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Interview mit Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin

Melanie Huml: "Mein Plan gegen den Pflegenotstand"

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Melanie Huml im Gespräch mit tz-Redakteur Armin Geier.

München - Melanie Huml, Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, sprach mit der tz über stressige Arbeitstage, den Mangel an Pflegekräften und darüber, wer sich in Zukunft um unsere Alten kümmern soll.

Wenn Pflegekräfte von Melanie Huml sprechen, tun sie dies meist mit Respekt: „Die kennt sich zumindest aus“, so der Tenor über die blonde Ärztin aus Bamberg. Seit eineinhalb Jahren ist die 39-Jährige nun Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege. Kein Zuckerschlecken, besonders wenn man die Probleme bei der Versorgung der alten Menschen ins Auge fasst. „Das ist die gesellschaftliche Herausforderung der nächsten Jahre“, sagte Huml selbst einmal bei einer Podiumsdiskussion. Aber wie soll sie gemeistert werden?

Frau Huml, Sie sind ausgebildete Ärztin. Sie hätten in der Medizin Karriere machen können. Warum ging’s in die Politik?

Melanie Huml: Ich wollte immer mit Menschen zu tun haben. Und in der Politik können Sie für viele Menschen etwas Positives erreichen – für mehr als in der Medizin. Zudem wollte ich mich immer engagieren. Man kann nicht über Gesetze meckern und dann selbst nichts tun.

Wie viele Termine hatten Sie heute?

Huml: Vier glaube ich. Einige Besprechungen am Vormittag, gerade war ich beim VdK, jetzt rede ich mit Ihnen – dann muss ich nach Regensburg.

Stressig alles …

Huml: Ja, aber das bringt jedes Ministeramt mit sich. Die Arbeit macht mir auf jeden Fall riesigen Spaß.

Sie wohnen in Bamberg. Pendeln Sie jeden Tag?

Huml: Jeden Tag geht das leider nicht. Ich habe auch eine kleine Wohnung in München – wenn es spät wird.

Sie sind unter anderem Pflegeministerin, was es früher als eigenes Ressort gar nicht gab. Hier gibt es viel zu tun – Stichwort Pflegenotstand.

Huml: Ja, die Situation in der Pflege ist derzeit schwierig. Wir müssen den Beruf der Pflegekraft unbedingt attraktiver machen.

Wie – wenn ein Pfleger nachts 50 Heimbewohner versorgen muss? Wenn Azubis klagen, dass sie die Aufgaben von examiniertem Personal ausführen müssen?

Huml: Genau das muss sich ändern. Fangen wir mit den Schülern an: Ihnen muss die schulische und praktische Ausbildung Freude bereiten. Besonders die Praxisanleitung muss daher besser werden. Das müssen die Träger in den Heimen umsetzen.

Wie wollen Sie da Druck machen?

Huml: Wir denken darüber nach, dass auch Heime, die keine Azubis ausbilden, an deren Schulung finanziell beteiligt werden.

Die sollen also mitzahlen? 

Huml: Ja, genau. Eine Art Ausbildungsfonds für alle. Derzeit tragen ja eigentlich die Heimbewohner die Kosten, weil dies in der Monatsabrechnung einfach draufgeschlagen wird. Das kann so nicht weitergehen.

Sie wollen auch den Altenpflegeberuf flexibler gestalten…

Huml: Ja, unbedingt. Derzeit können examinierte Altenpfleger nicht ins Krankenhaus wechseln. Warum nicht? Andersrum ist dies schon möglich. Krankenpflege, Altenpflege und Kinderkrankenpflege gehören bundesweit in einer Ausbildung zusammengefasst. Dann kann jemand nach einigen Jahren Pflegeheim auch mal ein paar Jahre etwas anderes machen – und dort seine Erfahrung einbringen.

Klingt sinnvoll. Dabei fordern doch viele gar Abitur für alle Pflegekräfte.

Huml: Ich weiß – aber das ist Unsinn. Wir wollen doch mehr Pflege-Nachwuchs, nicht weniger.

Sie haben als Ministerin einen Nachtdienstschlüssel eingeführt. 

Huml: Das ist richtig. Laut unserer Bestimmung darf nachts unter bestimmten Kriterien eine Pflegekraft maximal für 40 Bewohner verantwortlich sein. Nicht mehr.

Wie gesagt: Es gibt aber Häuser, da ist genau dies nicht der Fall.

Huml: Es gibt viele Pflegeeinrichtungen, die wirklich gute Arbeit leisten. Als wir uns 600 Häuser in Bayern genau angesehen haben, wurde dies deutlich. Aber: Wir hatten auch zwei Einrichtungen, wo eine Pflegekraft nachts für 90 Bewohner zuständig war. Bei sowas kann ich nicht mehr gut schlafen. Genau diese Fälle gilt es mit dem Nachtdienstschlüssel zu verhindern.

Stichwort Pflege-TÜV im Internet. Hier bekommen immer noch schlechte Häuser gute Gesamtnoten. 

Huml: Das hat damit zu tun, dass man halt Pflegemängel mit einer nett gestalteten Speisekarte ausgleichen kann. Das ist schlichtweg irreführend. Ich halte von diesen Noten im Netz gar nichts. Die derzeitigen Noten geben kein verlässliches Bild der Pflegequalität und sind Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen keine Entscheidungshilfe.

Warum gibt es sie dann noch?

Huml: Weil die Träger diese Benotungen ins Leben riefen. Wir von der Politik müssen jetzt noch mehr Druck machen, damit dies überarbeitet wird. Es muss deutlich einsehbar sein, wenn sich ein Haus schlechte Pflege zu Schulden kommen ließ. Da bleibe ich dran.

Armin Geier

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