Mediziner: So gefährlich ist der Durchfall-Erreger EHEC

+
Links: Der Münchner Tropenmediziner und Infektologe Dr. Nikolaus Frühwein. Rechts: Die EHEC-Bakterien unterm Mikroskop.

München - Der Durchfall-Erreger EHEC breitet sich aus: In der tz erklärt der Münchner Tropenmediziner und Infektologe Dr. Nikolaus Frühwein: So gefährlich sind die Bazillen!

67 Erkrankungen in Niedersachsen, 60 in Frankfurt, 90 Verdachtsfälle in Schleswig-Holstein, 53 in Bremen. Das ist die bisherige ­Bilanz des gefährlichen Durchfall-Erregers EHEC. „Diese Häufung ist sehr ungewöhnlich“, weiß der Münchner Tropenmediziner und Infektologe Dr. Nikolaus Frühwein. „In der Regel gibt es in ganz Deutschland etwa 1000 Fälle pro Jahr“, sagt er.

In ganz Bayern waren es im vergangenen Jahr 183 gemeldete Fälle, in München 26. Das macht etwa zwei bis drei Infektionen pro Monat in der Landeshauptstadt. Der letzte Fall wurde im ­April gemeldet. Ein dreijähriges Mädchen hatte sich mit dem Erreger angesteckt und drei weitere Kinder infiziert. Zu den Fällen in Norddeutschland gibt es aber keine Verbindung.

Die tz erklärt, was es mit den Bakterien auf sich hat, und wie man sich vor dem gefährlichen Erreger schützen kann.

Der Erreger:

Die sogenannten Escherichia coli-Bakterien befinden sich ständig im Darm von Mensch und Tier. Die meisten ihrer Art sind für den Menschen ungefährlich und helfen bei der ­Verdauung. Die EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form dieses Bakteriums. Normalerweise befinden sie sich im Magen von Wiederkäuern, also etwa von Rindern, Schafen, Ziegen oder Rehen und kommen daher häufig auch im Kot dieser Tiere vor. Diese EHEC-Bakterien erzeugen ein Zellgift, das zwar für die Tiere ungefährlich ist, beim Menschen jedoch schweren Durchfall verursachen kann.

Die Übertragung:

Das Bakterium ist hochansteckend: Schon weniger als 100 Bakterien reichen für eine Infektion. Übertragen wird der Erreger durch Kontakt mit den Tieren, beispielsweise im Streichelzoo. Außerdem durch den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln, wie Fleisch und Gemüse. Befragungen von derzeit erkrankten Patienten in Norddeutschland ergaben, dass vermutlich Gemüse die Ursache der Infektionen ist. Auf das Gemüse gelangten die Bakterien durch das Düngen mit dem Kot von Wiederkäuern. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. „Das kommt aber sehr selten vor“, sagt Dr. Frühwein. „Daher ist eine überregionale Epidemie, wie es bei Grippen häufig vorkommt, nicht zu erwarten.“

Die Krankheit:

Die Inkubationszeit – also der Zeitraum von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit – beträgt ein bis acht Tage. „Der tatsächliche Ausbruch der Krankheit kann eine Sache von nur wenigen Stunden sein“, weiß der tz-Experte Dr. Frühwein. Eine Infektion kann symptomlos erfolgen und wird dann natürlich nicht entdeckt. Häufig jedoch verursachen die Bakterien Durchfall, der auch blutig sein kann. Es gibt weitere Anzeichen wie Übelkeit, Erbrechen und zunehmende Bauchschmerzen. Bei besonders schweren Verläufen führt die Erkrankung zu Blutarmut und dadurch zu Gefäß- und Nierenschäden. Selten wurden auch schon Todesfälle gemeldet.

So schützen Sie sich:

„Eigentlich genügt es, wenn man die normalen Hygieneregeln befolgt“, sagt der Infektologe Dr. Frühwein. Vor dem Zubereiten von Speisen sollte man sich gründlich die Hände waschen. Auch nach dem Anfassen von rohem Fleisch oder von rohen Eiern und Eierschalen sind die Hände mit heißem Wasser zu reinigen. Arbeitsflächen, die mit rohem Fleisch in Berührung gekommen sind, sollten sofort gereinigt werden.

Petra Markovic

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus
Heizkraftwerk Nord sorgt für Zoff im Rathaus

Kommentare