Auftritt in München

Varoufakis an der LMU: Wir diskutieren nicht richtig

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Yanis Varoufakis.

München - Blaues Hemd, keine Krawatte, eng geschnittenes Jackett – Yanis Varoufakis hat nichts von seiner sprichwörtlichen Lässigkeit verloren. Am Mittwoch trat der frühere griechische Finanzminister gemeinsam mit Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität auf.

Ein spannendes Aufeinandertreffen – schließlich gilt Sinn als einer der größten Kritiker der Griechen-Rettung. Am Ende sind sich die zwei Kontrahenten aber erstaunlich einig.

Beide beklagen, dass der Euro mittlerweile zu einer Art Fetisch geworden ist. „Der Euro ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um Frieden und Wohlstand zu erreichen. Nicht der Euro ist das Ziel, sondern Frieden, Integration und Wohlstand“, erklärt Sinn. Und Varoufakis fügt hinzu: „Nicht nur der Euro ist zum Fetisch geworden, in Teilen meiner früheren Regierung ist auch die Drachme dazu geworden.“

Bei der Lösung der Euro-Krise sind sich beide Ökonomen einig: Es braucht eine tiefere europäische Integration. „Warum reden wir nicht über die Vereinigten Staaten von Europa“, fragt Varoufakis. Und Sinn schlägt vor, als erstes die europäischen Armeen zusammenzulegen – so sei aus der Schweiz und den USA auch eine funktionierende politische Union geworden.

Von der Art, wie in der Europäischen Union des Jahres 2015 diskutiert wird, ist Varoufakis jedenfalls frustriert. „Wir hatten einen Plan, aber er wurde nie diskutiert. Und während wir uns um eine ernsthafte Diskussion über diesen Plan bemüht haben, ließen Politiker in Brüssel durchsickern, wir hätten keinen Plan und niemand wüsste was wir vor hätten.“ Trotzdem will er der Politik treu bleiben.“ Genaugenommen habe ich die Politik nie verlassen, nur die Regierung“, erklärt Varoufakis. Nachdem er damit gescheitert ist, das Verhältnis von Griechenland und der EU auf eine neue Ebene zu hieven, will er jetzt an einem Neustart Europas mitarbeiten. Varoufakis‘ Schlusswort: „Europa ist unsere gemeinsame Heimat, wir müssen dafür sorgen, dass es funktioniert.“

Marc Kniepkamp

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