Streit mit Politik über Bau-Etat

Reptilienhaus klagt: Regierung treibt uns in den Ruin

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17 Menschen kümmern sich um rund 1400 Reptilien – in manchen Räumen stapeln sich die Tiere dreieinhalb Meter hoch.

München - Was passiert mit der Reptilienauffangstation in München? Stationsleiter Markus Baur schlägt großen Alarm. Das Haus stehe kurz vor dem Aus.

Die Reptilienauffangstation steht vor dem Aus. Stationsleiter Markus Baur (48) schlägt Alarm: „Wenn kein Wunder passiert, müssen wir 2016 zum Insolvenzrichter!“ Er macht die Staatsregierung für die Misere verantwortlich: „Wir fühlen uns verraten und verkauft!“ Harte Worte. Was ist los an der Kaulbachstraße 37?

Zum Hintergrund: Der Verein nutzt seit Jahren Räume der Ludwig-Maximilian-Universität. Jetzt hat die Uni Eigenbedarf angemeldet, rund 1400 Spinnen, Schlangen und Krokodile sowie 17 Mitarbeiter müssen umziehen. Aber wohin? Das Konzept: Eine neue Auffangsstation in Neufahrn für 25 Millionen Euro. Das Grundstück ist ausgemacht, die Kosten kann der Verein dank einer Spende stemmen. Das Areal nebenan gehört dem Tierschutzverein Freising, der hat bereits mit der Erschließung der Grundstücke angefangen. Die Auffangstation hat 300.000 Euro zugesagt. Baur: „Das Umweltministerium hat uns ja ermutigt.“ Eine schriftliche Zusage gab es nicht.

Baur: "Haushaltsausschuss will unsere Finanzierung stark eindampfen"

Am Donnerstag dann der Paukenschlag: „Der Haushaltsausschuss will unsere Finanzierung stark eindampfen“, sagt Baur. „Wie sollen wir unseren Verpflichtungen nachkommen?“ fragt er. „Das bricht uns das Genick!“ Die Auffangstation ist ein gemeinnütziger Verein, man habe „keinen einzigen Euro auf der Seite“, so Baur. „Nicht, weil wir miserabel wirtschaften, sondern weil wir keine Rücklagen aufbauen dürfen!“ Jährlich gibt’s 331.000 Euro Fördermittel – das Geld ginge also für die Rückzahlung an das Tierheim Freising drauf. „Aber dann kann ich die Tiere nicht mehr versorgen und keinen Mitarbeiter mehr bezahlen!“

Das Umweltministerium antwortet auf tz-Anfrage: „Dem Trägerverein wurde zu keinem Zeitpunkt eine Förderung seines Bauvorhabens in Aussicht gestellt.“ Und weiter: „Im Frühjahr haben sich Abgeordnete im Landtag für einen Neubau ausgesprochen. Dabei war von deutlich geringeren Kosten ausgegangen worden.“ Baur widerspricht: „Allen Beteiligten wussten, dass wir von einer erheblichen Summe sprechen.“

Und wenn die Auffangstation an der LMU bleibt? „Die Situation ist unhaltbar“, sagt Baur. „Die Reptilien sind über drei Meter hoch gestapelt!“ Er sei schon gebissen worden. Die Tiere könnten nur mit einer Leiter versorgt werden, eine Kobra habe angegriffen. Baur musste sich entscheiden: „Genickbruch oder Schlangenbiss!“

tz-Stichwort: Reptilienauffangstation

Chamäleon

Die Auffangstation ist ein gemeinnütziger Verein, der jedes Jahr rund 1200 Reptilien, Amphibien und exotische Heimtiere aufnimmt, medizinisch versorgt, unterbringt und nach Möglichkeit weitervermittelt. Viele dieser Tiere stammen aus Beschlagnahmen von Behörden. Hierzu gehören Giftschlangen, Krokodile und Spinnen. Solche Tiere werden nicht weitervermittelt.

Tobias Scharnagl

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