Orkantief Elon fegt übers Land

Meteorologe rät: "Bleiben Sie lieber daheim"

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Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst.

München - Die Wetterküche vom Freitag: Tief Daniel verabschiedet sich im Nordosten, Elon ist da – und Felix kommt noch. Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst erklärt, was uns genau erwartet.

Wie schlimm wird es in München und im Umland?

Andreas Friedrich: Es kann bis in die Niederungen zu orkanartigen Böen mit Windstärke elf kommen. Das ist gefährlich: Bäume können entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Den ersten Höhepunkt dieser Orkanlage für München und den Kreis hatten wir bereits für die Nacht zum Samstag erwartet. Wir haben eine Unwetterwarnung zwischen Freitag, 20 Uhr und Samstag, sieben Uhr herausgegeben.

Was gilt für das Wochenende?

Friedrich: Am Samstagvormittag wird der Wind vorübergehend nachlassen, bevor am Nachmittag und Abend eine Kaltfront über München und Südbayern zieht. Dann droht erneut Gefahr, weil die Böen auch im Flachland Windstärke elf erreichen können. Noch gefährlicher ist es in den Bergen. Hier haben wir bereits extreme Unwetterwarnungen, das heißt die Windgeschwindigkeiten erreichen mehr als 140 km/h. Vom Allgäu bis ins Berchtesgadener Land warnen wir vor Windgeschwindigkeiten um 150 km/h. Dort sollte man sich besser nicht aufhalten. Da ist es jetzt extrem gefährlich.

Ihr Rat? Wie sollte man sich am besten verhalten?

Friedrich: Bleiben Sie am besten daheim. Falls das nicht möglich ist: Meiden Sie Bäume und Strommasten. Fahren Sie möglichst nicht durch Wälder. Weil das milde Winterwetter für aufgeweichte und feuchte Böden gesorgt hat, ist die Standfestigkeit von Bäumen stark herabgesetzt. Sie können auch schon bei Böen unterhalb der Orkangrenze entwurzelt werden oder umknicken. Das ist lebensgefährlich. In der Stadt besteht zudem Gefahr durch herabstürzende Dachziegel, Teile können sich etwa von Baugerüsten lösen und herabwehen. Und: Sichern Sie Ihre Balkone, Gärten und Terrassen. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, sollte man besser ins Haus holen oder zumindest befestigen.

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Der Samstag lockt zwischenzeitlich mit bis zu 15 Grad. Da fällt es schwer, daheim zu bleiben.

Friedrich: Verständlich. Wir haben hier eine extreme Situation. Auf der Vorderseite von Orkan Felix, der uns am Samstag trifft, wird es sehr warm werden. Zehn bis 17 Grad sind zu erwarten. Zudem zeigt sich Richtung Alpen auch die Sonne. Das gibt fast schon Biergarten-Wetter, wenn der Wind nicht wäre. Was dann aber folgt, ist eine Kaltfront, die in der Nacht zu Sonntag durchrauscht. In den Frühstunden kann es Schnee bis zur Donau hin geben, an den Alpen werden wir am Sonntag eine weiße Überraschung erleben. Wir rechnen mit Neuschnee bis in die Niederungen, im Allgäu werden es bis zu 20 Zentimeter. Hinzu kommt Glatteis. Autofahrer müssen dann zwar nicht mehr mit umstürzenden Bäumen, aber mit spiegelglatten Straßen rechnen.

Lohnt sich Skifahren?

Friedrich: Ich würde abraten. Gerade in den hohen Lagen drohen am Samstag heftige Böen. Möglicherweise werden Skilifte schließen müssen. Zudem wird die Schneequalität erheblich leiden. Denn bei Temperaturen um die 17 Grad in den Niederungen steigt die Frostgrenze über 2000 Meter. Das spricht für feuchten Schnee, schlechte Pisten und Lawinengefahr. Am Sonntag wird es stark schneien, man sieht also wenig. Und der Wind dürfte auch noch heftig wehen.

Bilder: Orkanböen über München

Bilder: Orkanböen über München

Droht uns auch Hochwasser?

Friedrich: Es gibt bereits Warnungen vor starkem Tauwetter im Bayerischen Wald. Denn dort liegen oberhalb von 600 Metern noch 20 bis 40 Zentimeter Schnee. Dadurch, dass sehr warme Luft heranströmt, steigt die Frostgrenze über Mittelgebirgsniveau und der Schnee schmilzt ab. In der Nacht zum Samstag wird es dann noch kräftig reinregnen – wir erwarten 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter. Das alles innerhalb kurzer Zeit. Das kann zu Überflutungen führen.

Sind die weiteren Aussichten denn besser?

Friedrich: Schmuddelig wird’s, mit Regen. Es bleibt bei der milden Wetterlage. Ein Wintereinbruch ist nach dem kleinen Temperatursturz am Sonntag bis auf weiteres nicht in Sicht.

tz

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