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Weiße oder grüne Weihnachten?

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Wird der Monopteros im Englischen Garten am 24. Dezember verschneit sein? © dpa

München - Dicke Flocken fallen vom Himmel, die Welt verschwindet unter einer weißen Schneedecke, während die Kinder ihre Geschenke unterm Christbaum auspacken.

So stellen sich viele Münchner eine echte Traumweihnacht vor. Ob wir heuer mit einem weißen Fest rechnen können oder ob der Glühwein auch bei Plusgraden im Grünen schmecken muss – dazu hat die tz verschiedene Experten befragt. Bei einem sind sich alle einig: 2009 wird es einen milden Winter mit wenig Schnee und vielen Wärmephasen geben. Erst 2010 werden auch die Wintersportler wieder auf ihre Kosten kommen.

Kälteeinbruch nicht absehbar

Eine sichere Prognose, ob es tatsächliche weiße Weihnachten geben wird, kann man erst eine Woche vorher stellen“, erklärt Volker Wünsche vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München. „Das letzte Mal hat es bei uns 2003 eine geschlossene, drei Zentimeter dicke Schneedecke zu Weihnachten gegeben.“ Davor sei 2001 Ende Dezember besonders schneereich gewesen: Eine bis zu zehn Zentimeter dicke Decke lag an den Festtagen über München. „Aber längere Phasen, wo dies nicht der Fall ist, sind durchaus normal“, so Wünsche in einem Rückblick auf vergangene Jahre.

Heiße Weihnachtsdessous mit Franziska Knuppe

Bereits zwischen 1987 und 1992 habe es keine weißen Weihnachten gegeben. „Auch wenn es diese Woche schon kühler ist, ist bisher ein Kaltluftvorstoß nach Bayern noch nicht absehbar.“ Die Schneefallgrenze, die im Moment bei zirka 700 Metern liegt, wird wieder auf bis zu 2000 Meter steigen, ist sich der Wetter-Experte sicher. Genauer will Wünsche in seiner Prognose nicht werden: „Erst ab Mitte des Monats ist es möglich, einen wagen Trend abzusehen, wie das Wetter an den Feiertagen werden wird.“

Zu warm für Schneekanone

Weiße Weihnachten wünscht man sich auch in den Wintersportregionen rund um München. Denn auch wenn es am Freitag geschneit hat, sind die Aussichten für Skifahrer schlecht. „Das Wetter ist einfach zu mild“, erklärt Manfred Küpper, Pressesprecher des Alpen plus Freizeitjournals. Für den Einsatz von Schneekanonen sind die Temperaturen bisher zu hoch. Erst bei Minusgraden können sie sinnvoll eingesetzt werden. „Das Wasser ist noch viel zu warm.“

So wird das Wetter: 25 Bauernregeln zum Durchklicken

Das Problem betreffe alle Skigebiete der Münchner Hausberge. „Das liegt daran, dass alle gleich hoch liegen“, so Küpper. „Wenn es am Spitzingsee schneit, dann schneit es auch am Sudelfeld.“ Oder eben nicht: Leid tun dem Experten alle, die bereits Skipässe erworben haben. „Wir wollen ja gerne unsere Leistungen erbringen, aber das hängt alleine von Petrus ab“, gibt er zu. „Wir haben noch bis zehn Zentimeter Schneereste. Aber ob das reicht, wenn es keinen Frost gibt, ist fraglich.“ Erwarten könne man bis Weihnachten nichts. „Aber erhoffen! Wir sind vorbereitet.“

Schnee an Festtagen möglich

„Erst Mitte Dezember kommt der Winter!“, ist sich Hobby-Meteorologe Josef Jägerhuber sicher. Bereits seit 50 Jahren zeichnet der Starnberger alle Wetterphänomene auf. „Dabei habe ich festgestellt, dass sich das Wetter alle sieben Jahre wiederholt.“ Auch der kleine Wintereinbruch im Oktober habe nicht darüber hinwegtäuschen können, dass uns heuer ein milder Winter erwartet: „Wir haben ein Marsjahr, und da sind die Winter nie besonders streng.“ Aber dafür ist sich Jägerhuber bei einem sicher: „Es ist durchaus möglich, dass es Weihnachten in unseren Breiten Schnee gibt.“ Allerdings sei nicht mit viel weißer Pracht zu rechnen. Es gibt immer wieder Wärmeperioden, der richtige Winter kommt erst Mitte Februar und geht bis Anfang März.“

Barbara verspricht weiße Pracht

„Kommt Barbara im Grünen, kommt das Christkind im Schnee“, sagt eine alte Bauernregel. „Die Regel hört sich nicht nur gut an, da ist auch was dran“, sagt Dr. Karsten Brandt, Meteorologe vom Internet-Wetterdienst donnerwetter.de. Die Weisheit zum Barbara-Namenstag (4. Dezember), weist auf eine Tendenz in der Wetterentwicklung hin. „Ist es im November und Anfang Dezember mild, dann ist die Chance auf weiße Weihnachten höher“, bestätigt Brandt. „Anders sähe es aus, wenn wir jetzt schon sehr niedrige Temperaturen hätten und es frieren würde.“ Normalerweise würde dann in Deutschland traditionell zwei Tage vor Heilig Abend das Weihnachtstauwetter einsetzen. „Der Klassiker“, wie der Experte bestätigt. Statt einer romantisch verschneiten Landschaft würde die Münchner dann Matsch und Nieselwetter erwarten.

 „Weiße Weihnachten sind in München aber üblicherweise selten.“ Nur jedes dritte Jahr könne man zu den Feiertagen mit Schnee rechnen. In anderen Städten sogar nur alle acht Jahre. „Das ganz Deutschland unter einer Schneedecke verschwindet, das kommt nur alle fünfzehn Jahre einmal vor“, so Brandt über die geringe Wahrscheinlichkeit. „Aber dieses Jahr sind die Chancen groß, auch wenn man es nicht versprechen kann.“ Auch wenn es in den nächsten Tagen kühler wird, sei mit keinem Kaltlufteinbruch zu rechnen. „Aber die kalte Luft liegt schon auf der Lauer“, scherzt er. „Skandinavien und Osteuropa hat sie schon erreicht. Das sie zu uns kommt, das ist nur eine Frage der Zeit.“

Diana Millgramm

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