Meine Herren, wie steht’s um Olympia?

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OB Christian Ude (l.) und Siegfried Schneider machen sich stark für Olympia 2018 in München

München - Kommen die Olympischen Spiele 2018 nach München oder kommen Sie nicht? Wir haben bei OB Christian Ude und Siegfried Schneider, dem Chef der Staatskanzlei, nachgefragt.

Herr Oberbürgermeister, was haben Sie für ein Gefühl kurz vor dem Besuch der IOC-Kontrolleure?

Ude: Ein sehr gutes. Wir sind bestens vorbereitet. Ich habe gerade die Räumlichkeiten und die Technik im Bayerischen Hof angeschaut. Imposant! Da wird Präzisionsarbeit abgeliefert, unsere Bewerbung mit Plänen, Bildern und Filmen unterstützt. Die sprechen nicht nur den Verstand an, sondern auch die sportliche Emotionen.

Sie klingen sehr optimistisch. Wenn München tatsächlich Olympia bekommt, sind Sie bereits in Pension. Wer wird als neuer OB die Spiele eröffnen?

Ude: Keiner! Denn eins vergessen wir in unserer lokalpatriotischen Selbstüberschätzung manchmal: Die Spiele werden vom Bundespräsidenten eröffnet. Christian Wulff hat diese Woche im Münchner Rathaus gesagt, dass er dafür sehr gerne zur Verfügung stünde. Das setzt natürlich seine Wiederwahl voraus. Aber Wulff wäre zweifellos jung genug. Ich denke, dass er auch sonst in sehr erfreulicher Form den richtigen Ton trifft und integrativ wirkt.

Wie gefährlich ist das Bürgerbegehren in GAP?

Ude: Auf die Evaluierungskommission wird es überhaupt keinen Einfluss haben. Die IOC-Vertreter wollen nur wissen, wie es ausgeht. Störfeuer haben sie in anderen Städten schon erlebt, sogar in Vancouver. Dort gab es auch ein Bürgerbegehren – ein ernstzunehmendes. Das Bürgerbegehren in GAP ist nur lästig: weil man sich juristisch damit auseinandersetzen muss und weil es versucht, die Optik zu stören. Aber wir sind zuversichtlich, dass der Bürgerentscheid deutlich machen wird: Auch in GAP steht die Mehrheit hinter der Bewerbung.

Die Gegner sehen das anders. Sie wollen – so steht es im Bürgerbegehren – prüfen lassen, ob die bereits abgeschlossenen Olympia-Verträge der Gemeinde überhaupt rechtens sind. Als Experten haben die Ini­tiatoren des Bürgerbegehrens verbindlich den Jura-Professor Dr. Heinrich Amadeaus Wolff benannt.

Ude: Ich schließe aus, dass dieses Bürgerbegehren Erfolg haben wird. Aber einen Hinweis kann ich mir nicht verkneifen: Wenn es Erfolg hätte, läge die Entscheidung, was die Gemeinde tun muss, allein in den Händen eines Professors aus Frankfurt an der Oder. Der war noch nie in GAP, kennt den Ort nur aus dem Fernsehen. Das wäre das Gegenteil von mehr Bürgerbeteiligung und kommunaler Selbstverwaltung.

Viele Werdenfelser erwarten im Falle eines Bürgerbegehrens ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Werden Sie die Olympia-Bewürworter vor Ort im Wahlkampf unterstützen?

Ude: Es ist wichtig, dass zur rechten Zeit ein Votum der Bevölkerung zustande kommt. Schon allein, damit es keine dauerhafte Unsicherheit gibt, die theoretisch bis Durban andauern könnte. Das wäre abträglich. In GAP ist gefragt, wer dort Autorität und Einfluss hat. Da werden die Skiclubs und die Gewerbetreibenden eine Rolle spielen. Die Gemeinderäte müssen sich engagieren. Auch die Staatsregierung wird sich, wie ich zuverlässig weiß, massiv vor Ort vernehmen lassen. Selbstverständlich stehe auch ich zur Verfügung, wenn es gewünscht wird.

„Mit Grundbesitzern weiter im Gespräch“

Herr Minister, wie wollen Sie die IOC-Kommission davon überzeugen, dass Bayern die besten Gastgeberorte für 2018 hat?

Schneider: Durch eine überzeugende Präsentation. Wir würden Maßstäbe setzen: herzliche Gastfreundschaft, eine atemberaubende Atmosphäre, perfekt organisierte Veranstaltungen, kulturelle Highlights, nachhaltige, ökologische Spiele.

Aber es gibt auch noch Probleme: Selbst Olympia-Befürworter bezeichnen GAP als Pulverfass. Wie gefährlich ist das angekündigte Bürgerbegehren?

Schneider: Es ist zunächst eine Angelegenheit der Bürger der Marktgemeinde. Ich bin mir aber sicher: Eine große Mehrheit will Olympia: aus Sportbegeisterung und aus Vernunft!

Auch der Grundstücksstreit belastet die Olympiavorbereitungen. Wie schaut es bei den Verhandlungen vor allem mit dem Eigentümer im Zieleinlauf der Kandahar aus?

Schneider: Mit ihm sind wir weiter im Gespräch und zuversichtlich, die benötigten Flächen nutzen zu können.

Sie haben als Chefvermittler in GAP viel Vertrauen zurückgewonnen. Jetzt aber scheiden Sie aus dem Amt…

Schneider: Meine Türen stehen auch jetzt noch offen. Und auch nach meinem Ausscheiden wird die Staatsregierung mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Im Umgang mit den Kritikern hat die Bewerbungsgesellschaft Fehler gemacht. Welchen Weg halten Sie für sinnvoll?

Schneider: Hier müssen wir differenzieren. Die konstruktiven Kritiker müssen wir ernst nehmen, auf Augenhöhe mit ihnen verhandeln, ihre berechtigten Interessen berücksichtigen und sie überzeugen. Das ist in den letzten Monaten auch gelungen. Es gibt allerdings auch immer eine kleine, aber lautstarke Minderheit, die aus ideologischen Gründen gegen Olympia ist. Das berufsmäßige Nörgeln und das prinzipielle Dagegensein findet sich leider immer häufiger. Wir haben die besseren Argumente auf unserer Seite.

Interviews: Andreas Beez

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