Bilanz des Landesamts für Umwelt

Mehr Überschreitungen des Feinstaub-Grenzwerts

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Umweltverbände, hier Green City am Marienplatz, kämpfen seit Jahren für eine bessere Luft in München.

Das Landesamt für Umwelt legt seine Quartals-Bilanz vor. Das Wetter hat auch München schlechtere Werte beschert.

München - Noch im vergangenen Jahr war die Feinstaubbilanz in Bayern erfreulich. Doch seit Beginn des neuen Jahres sind die Werte nach oben geschnellt. Am häufigsten wurde der Grenzwert in Würzburg überschritten, aber auch in München bleibt die Luft belastet. Hier ist inzwischen ohnehin nicht der Feinstaub das zentrale Problem, sondern Stickstoffdioxid.

Wetter sorgt für etwas Entspannung

Trotz einer leichten Entspannung durch das Frühlingswetter haben stark erhöhte Feinstaubwerte im ersten Quartal 2017 für dicke Luft in Bayerns Städten gesorgt. Gleich an fünf Stationen im Freistaat wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft von Januar bis Ende März an mehr als 18 Tagen überschritten, wie das Landesamt für Umwelt am Samstag bilanzierte.

Trauriger Spitzenreiter war die Messstation in Würzburg (Stadtring-Süd), wo der Grenzwert an 23 Tagen fiel. Am 16. Februar wurde hier sogar ein Tagesmittelwert von 115 Mikrogramm registriert – das entspricht der Luftgüteklasse „sehr schlecht“. Nicht viel besser sah es in Nürnberg aus (Von-der-Tann-Straße) mit 22 Überschreitungen. In München wurde die Messlatte am Stachus an 21 Tagen gerissen, an der Messstation Landshuter Allee an 20 Tagen, teilte das Landesamt mit. In Augsburg (Karlstraße) waren es 19 Überschreitungen.

Landshuter Allee immer noch Münchens Abgas-Schwerpunkt

Im gesamten Jahr 2016 hatte die Münchner Station Landshuter Allee die meisten Überschreitungen im Freistaat aufzuweisen; an 15 Tagen wurde der Grenzwert überschritten – was allerdings noch deutlich innerhalb der erlaubten 35 Tage lag. Besonders hoch war die Feinstaub-Belastung im kalten Januar: Schuld waren insbesondere die Inversionswetterlagen, bei denen wärmere Luftmassen über kälteren liegen und so verhindern, dass Feinstaub aus der tieferen Schicht sich mit der freien Atmosphäre austauschen kann. Im Februar und März sorgte stürmisches Frühlingswetter für Entlastung.

In München ist inzwischen Stickstoffdioxid das größere Problem. Die gesundheitsgefährdende Stickstoffdioxid-Belastung lag 2016 im Jahresmittel bei 80 Mikrogramm pro Kubikmeter und überschritt damit den EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm um das Doppelte. Schuld sind vor allem Diesel-Autos (wir berichteten). An der Landshuter Allee ist bundesweit die zweithöchste Stickstoffdioxid-Belastung. Nur an einem Messpunkt in Stuttgart ergaben sich höhere Werte.

Werte im langjährigen Vergleich rückläufig

Immerhin: Im langjährigen Trend sind die Schadstoffwerte in München rückläufig. 2010 ermittelte das Umweltbundesamt (UBA) an der Landshuter Allee noch 99 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter, 2015 waren es 84. Auch am ebenfalls belasteten Stachus ging der Wert binnen eines Jahres von 64 auf 56 Mikrogramm pro Kubikmeter zurück. Bei den anderen drei Messstellen im Stadtgebiet blieben die Werte im vergangenen Jahr wie berichtet unverändert und unterhalb des EU-Grenzwertes. So betrug die Stickstoffdioxidbelastung an der Lothstraße 33 Mikrogramm pro Kubikmeter, in Allach 26 und in Johanneskirchen 22.

Hohe Konzentrationen von Feinstaub und Stickstoffdioxiden können zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert seit Jahren auf auf dem Klageweg Sofortmaßnahmen, unter anderem die Einführung einer blauen Plakette, was einem Einfahrverbot für ältere Diesel-Autos gleichkäme. 

dpa/wha

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