Messerattacke in der S-Bahn: Prozess

München - Ein 18-Jähriger hat in der S-Bahn auf Schüler eingestochen, weil der ihn angegafft hatte. Jetzt steht er vor Gericht.

Ein neugieriger Blick. Nur ein Blick. Mehr hat Karsten K. (alle Namen geändert) gar nicht gewagt. Doch dieser Blick hätte ihn das Leben kosten können. Weil der Schüler in der S-Bahn zu einem jungen Mann hinüberschaute, der sich heftig mit seiner Freundin stritt, griff dieser Karsten K. mit einem Messer an. Gerade noch rechtzeitig zog der Schüler seinen Kopf weg und erlitt deshalb keine schweren Verletzungen.

Der Messerstecher, ein 18 Jahre alter Schüler aus Germering, hat sich seit Dienstag wegen versuchten Mordes vor der Jugendkammer des Landgerichts München zu verantworten. Der auf fünf Tage angesetzte Prozess gegen den zur Tatzeit noch jugendlichen Richard M., dem nach Jugendstrafrecht eine Höchststrafe von zehn Jahren droht, findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Deshalb ist bislang nicht bekannt, was genau der Angeklagte zu den Vorwürfen zu sagen hat.

Fest steht, dass sich Richard M. am 27. Februar vergangenen Jahres gegen 1 Uhr in der S-Bahn-Linie 7 in Richtung Wolfratshausen lautstark mit seiner damaligen Freundin gestritten hat. Neugierig blickte der damals 16 Jahre alte Karsten K., der sich mit fünf Freunden im Zug befand, zu dem Pärchen hinüber. Richard M. fühlte sich gestört und blaffte Karsten K. an, er solle gefälligst woanders hinschauen, was dieser auch tat.

An der S-Bahnstation Mittersendling wollte der offenbar immer noch verärgerte Richard M. aussteigen. Auf dem Weg zur Zugtür ging er verbal auf Karsten K. los. Dann zückte der Angeklagte plötzlich ein Springmesser. Die Gruppe um Karsten K. versuchte noch, den Angreifer zur Vernunft zu bringen, machte ihn auf die Videokameras in der S-Bahn aufmerksam. Doch Richard M. ließ sich offenbar nicht abhalten und stach in Richtung seines Opfers. Karsten K. drehte geistesgegenwärtig den Kopf zur Seite, so dass ihn das Messer nur über dem linken Auge streifte.

Zwei zufällig in der S-Bahn anwesende Mitarbeiter der Bahnsicherheit überwältigten Richard M. nach einem kurzen Handgemenge. Ein Alkotest ergab einen Promillewert von 1,36 bei dem Angeklagten. Karsten K. und seine Freunde fuhren noch eine Station weiter und alarmierten dann die Polizei und den Notarzt, der lediglich eine kleine Schnittwunde diagnostizierte.

bl

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