Der Menschenfischer im Olympiastadion

Bruce Springsteen zeigt, wer der Boss ist

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Da springt das Herz: Bruce Springsteen liefert im Olystadion pure Power und macht alle Fans glücklich.

München - 42 000 Fans im Olympiastadion waren begeistert. Pitschnass und kalt war es beim Konzert von Bruce Springsteen, aber dieser Mann bringt die Sonne in die Seele.

Und dann packt er auf einmal aus dem Nichts diesen Ton raus, irgendwo von ganz hinten aus seinen Stimmbändern, die offensichtlich nichts und niemand erschüttern kann. Ganz hinten, kehlig, guttural, höllisch hoch, wie eine Naturgewalt: „Can you feeeeeel it?!“, springt uns Bruce Springsteens Stimme an. Die Haare drängeln sich kollektiv um einen Stehplatz. Und, klar: 42 000 Fans im Olympiastadion fühlen es. Pitschnass und kalt ist’s, aber dieser Mann bringt die Sonne in die Seele. Er ist der Menschenfischer, und seine Konzerte sind Gottesdienste im Drei-Akkorde-Takt.

Wo nimmt der Mann, 63 Jahre jung, diese Power her? Er eröffnet zweckmäßig mit Who’ll Stop The Rain?, da ist es gerade mal viertel nach sieben (!). Drei Stunden später regnet es noch immer, was auch Bruce grinsend anmerkt. Aber im Gegensatz zu manchem vermeintlichen Superstar ist Springsteen das Wetter, nach eigenen Worten, f…ing wurscht. Turnt durch die vorderen Publikumsreihen, he can stand the rain, lässt sich vom kräftigen Wind das Hemd zerzausen, aber die Stimme sitzt. Bis zum bejubelten Schluss um kurz nach zehn.

Und dann diese Interaktion mit dem Publikum: Das macht ihm keiner nach, und man spürt in jedem Takt, wie ernst es ihm mit seinen Fans ist, wie viel Freude er an dem hat, was er da macht: Er liefert die notorisch beste Rockparty, und das seit Jahrzehnten. Spitzen-Konzerte sind Bosssache.

Bruce Springsteen: Sein Konzert im Olympiastadion

Bruce Springsteen: Sein Konzert im Münchner Olympiastadion

So einer wie Spring­steen und seine ebenso perfekte wie beseelte E Street Band gönnen sich und uns keine Pause. Zwischen den Songs mal ein Trommelfeuer des phänomenalen Max Weinberg, und dann brüllt Bruce schon wieder das neue Lied ein: „One, two, three, four“, und weiter im großen Rock-Rausch. Inklusive des gesamten Born In The USA-Albums, das zum Höhepunkt eines großen Abends wird.

Apropos denkwürdig: Sei es der kleine Bub mit seinem riesigen Bild, den der Star zum Anfassen groß rausbringt, seien es die Damen, die The Boss bei Dancing In The Dark zum Tänzchen holt – dieser Mann lebt, was so viele gerne können würden: Er ist einer von uns. Ohne Fans keine Party, kein Zauber, keine Leidenschaft. Das alles ohne Schnickschnack, alles fährt direkt ins Innere. Und das tanzt, tanzt, tanzt. We’re On Fire. We can feeeeel it!

Mathias Bieber

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