Brutale Attacke: Mit Metallstuhl skalpiert

München - Er wollte nur zwei betrunkene Streithähne trennen: Dafür haben die beiden gewalttätigen Männer den Wirtshausbesucher Darko V. auf brutale Art und Weise skalpiert. Mit einem Metallstuhl.

Wirtshausbesucher Darko V. (31) hat zwei betrunkene Streithähne getrennt – und ist dafür durch einen Hieb mit einem Metallstuhl halb skalpiert worden. Viaceslavas O., ein 25 Jahre alter Bauingenieur, und sein Bruder Nerijus (28) stehen deshalb seit gestern vor dem Schwurgericht: Der Jüngere wegen Mordversuchs, der Ältere wegen gefährlicher Körperverletzung. Er war an dem ursprünglichen Streit beteiligt.

Bei einem ersten Prozess-Anlauf im Juni war es noch genau umgekehrt. Nach mehrtägiger Beweisaufnahme ergab sich dann aber ein anderes Bild. Die Verhandlung wurde ausgesetzt, Staatsanwältin Nicole Selzam revidierte ihre Anklage. Das Problem bei den Ermittlungen: Heute wie damals verweigern die Brüder die Aussage.

Laut Selzam waren die Brüder aus Litauen am 26. September 2010 in der „Freimanner Stub’n“ aus bis heute ungeklärter Ursache mit einem 40-Jährigen in einen Streit geraten, der sich vor das Lokal verlagerte. Nerijus soll den Mann in den Schwitzkasten genommen und ihm mit der rechten Hand den Hals zugedrückt haben. Darko V. ging dazwischen und befreite den 40-Jährigen aus dem Würgegriff.

Das soll Viaceslavas O. übelgenommen haben. Um Darko V. „für das Maßregeln seines Bruders abzustrafen, ergriff er einen 7,5 Kilogramm schweren Metallstuhl aus dem Biergarten und schlug ihn dem Opfer von schräg hinten wuchtig gegen den Kopf“, so die Anklage. Ein Teil der Kopfhaut von Darko V. hing herunter. Unbeeindruckt davon kehrten die Brüder in die Gaststube zu ihrem Bier zurück.

Nerijus O., der in München lebt und damals als Lagerist am Flughafen arbeitete, wurde tags darauf verhaftet. Für die Strafverfolger war er kein Unbekannter: Er hatte als Beschuldigter in einem Drogenverfahren ausgepackt, kam noch während der Haft ins Zeugenschutzprogramm.

Sein Bruder Viaceslavas fuhr zurück nach Litauen und war deshalb für die deutsche Justiz nicht greifbar. Zur Vernehmung über die Gewalttat vor dem Wirtshaus reiste er freiwillig ein – und wurde wegen Mordversuchs verhaftet. Der Hobby-Basketballer hat in Litauen eine Frau und einen fünfjährigen Sohn. Er will dort auch künftig leben. Sein Bruder Nerijus, Vater einer unehelichen neunjährigen Tochter, will in Deutschland bleiben. Der Prozess dauert an.

Sarah List

Rubriklistenbild: © dpa

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