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400 Spezialkameras statt Kassen: Autonomer Rewe-Markt öffnet in München – Testlauf wirft Fragen auf

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Von: Julian Limmer

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In München hat die Supermarktkette Rewe eine ganz besondere Filiale eröffnet. Die kommt ganz ohne Kassen aus. Wir haben einen Testeinkauf gemacht.

München – In München beginnt gerade die Zukunft des Einkaufens. Vollautomatisch! Ob das funktioniert? Rewe testet das jetzt. In der Maxvorstadt (Karlstraße 36) hat der Handelskonzern am Mittwoch (14. Dezember) seinen ersten vollautonomen Supermarkt in Deutschland eröffnet – eine Premiere.

München hat Deutschlands ersten autonomen Rewe-Supermarkt – ganz ohne Kassen

Auf den ersten Blick ein ganz normaler Markt: 289 Quadratmeter Verkaufsfläche, Regale mit Obst bis Shampoos, insgesamt rund 4000 Artikel. Der Unterschied: Es gibt keine Kasse mehr. Dafür hängen im ganzen Markt (Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 7 bis 20 Uhr) an den Decken rund 400 Spezialkameras. Sie überwachen zusammen mit Sensoren, welche Produkte ein Kunde einkauft. Danach kann man einfach aus dem Markt spazieren, ohne Anstehen, ohne Geld rauszukramen.

Voraussetzung: Ein Smartphone und die Möglichkeit, elektronisch zu bezahlen. Mit Bargeld geht nichts mehr. Unsere Redaktion hat einen Testeinkauf gemacht. So funktioniert es: Zuerst meldet man sich mit einer speziellen Handy-App an, scannt am Eingang damit einen Code und die Eingangsschranke öffnet sich. Drinnen packt man einfach Waren ein und kann sie problemlos auch wieder zurück in die Regale legen. Das System registriert jede Warenbewegung automatisch.

Am Schluss geht es durch eine weitere Schranke nach draußen. Erst mal ziemlich ungewohnt, ohne bewusst zu bezahlen, aus dem Markt zu gehen. Denn die Rechnung kommt erst später direkt aufs Handy. Doch das dauert eine Weile.

Ein Eingangstor eines Rewe-Supermarkts
In München öffnete der erste Rewe-Supermarkt ohne Kassen. Ohne Smartphone geht dort nichts. © Lukas Barth/dpa

Rewe ohne Kassen: „Wollen testen, wie das Konzept bei den Münchnern ankommt“

Beim Testeinkauf passiert es dann: Es landet ein Produkt, das eigentlich wieder zurückgelegt wurde, auf der Rechnung. Kein Problem, sagt Rewe-Projektleiter Jonas Schächter: „Produkte, die fälschlich auf der Rechnung sind, lassen sich mit ein paar Klicks auf der App einfach reklamieren.“ Aber zieht das nicht auch Betrüger an? In zwei Märkten in Köln und Berlin, die bereits ein ähnliches System testen – jedoch mit zusätzlichen Kassen – habe man bisher keine vermehrten Betrügereien festgestellt. Außerdem gebe es zusätzliche Überwachungskameras.

Ob es bald schon mehr solche Märkte geben wird, stehe jedoch noch nicht sicher fest: „Erst mal wollen wir testen, wie das Konzept bei den Münchnern ankommt“, so Schächter. Mitarbeiter brauchen sich jedoch keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen: Auch im vollautonomen Markt in München arbeiten weiterhin elf Angestellte, ähnlich viele wie in einem normalen Supermarkt. Doch statt an der Kasse zu sitzen, sollen sie sich nun stärker um die Belange der Kunden kümmern.

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