In der Uni-Klinik

Spektakuläre Vogel-OP: Hier geht’s dem Kranich an den Kragen

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Ein Kranich auf dem OP-Tisch (v.r.): Oberärztin Dr. Bianka Schulz, Imre Greff, Dr. Eric Diener und Martina Rzepka befreien Heintje mit dem Endoskop von den zwei Schrauben in seinem Magen

Weil Kranich Heintje vermutlich Schrauben mit seiner Leibspeise verwechselt hat, musste er in der Kleintierklinik der LMU einen endoskopischen Eingriff über sich ergehen lassen.

München - Gut möglich, dass Heintje gerade ein bisschen heiser ist. Etwa einen Meter lang war der Schlauch des Endoskopes, den man durch seinen langen Hals bis in seinen Magen geschoben hat. Weil Heintje zwei Schrauben vermutlich mit seiner Leibspeise verwechselt hat: Frosch mit Steinchen. Denn Heintje ist ein südafrikanischer Kunkelkranich, der am Donnerstag in der Medizinischen Kleintierklinik der LMU bei einem endoskopischen Eingriff von den Fremdkörpern befreit wurde.

Heintje ist ein halbwüchsiger, wertvoller Zuchtkranich, der in der Vogelklinik der LMU in Oberschleißheim gerade eine Infektion auskuriert. Dort wurden bei der Röntgenkontrolle die Schrauben entdeckt. Das Endoskop in der Vogelklinik ist aber maximal auf Papageien ausgelegt – zu kurz für Heintje. In solchen Fällen helfen dann die Kollegen aus der Medizinischen Kleintierklinik am Englischen Garten.

Gleich wirkt das Narkosegas und Heintje schläft ein.

Und so trat Heintje in Begleitung seines Veterinärs Dr. Eric Diener und dessen Kollegin Martina Rzepka die Reise nach Schwabing an. Ein Seelöwe aus Hellabrunn und eine Riesenschlange waren schon mal da. Ein Kranich aber war auch für Oberärztin Dr. Bianka Schulz und dem Tiermedizinischen Fachangestellten Imre Greff eine Premiere.

Und so liegt Heintje mittags mit lang gestrecktem Hals auf dem Rücken auf dem OP-Tisch. Schnabel und Kopf verschwinden im Trichter mit dem Narkosegas. Die orangefarbenen Augen schließen sich. Heintje schläft. Und das Team sieht sich mit Fragen wie dieser konfrontiert: „Wie macht man das EKG dran an den Vogel?“

Diese Schrauben waren in seinem Magen. Sie hätten ihm gefährlich werden können.

Heintje wird intubiert. Ab jetzt hat die Tierärztin 20 Minuten Zeit, die Schrauben zu finden. Langsam schiebt sie den schwarzen Schlauch ungefähr einen Meter lang in den Kranich-Hals, der sich auf dem Monitor als zartrosa, enger Tunnel darstellt. Und da ist sie – die erste Schraube. Imre Greff steuert die winzige Zange, greift den Metallkopf und zieht ihn zurück. Kurz darauf liegen beide Schrauben auf dem Tisch. Operation Kranich ist geglückt. Das ganze Team freut sich.

Und schon blinzeln zwei orangefarbenen Augen wieder ins Licht. Heintje ist wieder munter. Noch ein paar Tage – dann wird er wieder bei seinen Artgenossen sein und zu einen prachtvollen Kranich-Mann heranwachsen.

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