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Horror-Meister im Circus Krone

Stephen King: Der König spricht!

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Stephen King bei seinem Besuch im Circus Krone.

München - Stephen King im Circus Krone! Der Horror-Meister plauderte so was von entspannt und witzig über sich und die Welt, dass es eine wahre Freude war:

Dass zeitgleich die deutsche Nationalmannschaft die Engländer in Wembley geputzt hat, dürfte Stephen King (66) nicht besonders interessiert haben. Eines allerdings steht fest: An diesem Abend war man im Circus Krone deutlich besser unterhalten.

Der König spricht

Eine Lesung war’s nur am Rande - dazu ist es einfach zu spannend, wenn der Meister des geschriebenen Horror-Genres das erste Mal in Deutschland ist. Vor allem war’s ein wunderbarer Abend, den der Literaturkritiker Denis Scheck höchst souverän leitete. Die Fragen spritzig, die deutschen Übersetzungen der teils epischen Ausführungen Kings punktgenau. Extra-Lob! Und jetzt zum bejubelten Ereignis:

... den Empfang:

Der rappelvolle Krone (und das bei Kartenpreisen von 29 Euro) johlte begeistert, als der Star die Bühne enterte. Und Kings Überraschung über diesen heißen Empfang wirkte ganz echt - auch wenn er so gern sagt, dass Autoren wie gedruckt lügen, sobald sie den Mund aufmachen: „Das ist der Höhepunkt des Abends, ich geh jetzt wieder.“ Gelächter und der Startschuss zu viel, viel Informationen.

... das Talent und Gene:

Seine beiden Söhne und seine Gattin sind ebenfalls Schriftsteller. Liegt’s an den Genen? Auch. „Und es ist Glück“, sagt King bescheiden. Ob er seinen Nachwuchs zur Literatur erzogen hat? „Ja. Ich habe die Peitsche ausgepackt und gesagt: ohne Schreiben kein Essen.“ Gelächter im Rund.

... seinen Vater:

Als Stephen zwei Jahre alt war, hat sein Vater die Familie verlassen. „Er hinterließ eine Kiste mit Magazinen, viele Monster-Storys mit Viechern mit etlichen Augen und so einen Kram. Wenn mich also Leute fragen: Warum schreibst Du so einen Scheiß?, dann sag ich: Hatte ich denn eine Wahl?“ Dann schaut er plötzlich ins weite Rund und sagt: „Und wissen Sie was: Das ist verdammt nochmal der schönste Platz, an dem ich je war.“ P.S.: Die deutschen Wörter „verdammt“ oder ähnliches spiegeln nur rudimentär wieder - im Original fiel gerne mal aus Kings Munde das f-Wort.

... deutschen Horror:

Scheck vergaloppiert sich nur ein Mal, das aber etwas deftig. Er sagt, Deutschland sei ein Horror-Hort - durch die Brüder Grimm und den Holocaust. King pariert gekonnt: „Er hat’s gesagt!“ Und dann: „Die besten Märchen der Welt kommen aus Deutschland. Sie sind dunkel und sehr fies.“ Weniger fies findet er die Autobahnen: „Ich liebe sie, man kann so verdammt schnell fahren, wie man will.“

... das Publikum:

Das hat er sofort im Griff - und der soll laut eigenen Worten höllisch nervös sein, im großen Stil aufzutreten? Ab und zu streut er deutsche Wörter ein und wettert gespielt gegen das lachende Publikum: „Ja, ja, ich weiß - er hört sich immer komisch an, wenn ein Ami versucht, deutsch zu sprechen. Aber hei, ich reiße mir hier den A… auf!“

... seinen Alkoholismus:

„Ich war alkoholkrank - oder genauer: Ich bin es immer noch. Nur, weil ich mit dem Saufen aufgehört habe, bin ich die Krankheit ja nicht los.“

... Jugend und Alter:

„Klar hatte "The Shining" mehr Feuer als "Doctor Sleep", meine jetzt erschienene Fortsetzung. Damals war ich jung und hatte mehr Energie. The Shining habe ich nicht geschrieben, sondern gefunden. Das war eine Macht, die größer war als ich. Aber wenn mir Leute sagen: Mann, Shining war so gruselig - da kommt Doctor Sleep nicht ran, dann sage ich: Ja, klar - weil Du damals 14 warst!"

... Stanley Kubrik:

„Er ist ein genialer Regisseur, das ist klar. Aber dennoch mag ich seine Shining-Verfilmung nicht. Aber ich habe den Film nie so gehasst, wie es kolportiert wird.“

... Doctor Sleep:

„Im Buch geht es viel um Abhängigkeiten. Mich fasziniert, dass das Leben in Zyklen, in Kreisen abläuft. Siehe Dan, der kleine Danny aus Shining, der von seinen Eltern den Alkoholismus und die Gewalttätigkeit geerbt hat. Dieser gigantische Zorn. Aber es gibt Wege aus diesen Abhängigkeiten - bloß in Shining war ich noch nicht so weit. Meine eigene Biografie ist da nur eine Facette - aber glauben Sie mir: Autoren lügen, sobald sie den Mund aufmachen.“

... seinen Tiefpunkt:

„Jeder Drogen- oder Alkoholabhängige hat diesen Punkt, wo er sich sagt: Ich kann so nicht mehr weiterleben. So ist es auch mir gegangen. Und dann habe ich mir professionelle Hilfe gesucht.“

... Horror als Sterbehilfe:

„Das Genre macht uns mit den Abgründen, mit dem Tod ein Stück weit vertraut. Man übt das schon mal spielerisch ein, um vielleicht besser mit dem eigenen Sterben umgehen zu können.“

... die eigene Sprache:

„Jeder Autor sucht seine eigene Stimme. Und Sprache ist Musik, hat Rhythmus, Melodie. Obwohl ich kein Deutsch verstehe, hat mich die deutsche Lesung berührt - das ist wie einen meiner Lieblinge singen zu hören: Bon Scott, Bob Dylan."

... das ewige Leben:

„Ob ich mir Unsterblichkeit wünsche? Wenn das jeder täte, wäre es hier verdammt voll."

Matthias Bieber

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