Senioren-Schreck scheitert in Berufung

Richterin watscht Trickbetrüger ab!

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Manuel W. (33, re.) prellte auch Helga R. (87.) um ihr Geld. Er bleibt bis 2017 im Knast.

München - Senioren-Schreck Manuel W. (33) scheitert vor Gericht in der Berufung. Die Richterin watscht den Trickbetrüger ordentlich ab.

Senioren um ihr hart erspartes Geld zu bringen – damit hatte Manuel W. (33) keine Skrupel. Aber er flog auf und landete im Knast. Dass der mehrfach vorbestrafte Trickdieb nun sogar seine Haft verkürzen wollte, fand auch Richterin Susanne Hemmerich richtig dreist – und watschte Manuel W. im Berufungsprozess ordentlich ab! „Für diese Art, alte und gebrechliche Leute um ihr letztes Erspartes zu bringen, habe ich nicht das geringste Verständnis“, schimpfte die Vorsitzende gestern am Landgericht. „Das Urteil aus Ihrem ersten Prozess ist absolut in Ordnung.“ Zu drei Jahren und vier Monaten Haft hatte das Amtsgericht Manuel W. vergangenen September verurteilt. Der Trickdieb hatte immer wieder bei Senioren geklingelt, sich als Hausmeister ausgegeben und versucht, ihnen Bargeld zu entlocken.

Eines seiner Opfer war Helga R. (87) aus dem Hasenbergl. Ihr gaukelte Manuel W. vor, sie erhalte eine Rückzahlung über 300 Euro, müsse für ihn aber einen 500 Euro-Schein wechseln. Außerdem schickte er sie ins Bad, um den Wasserstand abzulesen. Währenddessen klaute der Dieb ihr einen Umschlag mit 900 Euro darin – das Geld hatte die Seniorin für einen Mallorca-Urlaub angespart (tz berichtete). Mit dem selben Trick prellte W. auch den 88-jährigen Richard K.: Ihm nahm er sogar 26 500 Euro ab. Erst vergangenen März flog der Trickdieb auf! „Sie haben nicht damit gerechnet, dass ein 75-jähriger Mann so helle war und die Polizei rief“, sagte Richterin Hemmerich. In diesem Fall versuchte Manuel W. den Mann zu überreden, 5000 Euro abzuheben.

„Es kann nicht sein, dass Sie pausenlos alte Leute über den Tisch ziehen“, schimpfte die Vorsitzende. Denn erst im Februar 2014 wurde eine ältere Haftstrafe von Manuel W. zur Bewährung ausgesetzt – nur daher durfte er das Gefängnis verlassen. „Nur drei Wochen später sind Sie aber wieder straffällig geworden. Und bei der Tat war großer Schaden beabsichtigt“, stellt Hemmerich klar. „Dann sind auch drastische Urteile notwendig.“ Dem Trickdieb riet die Richterin dringend, seine Berufung zurückzuziehen. Denn seine Haftstrafe hätte nach erneuter Prüfung durch das Landgericht sogar noch erweitert werden können. Davor hatte W. aber zu große Angst – und stimmte zu. Reuig erklärte er über seinen Anwalt, dass ihm die Tat leid tue und er sich habe hinreißen lassen. „Mein Mandant ist Diabetiker und wurde in der Haft zweimal operiert.“ Damit konnte W. nicht punkten. Und muss nun bis Sommer 2017 im Knast bleiben.

Opfer Helga R. (87) ist darüber erleichtert. Nach Prozessende erreicht die tz sie am Telefon: „Das war eine absolute Frechheit, was der Mann sich erlaubt hat. Ich war fertig mit der Welt. Er hätte noch eine viel höhere Strafe erhalten müssen“, sagt sie. „Ich bin froh, dass er mit seiner Berufung gescheitert ist. Dass er im Gefängnis bleibt, beruhigt mich sehr.“

Wieder ein Fall in München

Wie die Betrüger mit der Polizisten-Masche arbeiten, zeigt dieser Fall: Am vergangenen Samstag erhielt eine Seniorin aus Pasing einen Anruf. Der Anrufer sprach Englisch: Er behauptete, er arbeite für Microsoft – und der Computer der Rentnerin sei in Gefahr. Wenig später meldete sich telefonisch ein „Martin Breitenbach“. Er behauptete, vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden zu sein und nahm Bezug auf den Anruf des angeblichen Microsoft-Mitarbeiters. Eine Frau aus der Nachbarschaft sei vor kurzem überfallen worden. In weiteren Anrufen erschlich sich der falsche Kommissar das Vertrauen der Frau. Er brachte die Renterin dazu, einen Beutel mit Schmuck, Bargeld und EC-Karte vor die Tür zu legen. Wenig später war der Beutel weg – und vom Konto der Seniorin fehlten 2000 Euro. Die hatte der Bote mit der PIN-Nummer abgehoben, die die Rentnerin zuvor verraten hatte.

Das ist die neueste Masche der Betrüger

Ihre Tricks sind vielfältig, das Ziel immer das gleiche: Trickbetrüger wollen an Ihr Geld! Im Jahr 2014 erbeuteten die Täter Wertsachen in Millionenhöhe. Die tz sprach mit Reinhold Bergmann, dem Leiter des Trickdieb-Kommissariats:

Wie funktioniert die neue Masche der Täter?

Reinhold Bergmann, Leiter Trickbetrug-Kommissariat.

Bergmann: Seit Ende vergangenen Jahres sind Täter aktiv, die sich am Telefon als Polizeibeamte ausgeben. Sie jagen ihren Opfern Angst ein und bringen sie durch äußerst geschickte Gesprächsführung dazu, Geld, Schmuck und auch ihre EC-Karte in einen Beutel zu stecken und diesen vor die Tür zu stellen. Ein Komplize greift sich den Beutel und verschwindet mit der Beute. Insgesamt haben die Betrüger bei vier Taten etwa 25 000 Euro erbeutet. In 14 Fällen waren sie erfolglos.

Wer steckt hinter dieser Masche?

Bergmann: Offenbar eine Art Callcenter in der Türkei. Da sitzen drei, vier Männer und rufen Münchner an, deren Vornamen auf höheres Lebensalter schließen lassen. Einer der Abholer hat sich jetzt gestellt. Er war für seinen 22-jährigen Onkel aus der Türkei tätig gewesen. Die Anrufe der falschen Polizisten gehen aber weiter.

Wie verhält man sich richtig?

Bergmann: Rufen Sie die 110! Kein echter Polizist verlangt von Ihnen die Geheimnummer Ihrer EC-Karte oder dass Sie ihre Wertsachen vors Haus stellen sollen.

Andreas Thieme

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