Mein Körper für die Kunst

Maike (18) macht sich vor der Oper nackig

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Maike Jäger (18) ist eine von bisher rund 2500 Münchnern, die für den Fotografen Spencer Tunick die Hüllen fallen lässt.

München - Am Samstag zieht sich München aus für die Kunst: Die angehende Medizin-Studentin Maike Jäger (18) macht mit. Die tz fragte sie, warum sie sich auszieht.

Gerade hat sie auf dem Pestalozzi-Gymnasium ihr Abi gemacht (1,2), singt demnächst in der Kultfabrik (28.6.) und der Unterfahrt (23. und 24.7.), begleitet von der Big Band ihrer Ex-Schule. Sie liebt Theater und Oper, arbeitet bei den Maltesern mit, ist engagiert im Europäischen Jugendparlament. Und im Herbst geht’s los mit dem Medizinstudium. Maike Jäger (18) ist ein vielseitig interessierter, neugieriger, hellwacher Teenager. Da liegt es praktisch auf der Hand, bei Spencer Tunicks großem Nackerten-Fotoshooting mitzumachen.

US-Künstler: Auch München soll so nackt werden

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„Ich finde das total spannend. Es ist schon ein Schritt, das zu machen, und kostet Überwindung. Aber gerade dieser Kitzel ist es ja“, sagt sie der tz. Eine Freundin hatte sie auf die Aktion aufmerksam gemacht und meinte: „Davon können wir mal unseren Enkelkindern erzählen.“ Dass Maike Feuer gefangen hat, dachte sie freilich nicht.

Was erwartet sich die angehende Studentin von der Aktion? „Ich bin gespannt, wer da so mitmacht. Wie ist die Zusammensetzung? Mehr Alte oder mehr Junge? Mehr Männer oder mehr Frauen? Gibt es Körperkontakt oder nicht?“ Die Stimmung wird, meint Maike, „schon angespannt, aber witzig. Es ist ja auch peinlich, sich nackt zu präsentieren, da wird’s wohl Witzchen geben. Aber ich fühle mich wohl mit meinem Körper, habe mit meinen Eltern früher FKK gemacht.“

Wer Kunstwerk werden will, muss früh aufstehen: Alle Akt-eure müssen sich Samstag um 3 Uhr morgens auf dem Marstallplatz einfinden. Dann wird Künstler Tunick Positionen proben, außerdem wird jeder Teilnehmer bemalt – und das bei jedem Wetter, die Farbe hält. Die Kleider werden in Plastiksäcken verstaut und bewacht. Um viertel vor 10 vormittags ist die Nacktion, pardon: Aktion vorbei. Posiert wird vor der Oper (Max-Joseph-Platz) und Marstallplatz, vielleicht noch an einem dritten Ort, der noch nicht offiziell ist.

Was sagen Maikes Eltern dazu? „Denen habe ich es gestern beim Abendessen gesagt. Wirklich begeistert waren sie nicht, aber sie sind dennoch ziemlich entspannt. Sie meinten: Du bist 18, du kannst machen, was du willst“, lacht Maike. Ihr Freund Wilhelm, mit dem sie seit zwei Monaten zusammen ist, weiß noch nichts von Maikes Aktion. „Aber ich bin mir sicher, dass er nichts dagegen hat“, ist Maike überzeugt.

Nach dem Blankziehen für die Kunst macht die junge Frau erst einmal eine Ausbildung zur Rettungshelferin, anschließend geht’s mit einer Freundin in Urlaub, wahrscheinlich nach Holland. Groß herumerzählt hat sie auch in ihrem Freundeskreis nicht, dass sie am Samstag ihren Körper der Kunst widmet. Warum auch? „Ich finde es affig, wenn Leute sagen: Da muss man doch verrückt sein, um da mitzuwirken. Ich finde das gar nicht. Man kann doch normal sein!“

Matthias Bieber

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