Rupert Saller (61) hört nach 18 Jahren als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr München auf

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr sagt Servus

Der langjährige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr, Rupert Saller, hält einen Feuerwehrschlauch.
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„Wir können mehr als Schläuche halten“, sagt der langjährige Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Rupert Saller.

Nach 42 Dienstjahren und 18 Jahren als Kommandant hört Rupert Saller (61) bei der Freiwilligen Feuerwehr München auf. Sein Nachfolger ist Claudius Blank. Saller erzählt von seinem gefährlichsten Einsatz und über was er mit Papst Benedikt gelacht hat.

Rupert Saller war in seiner Amtszeit als Chef der größten kommunalen Freiwilligen Feuerwehr Deutschlands für mehr als 50 000 Einsätze und 15 000 Übungen verantwortlich. Und er ist dankbar, dass in all den Jahren kein Kamerad in seiner Truppe sein Leben lassen musste. Am Ende der Karriere blickt der 61-Jährige auf die vergangenen vier Jahrzehnte zurück und sagt: „Mehr ging nicht. Jetzt ist es gut.“

Der erste Einsatz bei der Allacher Wehr

Rupert Saller als junger Feuerwehrmann

„Mein erster Einsatz war ein böswilliger Alarm“, erinnert sich Rupert Saller, der die ersten Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Allach stand. Das heißt, Anwohner riefen die Feuerwehr und erzählten, ein Haus stehe in Flammen – gebrannt hat es allerdings gar nicht. Zumindest nicht an diesem Abend. Fünf Jahre später brannte es dann in diesem Anwesen tatsächlich. Der erste richtige Einsatz für den jungen Feuerwehrmann war ein Zimmerbrand in Allach.

Der gefährlichste Einsatz im Birketweg

Ein millionenschwerer Großbrand im Münchner Baustoffmarkt am Birketweg in Neuhausen hielt die Feuerwehr im August 2003 in Atem. Ein Tank mit 2000 Litern Flüssiggas sowie mehrere Gasflaschen explodierten. Die Flaschen flogen wie Geschosse bis zu 200 Meter weit. „Es war großes Glück, dass in der Nacht nicht mehr passiert ist und niemand schwer verletzt wurde“, sagt Saller. Zu Hunderten waren die Menschen damals an den Brandort gelaufen, um das Spektakel zu beobachten. Auch zahlreiche Besucher des Clubs Backstage kamen von der gegenüberliegenden Seite angerannt. Sie hatten das Feuer auf dem Firmengelände per Notruf gemeldet.

Papst Benedikt und die Münchner Feuerwehr

Papst Benedikt XVI. im Gespräch mit Rupert Saller

Im September 2006 besuchte Papst Benedikt XVI. während seines Aufenthaltes in Bayern auch die Landeshauptstadt. Am letzten Tag wechselte der Heilige Vater an den Absperrgittern vor der Frauenkirche ein paar Worte mit einigen Feuerwehrangehörigen, darunter auch Rupert Saller. „Das war die beeindruckendste Begegnung während meiner Amtszeit“, erzählt der 61-Jährige. Denn nach mehreren Minuten des Plausches mit den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr München – die selbstverständlich alle in voller Montur mit entsprechendem Abzeichen zur Audienz erschienen waren – fragte das Kirchenoberhaupt: „Und was seids jetzt eigentlich ihr für ein Verein?“ Mit einem herzlichem Lachen wurde auch dieses Rätsel gelöst.

Die emotionalsten Momente

Die Schwabinger Bombe verursachte einen Millionenschaden

Rupert Sallers emotionalste und fordernsten Einsätze waren die Schwabinger Bombe und der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum. Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde im August 2012 an der Feilitzschstraße gesprengt und verursachte einen Millionenschaden. „Bei der Sprengung flog ein Stück Bombe auf unseren Einsatzleitwagen“, berichtet Saller. Am Abend des OEZ-Anschlags im Juli 2016 gab es die in seiner Laufbahn seltenen Momente der Angst. „Das lag daran, dass lange Zeit nicht einzuschätzen war, wie umfangreich der Anschlag ist“, sagt er. „Plötzlich parkt das SEK aus Stuttgart neben dir und die Spezialeinheit Cobra aus Österreich wird angefordert – da wird einem schon ganz anders.“

Duell mit Garmisch-Partenkirchen

Rupert Saller (Mi.) neben Skifahrerin Conny Mieslinger mit Christian Neureuther (l.) und Rosi Mittermaier

Auch sportlich hat Rupert Saller immer eine gute Figur gemacht. Jahrelang lieferte er sich ein Ski-Duell im Riesenslalom mit dem Kreisbrandrat von Garmisch-Partenkirchen, Johann Eitzenberger. Und jahrelang ging der Münchner Kommandant als Sieger hervor. Die Duelle auf der Piste bekamen freilich auch die Garmisch-Partenkirchner Skilegenden Christian Neureuther und Rosi Mittermaier mit. Irgendwann sagte Neureuther zu Saller: „Das war jetzt das letzte Mal, dass du gegen den Garmischer Kreisbrandrat gewonnen hast. Ich werde ihn jetzt persönlich trainieren.“ Das wiederum rief Rosi Mittermaier auf den Plan, die sich ihrerseits an den Münchner Kommandanten wandte und sich auf seine Seite schlug: „Na, wenn das so ist, werde ich dich trainieren“, versprach sie. Der Sieger des nächsten Rennens war: Rupert Saller.

Katastropheneinsätze bei Schnee und Wasser

Immer wieder muss die Münchner Feuerwehr auch andere Städte und Kommunen in Bayern und sogar andere Bundesländer bei Großeinsätzen unterstützen. „Unser am weitesten entfernter Einsatzort während meiner Dienstzeit war in Sachsen-Anhalt“, sagt Rupert Saller. „Dort leisteten wir Katastrophenhilfe bei einem Hochwasser in Dessau.“ Zudem musste die Freiwillige Feuerwehr München den Kollegen bei den ungeheuren Schneemassen im Berchtesgadener Land vergangenes Jahr helfen. Unter anderem mussten Dächer freigeschaufelt werden, es gab Einsatzbesprechungen mit der Lawinenkommission. „Eine ungewöhnliche Situation für uns Großstädter“, schmunzelt Saller.

Nach 42 Jahren blickt Rupert Saller zufrieden zurück auf die vergangenen Jahrzehnte. Vieles wird er vermissen – aber auch nicht alles. Denn mehr als vier Jahrzehnte trug der Münchner immer ein Gerät bei sich, das ihn zu jedem Einsatz rief. Jetzt freut er sich, dass die ständige Rufbereitschaft wegfällt. Er sagt: „Das ist schon etwas Schönes, nach 42 Jahren auch mal durchschlafen zu können.“

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