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Internet-Abzocke: 1000 Strafanzeigen gegen Münchner Anwältin

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Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt. © dpa

München - Eine Internet-Suche, ein paar Klicks – und schon kann man in der Kostenfalle sitzen!

Bestimmte Online-Firmen haben es auf die Abzocke ahnungsloser Kunden abgesehen. Und Rechtsanwälte machen sich zu Erfüllungsgehilfen der Abzocker, verschicken Mahnbescheide und versuchen, das Geld gerichtlich einzutreiben.

Die Münchner Anwältin Katja G., ganz dick in diesem Geschäft, hat jetzt vor dem Landgericht einstecken müssen: Die Stadtsparkasse darf ihr Konto auflösen! Zu den schamlosen Abzockern im Web gehört die Firma Online Content Ltd. Ob Routenplaner, die Suche nach Billig-Angeboten oder Hausaufgabenhilfen - wer bei dieser Firma Rat und Hilfe sucht und seine Daten auf ein Formular tippt, muss zahlen!

Der Kosten-Hinweis ist freilich gut versteckt. 59,95 Euro sind zum Beispiel fällig, wenn man ein Gedicht von Goethe bestellt. Gegen die beiden Geschäftsführer der in Oberursel (Taunus) ansässigen Firma hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft Anklage wegen Betrugs erhoben. „Diese wurde jedoch von der zuständigen Kammer nicht zugelassen“, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu der tz. Dagegen laufe eine Beschwerde, eine weitere Anklage sei in Vorbereitung.

Die Münchner Anwältin Katja G. treibt das Geld für Frankfurter Abzocker ein. Eingeschüchtert von ihren drohend klingenden Briefen zahlen viele der Geprellten. Dabei raten Verbraucherschützer, nichts zu zahlen.

Laut SAT.1 wanderten bislang Tag für Tag rund 20.000 Euro auf das Konto der Juristin. Damit ist nun Schluss: Nach Hinweisen von Geprellten hat die Stadtsparkasse das Konto gekündigt. Zunächst konnte die Anwältin eine Einstweilige Verfügung dagegen erwirken, doch jetzt scheiterte sie vor Gericht (Akz.: 28 O 398/09). „Das Konto ist geschlossen“, so Sparkassen-Vertreter Dr.­ Joachim Fröhler zur tz. „Eingehende Überweisungen werden automatisch zurückgebucht.“ Sparkassen-Chef Harald Strötgen äußerte sich erleichtert, „endlich diese belastende Kontobeziehung auflösen zu dürfen.“

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt gegen Anwältin Katja G. wegen Nötigung und Betrugs. Oberstaatsanwalt Anton Winkler: „Es liegen über 1000 Strafanzeigen gegen sie vor.“ Katja G. war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Eberhard Unfried

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