Baustelle trotzdem an vielen Stellen offen gewesen und die Bauzeit hätte sich verlängert“, erklärt eine Sprecherin des Referats. Über die geänderte Bauweise sei ausführlich, auch in öffentlichen Sitzungen des Bezirksausschusses, informiert worden. Was die Aktivisten angehe, wolle das Referat erst einmal abwarten und versuchen, die Situation behutsam zu „deeskalieren“. „Unser Ziel ist es aber dennoch, die Stadtratsbeschlüsse umzusetzen.“

Alexandra Mülle

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