Prozess wegen versuchten Totschlags

Messer-Attacke im Bordell

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Erkan G. (29) mit seinem Verteidiger Adam Ahmed.

München - Es sollte eigentlich eine freudige Nacht werden, am Ende lagen aber drei gestandene Männer am Boden – mit Stichwunden von einem Taschenmesser! Jetzt steht Erkan G. (29) wegen versuchten Totschlags vor Gericht.

 Er soll in der Nacht zum 1. November mit einem Spezl das Bordell Red Roses (damals in der Hofer Straße) besucht haben und dort vier Bekannte getroffen haben. Aus noch ungeklärten Gründen kam es zum Streit, bei dem Erkan G. ausgerastet sein soll. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft stach G. nach einem Gerangel mit einer zwölf Zentimeter langen Klinge zu. Maximilian L. soll er fünf Mal frontal erwischt und seinen Tod damit billigend in Kauf genommen haben. Engin D. rammte er das Messer mutmaßlich in die Brust, Serdar Ö. verletzte er laut Anklage an drei Stellen am Rücken.

Der mutmaßliche Täter konnte sich gestern noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Denn bevor der Prozess richtig beginnen konnte, stellte Verteidiger Adam Ahmed einen Befangenheitsantrag gegen die vorsitzenden Richter. Die Hintergründe dazu sind brisant: Laut Ahmed lag im März, als die Staatsanwaltschaft Anklage in dem Fall erhoben hatte, beim Schwurgericht kein aktueller kammerinterner Geschäftsverteilungsplan vor. Dieser regelt, welcher Richter für welchen Fall zuständig ist. Das Problem: Liegt der Plan nicht vor, ist ein Richter gar nicht befugt, eine wirksame Entscheidung zu fällen, da er in diesem Fall gar nicht vom Gesetz bestimmt wäre. Deshalb, so Ahmed, müsse sein Mandant sofort freigelassen werden.

Richter Michael Höhne unterbrach daraufhin die Sitzung und wird den Prozess erst am 2. Oktober fortsetzen. Auf tz-Nachfrage sagt Gerichtssprecherin Andrea Titz: „Der kammerinterne Geschäftsverteilungsplan lag vor, wurde aber nicht jedes Jahr schriftlich neu fixiert.“ Nun muss geklärt werden, ob das Gericht trotzdem verhandeln darf. Falls nicht, könnte das sogar Auswirkungen auf Urteile aus vorherigen Jahren haben.

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