Mann und Töchter bei Brand verloren

Nach Feuertod ihrer Familie: Witwe steht dem Angeklagten erstmals gegenüber

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Kampf gegen die Flammen: Die Feuerwehren hatten an dem Novemberabend in der Dachauer Straße alle Hände voll zu tun.

Drei Menschenleben forderte der Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Dachauer Straße. Jetzt traf die zur Witwe geworden Mutter auf den mutmaßlichen Feuerteufel.

München - Ihre Geschichte ist eigentlich zu traurig, um wahr zu sein. Beim Brand an der Dachauer Straße verlor Elena R. (37) ihren Mann Aleksandar sowie ihre beiden Töchter (neun und 16 Jahre alt). Am 2. November war sie nur deshalb nicht zu Hause gewesen, weil sie in Bulgarien ein Kind zur Welt brachte.

Dem Baby gehe es gut. „Aber ich habe meine Familie verloren. Dieser Schmerz wird nie vergehen.“ Weinend zeigte Elena R. am Dienstag auf den Angeklagten Mohamed E. (43): „Er ist schuld“, behauptet die Witwe. Denn zuvor habe E. bereits in dem Mehrfamilienhaus gedroht, ihren Mann anzuzünden. Wegen dreifachen Mordes durch Brandstiftung wird E. seit vergangenem Donnerstag der Prozess gemacht. Er streitet die Tat ab.

Angeklagter regungslos, bittere Tränen bei Witwe

Regungslos verfolgte der Angeklagte am Dienstag die Aussage die Witwe, die bitterlich weinte, als sie über ihre toten Kinder sprach. Gona (9) ging in die dritte Klasse. „Sie war so ein hübsches und kluges Mädchen.“ So wie Zabrinka (16), die fast mit der Schule fertig war. Aleksandar (39), der Vater, hatte als Reinigungskraft gearbeitet.

„Er war respektvoll, ehrlich. Einfach ein guter Mensch. Wir waren 17 Jahre verheiratet. Er hätte sein letztes Geld für uns gegeben.“ Erst vor einem Jahr war die Familie nach München gekommen. Bei dem Brand waren der Vater und die Töchter die einzigen Todesopfer.

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Kein Zeichen von Reue: Der Auftritt des Angeklagten Mohamed E. vor Gericht wirkt befremdlich.

Mohamed E. soll Matratze angezündet haben

Sieben weitere Personen erlitten bei dem Großbrand Rauchgasvergiftungen. Insgesamt 39 Bewohner waren gegen 1:45 Uhr in dem Mehrfamilienhaus gewesen. Die meisten schliefen, als Mohamed E., wie die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, den Brand legte, indem er eine Matratze im zweiten Stock anzündete. Die Flammen griffen rasend schnell auf das Treppenhaus über. „Es entstand ein Trichterbrand nach oben“, sagte ein Brandfahnder am Dienstag. Oberhalb des zweiten Stocks, wo Mohamed E. gewohnt hatte, sei das Treppenhaus völlig abgebrannt.

Etliche Hausbewohner hatten sich über die Feuerleiter auf das Dach geflüchtet, wo die Feuerwehr sie später retten konnte. Aleksandar R. aber lief laut Gericht mitten in die Feuerwalze hinein. Polizisten fanden seine Leiche später am Boden liegend. Ein Kind hielt er noch im Arm.

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Mohamed E. droht lebenslange Haft wegen Mordes. Seine Verteidiger Walter Lechner und Birgit Schwerdt wiesen bisher darauf hin, dass es keine Beweise gegen E. gebe. Zeugen bestätigten aber, dass es vor dem Brand wohl zu einem Streit gekommen sei, der auch E. betroffen hatte. Darin könnte ein mögliches Tatmotiv liegen.

Andreas Thieme

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