Polizei sucht Zeugen

Radl-Rambo rammt Ehepaar - und fährt einfach weiter

+
Das Eherpaar Wildenauer an der Unfallstelle am Odeonsplatz.

München - Ein älteres Ehepaar ist auf einem Tandem Richtung Schwabing unterwegs, als sie ein rücksichtsloser Radlrambo umnietet. Die Rentner stürzen, von dem rücksichtslosen Fahrer fehlt jede Spur.

Der junge Mann auf dem Radl ist einfach weitergefahren. Ohne sich zu entschuldigen, ohne dem gestürzten Ehepaar aufzuhelfen, das er gerade umgefahren hat – nicht einen Blick hat er zurückgeworfen. „Dieser Radl-Rambo war sich wohl zu cool dafür“, sagt Dora Wildenauer (67) und tastet vorsichtig nach den blauschwarzen Blutergüssen in ihrem geschwollenen Gesicht.

Vergangene Woche Mittwoch, 14.20 Uhr: Dora Wildenauer und ihr Mann Ekkehard (63) radeln auf ihrem Tandem am Café Tambosi vorbei Richtung Norden, zurück in ihre Schwabinger Wohnung. „Plötzlich kommt uns auf dem einspurigen Radlweg eine Geisterfahrerin auf dem Rad entgegen. Wir weichen nach rechts aus, der Radler hinter uns stößt in die Lücke, überholt rasant und schert wieder nach rechts – und rammt unser Vorderrad“, erzählt Ekkehard Wildenauer. Seine Frau Dora kann sich an nichts erinnern.

Die beiden verlieren die Kontrolle über das Tandem und stürzen. Ihr Ehemann kann den Sturz noch mit der linken Hand abfangen, aber Dora Wildenauer knallt mit dem Kopf auf den Asphalt. Passanten eilen herbei, helfen Ekkehard auf die Beine. Der erster Gedanke gilt seiner Frau: Die 67-Jährige leidet seit mehr als 40 Jahren an der Krankheit MS, normalerweise schiebt er sie im Rollstuhl durch die Gegend. „Sie lag da, und ihre Beine waren ganz komisch verdreht.“

„Da fährt uns jemand über den Haufen – und bleibt nicht mal stehen!“

Erleichtert bemerkt Ekkehard Wildenauer, dass seine Frau zu sich kommt – der Helm hat das Schlimmste offenbar verhindert. Der Raser ist da schon lange über alle Berge. „Diese Rohheit, diese Sturheit macht mich wütend!“, zürnt Ekkehard Wildenauer. „Da fährt uns jemand über den Haufen – und bleibt nicht mal stehen!“

Nach dem Sturz radeln die beiden ins Klinikum Schwabing. Ekkehard hat sich das linke Handgelenk gestaucht und den linken Oberschenkel aufgeschürft – seine Frau hat es schlimmer erwischt: Hämatome und Schürfwunden im Gesicht, Übelkeit und fehlende Erinnerungen. Auch sie überkommt die Wut, wenn sie den Unfall schildert: „Meine Krankheit schränkt mich sehr ein, oft bin ich an den Rollstuhl gefesselt. Das Radeln auf dem Tandem ist eine Therapie für mich! Einfach weiterzufahren ist unfair!“ Die Polizei sucht nun Zeugen, die den Unfall beobachtet haben (Tel.: 6216-3322).

Zum Unfallort sind die beiden Rentner wieder geradelt – trotz des mulmigen Gefühls, das Dora Wildenauer seitdem beschleicht. „Irgendwie muss ich meine Füße aber in Bewegung halten …“

T. Scharnagl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
31-Jähriger am ZOB niedergestochen: Neue Details
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Feueralarm im Kiesselbach-Tunnel: Mega-Stau auf dem Ring
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
Die Stadt der Zuagroasten: Was Neu-Münchner anzieht
So ehrt München den „roten Schorsch“
So ehrt München den „roten Schorsch“

Kommentare