Mecky York aus dem "La Cave"

Bei ihr gingen die Münchner VIPs ein und aus

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Mecky York heute auf ihrem Balkon.

München - Bei ihr gingen die Stars ein und aus: Mecky York (68) war Bar-Chefin im "La Cave", einem der angesagtesten Schuppen der frühen Siebzigerjahre.

Es war eine überragende Aussicht, ganz oben auf dem Hochhaus, 16. Stock. Der Blick reichte über die ganze Stadt mit dem faszinierenden Feuerwerkshimmel, vorgestern in der Nacht auf Neujahr. Pittoresker Pyrozauber, so weit das Auge reichte. Vom Heizkraftwerk Süd links bis zum Olympiaturm rechts, dazwischen die hell erleuchtete Silhouette mit den Kirchen der Stadt. Zusammen mit ihren Nachbarn aus dem Haus am Arabellapark stieß das Ehepaar York auf das neue Jahr an – und so zwischendrin dachte Mecky York (68) natürlich wieder an die Silvesterpartys in ihrem alten Lokal.

Strahlend: Mecky York Ende der 60er im "La Cave".

Als sie nichthoch droben feierte, sondern als Bar-Chefin weit drunten. In der Kellerbar „La Cave“, Maximilianstraße 25, einem der angesagtesten Schuppen der frühen Siebzigerjahre. Wo sich der Jetset tummelte, die Schickis und die VIPs aus Stadt und Land und Welt. Günter Netzer, Gunter Sachs. Telly Savalas und Tom Jones. Paul Breitner, Uli Hoeneß und Mick Jagger. Thurn und Taxis, Tod und Teufel. Dort, wo sie auch ihren Mann kennenlernte, Pete York, den Schlagzeuger der legendären Spencer Davis Group. Und wo bei Bar-Chefin Mecky nicht nur an Silvester gefeiert wurde, sondern jede Nacht, als sei es die letzte des Jahres und des Lebens, als gäbe es kein Morgen mehr. Eine wilde Zeit damals für die junge Mecky, für das Mädl aus Hamm, Westfalen.

„Geboren an einem Sonntag“, sagt die 68-Jährige. „Und was das Glück in meinem Leben angeht, bis heute ein Sonntagskind geblieben.“

Geboren als Mecky Meeder an einem Sonntag im Juli 1947, als das zweitjüngste von insgesamt sieben Kindern. Der Vater ein angesehener Mann in der Stadt, Schneidermeister, eine Firma mit 44 Angestellten. Fast alle Geschwister kommen vor 1945 zur Welt. „Immer wenn Papa kurz vom Krieg heimkam, war ein Kind fällig“, sagt sie heute. Die Erziehung streng katholisch, der Kirchgang ist Pflicht. Bald zieht die Familie 25 Kilometer weiter nach Soest, der Vater ist traumatisiert von seinen Fronterlebnissen, die Mutter führt den Kiosk im Krankenhaus. Die meisten ihrer älteren Brüder und Schwestern lesen Bücher, hören Klassik, und wenn Mecky AFN anschaltet, den amerikanischen Soldatensender, und Elvis Presley und Bill Haley laufen lässt, dann schütteln sie nur den Kopf. Sie sind Geschwister, es trennen sie nur wenige Jahre und doch wirkt es wie ein Generationenunterschied.

Für Mecky ist klar: Sie muss raus aus der Provinz. Nach der Schule geht sie als Au-pair in das Swinging London, Mitte der Sechziger, Carnaby Street, die King’s Road, die Beat­les, das Leben pulsiert. Sie trifft Soul-Größen wie Wilson Pickett, arbeitet in einem Edel-Restaurant gegenüber vom Harrods und weiß nach dem einen Jahr, dass sie nicht mehr zurück kann nach Soest.

Eine Schwester lebt in München, also kommt sie hierher, bezieht eine möblierte Wohnung in der Theresienstraße, dann ein Appartement im berühmten Schwabinger Studentenwohnhaus Ainmillerstraße 5. Pläne hat die Mecky keine, dann aber lernt sie Eberhard Rüsch kennen, einen aufstrebenden Zampano im Münchner Nachtleben, den alle nur den „Ebsch“ nennen. Der Ebsch hat damals gerade ein neues Lokal eröffnet, das „La Cave“, zu Deutsch „Der Keller“, in der Maximilianstraße, gleich neben dem Vier Jahreszeiten, er macht die Mecky zu seiner Bar-Chefin. Hinab in die Bar geht es nach kurzem Klingeln und Sprechkontakt mit einem Aufzug, der aber nur von unten bedient werden kann, frei nach Helmut Dietl: Wer runter kommt, ist drin.

Auch Dietl selbst kommt in seinen Jahren als blutjunger Regisseur oft ins „La Cave“, er hat ja nicht weit, er arbeitet schräg gegenüber in den Kammerspielen als Regieassistent. Es liegt also nahe, dass er die ersten Milieustudien über den Münchner Jetset hier unten sammelt. Quasi die Ursuppe des Kir Royal.

Denn das „La Cave“ spricht sich schnell als einer der trendigsten Nachtclubs Münchens herum: Stammgäste sind viele Schauspieler, Musiker, Künstler, Sportler, die halbe Mannschaft vom FC Bayern. Auch angehende Junganwälte tummeln sich hier, die später die Karriere des Promi-Advokaten hinlegen und die der Mecky spät in der Nacht ehernste Geheimnisse von aktuellen Fällen anvertrauen. Sie wissen, dass bei Mecky das alles gut aufgehoben ist und dass nie irgendetwas das Lokal verlässt. Heute sagt Mecky York: „Gewundert habe ich mich beim Zustand der Leute nur, wie sie am nächsten Tag wieder frisch zur Arbeit gehen konnten.“ Denn es geht hoch her im „La Cave“. Es wird geraucht und gesoffen, aber so richtig. Das Ziel sind bei vielen Gästen immer sechs Flaschen Wodka, denn bei Mecky gibt es die siebte dann aufs Haus.

Der Ebsch macht viele rauschende Themenabende, einmal ist das Motto „Asterix und Obelix“, die Gäste kommen als Comic-Figuren verkleidet – und fallen dann natürlich reihenweise in reichlich Zaubertrank.

Florian Kinast

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