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Messeropfer (42): "Ich dachte, das war's jetzt"

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Hübsch und erfolgreich: Katharina K. (Name geändert) hat sich erst vor kurzem als Schmuckdesignerin selbständig gemacht

München - Katharina K. hat Unfassbares erlebt: Am 19. Juli hat ihr Geliebter Hans Dieter B. (70) immer wieder mit dem Messer auf sie eingestochen. Jetzt spricht die Münchnerin erstmals über die Tat.

Wenn Katharina K. (42, Name geändert) die Augen schließt, ist sein Gesicht wieder da. „Dieser barbarische und entschlossene Ausdruck und die rasenden Augen, als er zugestoßen hat. Ich dachte, das war’s jetzt.“

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Die Münchnerin mit russischen Wurzeln hat Unfassbares erlebt: Am 19. Juli hat ihr Geliebter Hans Dieter B. (70) immer wieder mit dem Messer auf sie eingestochen. Sie ist gerade noch mit dem Leben davongekommen, jetzt hat sie das Krankenhaus verlassen. Nun muss sie in ihrer Bogenhausner Wohnung zusehen, wie sie mit den Horror-Erinnerungen zurechtkommt. In der tz spricht sie zum ersten Mal über das blutige Drama und lässt Einblicke zu in die Seele einer tapferen Frau.

Bis zu jenem Dienstag führt Katharina K. ein glückliches Leben: Nach 20 Jahren in München hat sich die studierte Germanistin prima eingelebt, vergangenes Jahr hat sie den Job als Bürokauffrau aufgegeben und sich als Schmuckdesignerin selbstständig gemacht. Sie lebt mit ihrer 17-jährigen Tochter in einer kleinen Wohnung.

„Ich habe viele Freunde, war immer viel unterwegs. Ich war bei Veranstaltungen wie dem Eagles Cup in Portugal oder einer Gala von Veronica Ferres, bei denen nicht jeder reinkommt.“ Ihr Stolz: Fotos mit Prominenten wie Wladimir Klitschko, Milliardär Richard Branson oder dem Formel 1-Star David Coulthard. Mit dem 2009 verstorbenen Musikmanager Monti Lüftner verband sie eine enge Freundschaft: „Ich habe am Abend vor seinem Unfall noch bei ihm gesessen und Fußball geschaut.“

Sie ist oft gereist, in die Berge oder auch zu den schönsten Jachthäfen Europas. „Ich muss zugeben: Mein Geliebter hat mir dieses tolle Leben zu einem großen Teil finanziert“, sagt sie über Hans Dieter B. Erinnerungen an gute Zeiten.

Doch von dem Mann, der sie beinahe ermordet hat, hätte sie freilich im Nachhinein lieber keine Hilfe angenommen. „Man kann doch nicht ahnen, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist!“ Als Katharina K. den Rentner vor sieben Jahren über ein Bekanntschaftsportal kennenlernt, glaubt sie erst nicht, dass dieser ehemalige Bauschlosser aus Tirol, der so viel älter ist, sie so lange begleiten wird. „Aber er hat sich sehr um mich gekümmert und war nett.“ Ein richtiges Paar sind die beiden nie gewesen, auch gemeinsame Hobbys gab es nicht. „Wir haben uns etwa zweimal im Monat in Tirol getroffen oder sind verreist.“

Katharina K. habe ihren Geliebten bis zu diesem Tag nie sonderlich aggressiv erlebt, sagt sie. „Aber wir haben oft gestritten, er war sehr eifersüchtig. Ich habe mich mehrmals getrennt – aber dann hat er gedroht, an den nächsten Baum zu fahren oder er hat mich mit SMS bombadiert – und ich wurde wieder schwach. Ich war zu gutmütig.“ Drei Wochen vor der Tat will Katharina K. es endgültig schaffen, von ihm loszukommen. An diesem Dienstag erwischt er sie am Telefon. „Er hat gesagt, er wolle mich nur ein letztes Mal sehen und mir ein Abschiedsgeschenk vorbeibringen.“

Als ihm die Frau die Tür öffnet, merkt sie aber sofort, dass er aus einem anderen Grund da ist: „Seine Augen waren total aggressiv –“ Katharina K. bricht ab. „Es war so schlimm.“ Wie in Trance habe sie die nächsten Minuten erlebt. „Als er das Küchenmesser in mich gerammt hat, habe ich keinen Schmerz verspürt. Nicht mal, als er meinen ganzen Bauchraum aufgeschlitzt hat. Ich weiß noch, dass ich wie am Spieß geschrien habe. Irgendwann habe ich versucht, die Stiche mit der Hand abzuwehren. Da hat er so tief geschnitten, dass innen etwas kaputt ging.“ Später im Krankenhaus erfährt sie, dass das Messer Sehnen durchtrennt hat. Die 42-Jährige wird noch lange eine Schiene tragen müssen und die Hand nur eingeschränkt nutzen können.

Erst in dem Moment, als ihr Peiniger aus der Wohnung flüchtet – ihre 80 Jahre alte Nachbarin hatte todesmutig von außen an die Tür gehämmert – setzen bei Katharina K. die Schmerzen ein. Aber sie lebt! Und Hans Dieter B. sitzt hinter Gittern, er hat gestanden. Die Staatsanwalt ermittelt wegen versuchten Mordes. „Ich werde meiner Nachbarin für ihren Mut ein Leben lang dankbar sein. Ich danke ihr und Gott jeden Abend, dass ich noch am Leben bin.“

Ein weiteres Glück: Ihre Tochter war zum Zeitpunkt des Dramas beim Praktikum. „Die Polizei hat sie angerufen“, erzählt Katharina K. „Sie kam gleich zu mir ins Krankenhaus. Währenddessen haben Reinigungskräfte all das Blut in der Wohnung entfernt – sodass meiner Tochter zumindest der Anblick erspart geblieben ist.“

Die Freude am Leben muss bei beiden erst wieder wachsen. „Es ist alles anders seit diesem Tag. Mir geht es psychisch sehr schlecht. Ich kann nicht mit meiner Tochter in den geplanten Italien-Urlaub fahren – ich bin wie gelähmt.“ Mutter und Tochter wollen Hilfe beim Psychologen suchen, ihr Anwalt Claus Waschhuth steht ihr bei. „Ich wünsche mir so sehr, dass die Lebensfreude wiederkommt. Ich bin eine starke Frau und werde das irgendwie schaffen. Das Wichtigste ist, dass dieser Mann bis ans Ende seines Lebens hinter Gittern bleibt.“

Nina Bautz

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