Kirche: Sex-Skandal nimmt kein Ende

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Hat sich Maritz auch an Messdienern der Frauenkirche in München vergangen?

München - Es gibt neue Erkenntnisse im Fall Maritz: Ließ der Prälat den gefährlichen Pfarrer H. auf Kinder los?

Der Sex-Skandal um den früheren höchsten Kirchenrichter von Bayern geht weiter: Prälat Heinz Maritz war in München gefeuert worden, kehrte zurück in seine Schweizer Heimat – und machte dort als Aushilfspriester weiter! Das berichtet das Bistum Basel der tz. Vorwürfe seien dort nicht bekannt. Offenbar hatte das Erzbistum München unter Kardinal Wetter die Glaubensbrüder nicht über das Doppelleben des inzwischen verstorbenen Prälaten informiert.

Heinz Maritz urteilte zwischen 1986 und 1995 als oberster Kirchenrichter der Bistümer München, Augsburg, Regensburg und Passau. Der Münchner Klerus tuschelte früh, dass der Gottesmann „auf die Klappe geht“ – also Sex mit Männern auf öffentlichen Toiletten sucht. Dort bieten oft junge, auch minderjährige Burschen ihre Dienste an. „Maritz wurde aus dem Dienst entlassen, weil er Kontakt zu Strichern hatte“, bestätigte Bernhard Kellner, Sprecher von Erzbischof Reinhard Marx, die tz-Recherchen.

Doch die Vorwürfe reichen viel weiter: Der Kirchenrichter soll sich auch an Messdienern des Liebfrauendoms vergangen haben, schreibt ein anonymes Opfer der tz. Maritz habe in seiner Dienstwohnung in der Pa­cel­listraße Partys mit Alkohol und Sex-Übergriffen bis zum Oralverkehr gefeiert. Kardinal Wetter habe von dessen Neigungen gewusst. Das Ordinariat wollte sich dazu nicht äußern. Das Schreiben ging auch an die Staatsanwaltschaft.

Der Prälat war 1995 gefeuert und mit nur 59 Jahren pensioniert worden. Er kehrte zurück in seine Heimat bei Basel. Dort übernahm er wieder „Aushilfsdienste“ als Priester. 2005 starb er. In München urteilte Maritz als Kirchenrichter auch über Priester.

In seine Amtszeit fällt eine weitere skandalöse Versetzung, denn: Der Psychotherapeut Werner Huth hat wegen der Fälle des sexuellen Missbrauchs im Münchner Erzbistum schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche erhoben. Mehrmals habe er die Bistumsleitung davor gewarnt, den aus Essen versetzten pädophilen Pater H. in der Jugendarbeit (unter anderem in Garching an der Alz) einzusetzen, sagte Huth (80) dem Tagesspiegel. Auch in der Amtszeit von Ratzinger – dem heutigen Papst Benedikt XVI. – als Erzbischof von 1977 bis 1981 habe er seine Bedenken gegen den Geistlichen vorgetragen.

Huth hat als Psychiater und Therapeut unter anderem sexuelle Störungen behandelt und war lange Berater für die katholische und evangelische Kirche.

DAC

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