Gemüsehändler: „Meine Gurken sind sauber“

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Fachverbands-Präsident Günther Warchola mit Gurken in der Münchner Großmarkthalle.

München - Wegen der gefährlichen EHEC-Keime sind Münchens Verbraucher besorgt. Den Gemüsehändlern bricht der Umsatz weg. Sie versichern: Unsere Gurken sind sauber!

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Trübe Stimmung am späten Freitagvormittag auf dem Gelände der Münchner Großmarkthalle. Im „Bauch der Stadt“ blieben an diesem verregneten Maitag kistenweise Gurken, Tomaten und grüne Salate aller Art bei den Händlern liegen. „Die Leute sind sehr verunsichert.“ Das sagt mit sorgenvoller Miene Günther Warchola, Präsident des Bayerischen Fruchtverbands und Geschäfts­führer einer der Stände in Halle 6. Viele Abnehmer der rund 200 Obst- und Ge­müsehändler in der Großmarkthalle beliefern Großkantinen und Krankenhäuser. „Und dort wird zurzeit kein Salat abgenommen.“

Auch in seinem Kühlhaus lagern derzeit mehr Gurken und Tomaten als üblich. Einige Tage kann das Gemüse dort frisch gehalten werden. Schon nach den ersten Meldungen aus Norddeutschland sei der Umsatz zurückgegangen: Natürlich bestellen die Großmarkthändler dann weniger bei den Erzeugern. „Die trifft es vielleicht sogar existenziell, sie können ihre Ernte gleich wieder einackern.“

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Warchola findet die ­Reaktion auf die EHEC-Todesfälle übertrieben. „Ganz ehrlich: Das gehört doch zum normalen Lebensrisiko.“ Er appelliert an die Verbraucher, nicht die deutsche und europäische Ernte in Bausch und Bogen vom Esstisch zu ­verbannen. Warchola: „Wir verkaufen derzeit hauptsächlich Produkte aus Deutschland.“

Sein Kollege Martin Oswald von Halle 1 deutet auf die prächtigen Salatköpfe von der Insel Reichenau, die ein Mitarbeiter auf einem Palettenwagen ins Lager zieht: „Die sind zertifiziert, nur mit Bodenseewasser gegossen.“ Salate würden nicht organisch gedüngt. Auch Oswald hat Stornierungen erhalten. „Wir haben seit acht Wochen kein Gemüse aus Spanien mehr.“

Sezgin Yildirim arbeitet für den Händler Fritz Möss. Vor seinem Stand türmen sich Schachteln mit kleinen italienischen Gurken. „Natürlich hat’s uns auch getroffen“, räumt er ein. Etliche Abnehmer hätten storniert oder „Zertifikate und Analysen verlangt“. Dabei werde doch in der ganzen Großmarkthalle alles regelmäßig untersucht. „Einer hat französische Gurken abbestellt.“ Yildirim hat keine Angst vor seinen Gurken: Er greift sich eine und beißt kraftvoll ein Stück ab. Nicht nur fürs Foto – er isst das ganze ungewaschene Ding.

Auch eine Art der Resteverwertung. Wie geht man in der Großmarkthalle mit verderblichen Ladenhütern im großen Stil um? Fruchtverbands-Präsident Warchola erklärt, dass jeder Händler selbst für die Entsorgung zuständig sei. „Die meisten haben sich in einer Entsorgungsgenossenschaft zusammengeschlossen, wir haben auf dem Gelände auch eine Hammermühle.“ Händler, die sich ausgerechnet auf die jetzt geächteten Gemüse- und Salatsorten oder viele spanische Produkte spezialisiert haben, „könnten schon Schwierigkeiten mit der Entsorgung haben“.

Warchola selbst hat gestern wieder Gurken geordert, aus deutschen Landen – „das ist jetzt unser Risiko“. Er hofft darauf, dass sich nach der Identifizierung von zwei spanischen Betrieben die Lage bald wieder normalisiert.

Barbara Wimmer

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