So meistert eine 100-Jährige Münchnerin alleine ihren Alltag

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Kreszenz Götz liest täglich die tz - damit sie weiß, was in der Stadt los ist.

München - Kreszenz Götz ist 100 Jahre alt - und meistert ihren Alltag noch überwiegend alleine. Die tz hat die Münchnerin einen Tag lang begleitet und dabei erfahren, wie man so alt werden und dabei noch so fit bleiben kann.

Ein Rezept für die ewige Jugend hat Kreszenz Götz nicht - aber regelmäßiges Schwimmen im Müller’schen Volksbad hat sicher dazu beigetragen! Kreszenz Götz muss es wissen: Vor 100 Jahren kam sie am 17. Juli in Neuhausen zur Welt, seither lebt sie in München. In ihrer Bogenhausener Wohnung meistert die Rentnerin ihren Alltag fast im Alleingang, ein Seniorenheim kommt für sie nicht in Frage. Die tz war einen Tag lang zu Besuch:

Gegen 7 Uhr steht Kreszenz Götz auf und frühstückt ausgiebig - dazu stellt sie das Radio im Wohnzimmer an und liest die tz. „Ich will ja wissen, was los ist in München! Unglaublich, welche Verbrechen in meiner Stadt passieren, das war früher nicht so schlimm.“ Ob Wahlkampf, S-Bahnchaos oder Papstbesuch: Die Neugier ist der 100-Jährigen geblieben. Am liebsten verfolgt Kreszenz Götz die Nachrichten.

Um 10 Uhr kommt Schwester Gabriele vom ambulanten Pflegedienst „Lauras Krankenservice“ vorbei und greift der Seniorin im Haushalt unter die Arme. „Ich bin stolz, dass ich viel alleine mache. Aber auf die Hilfe des Pflegedienstes kann ich natürlich seit einigen Jahren nicht mehr verzichten“, gibt Kreszenz Götz zu und blickt dankbar zu Schwester Gabriele. Während die Krankenschwester die Tabletten für die kommende Woche herrichtet, unterhalten sich die Damen, danach flechtet Gabriele eine Frisur in das ergraute Haar. Kreszenz Götz weiß, was es bedeutet, liebevoll gepflegt zu werden: 40 Jahre lang war die Neuhauserin selbst als Krankenschwester im Rechts der Isar tätig. Über Erinnerungen an verwundete Soldaten aus dem 2. Weltkrieg, die täglich eingeliefert wurden, spricht sie nur ungern.

München - auferstanden aus Ruinen

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Für Heiraten oder Familienplanung blieb neben dem Beruf keine Zeit: „Ich war von morgens bis abends im Krankenhaus. Wo sollte ich da noch einen Mann oder Kinder unterbringen?“ Aber hübsch sei sie schon gewesen, mit ihren blonden Haaren und der sportlichen Figur. Ob ihr die Männer nicht reihenweise hinterhergelaufen sind? Da bekommt die zierliche Dame leuchtende Augen und kichert vielsagend in sich hinein.

Das Mittagessen trägt ein Mitarbeiter von „Essen auf Rädern“ um 12 Uhr zu Kreszenz Götz in den 3. Stock. Nach dem Essen macht die Rentnerin eine Stunde Mittagschlaf. „Schönheitsschlaf brauch’ ich zwar nicht mehr, aber viel Schlaf ist wichtig - dann wird man so alt wie ich!“ Gegen 15 Uhr telefoniert Kreszenz Götz meist mit Freundin Elfriede aus Coburg - die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit als Krankenschwester. Mehr soziale Kontakte sind der betagten Frau nicht geblieben. „Das macht mich oft traurig, weil ich kaum Besuch bekomme. Alle um einen herum sterben - das ist der Nachteil, wenn man so alt wird.“

Bis vor eineinhalb Jahren kümmerte sich Kreszenz Götz um eine erblindete Nachbarin, kaufte für sie ein und traf sie zum Kaffeetrinken. In der Pfarrei war sie ehrenamtlich tätig, pflegte behinderte Mitglieder. Doch seit einem Sturz im Treppenhaus verlässt die 100-Jährige ihre Wohnung nicht mehr - zu groß ist die Angst, nochmal hinzufallen. Auf die sonntäglichen Kirchenbesuche muss sie verzichten: „Seitdem gucke ich mir den Gottesdienst im Fernsehen an. Das ist nicht dasselbe, wie dabei zu sein, aber besser als nichts.“

Um 18.30 Uhr richtet die 100-Jährige ihr Abendessen her. Den Einkauf dafür erledigt eine Nachbarin jeden Freitag. Kreszenz Götz sagt, sie sei glücklich, dass sie ihren Alltag alleine schafft, aber trotzdem wisse, wo sie zur Not Hilfe findet. Gegen 21 Uhr heißt es Schlafenszeit. Sonntags wird es jedoch oft etwas später: „Wenn ein spannender Tatort läuft, dann bleibe ich natürlich länger wach. Ich will doch wissen, wie der Krimi ausgeht!“

Christina Lewinsky

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