Rathaus-Koalition fordert Entzerrung

Grüne und SPD wollen Takt verdichten - Mehr Fahrzeuge mit weniger Fahrgästen? OB Reiter: „Unsinnig“

Sollen zur Hauptverkehrszeit häufiger fahren: Münchens Trambahnen, hier auf der Maximiliansbrücke.
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Sollen zur Hauptverkehrszeit häufiger fahren: Münchens Trambahnen, hier auf der Maximiliansbrücke.

Der öffentliche Nahverkehr soll in der Pandemie gestärkt, aber auch für Fahrgäste hinsichtlich Infektionen sicherer werden. Da sind sich Grüne und SPD einig und haben dazu gestern Anträge lanciert. Unter anderem wird eine Taktverdichtung in den Hauptverkehrszeiten gefordert, um eine zu starke Auslastung der Fahrzeuge zu verhindern. Dies könne beispielsweise durch mehr Fahrzeuge geschehen.

Außerdem müsste man zur Entzerrung auch über eine zeitliche Staffelung des Unterrichtsbeginns nachdenken, sobald Schulen wieder offen sind. Die Koalition beantragt zudem mehr Hygienestationen mit Desinfektionsmitteln und den FFP2-Masken-Verkauf an Infopunkten der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG).

Die Grünen verlangen zudem, dass die Kapazität der Fahrzeuge auf 25 beziehungsweise 50 Prozent reduziert werde. Grünen-Stadtrat Christian Smolka verwies darauf, dass im ÖPNV zu Stoßzeiten so viele Fahrgäste befördert werden, dass ein Einhalten des Abstands mitunter schwierig bis unmöglich werde. „Im ÖPNV sind noch nicht alle Potenziale zur Erhöhung der Sicherheit vor Infektionen ausgeschöpft worden. Hier müssen wir ansetzen, wenn wir den Lockdown möglichst bald überwinden wollen.“

Die SPD lehnt diese Reduzierung allerdings ab, OB Dieter Reiter bezeichnete das Ansinnen gestern gar als unsinnig. Niemand hätte Verständnis dafür, wenn ihm ein halb volles Fahrzeug vor der Nase wegfahre. „Ganz zu schweigen von dem Aufwand, der durch eine solche Regelung entstehen würde. Beispielsweise müssten wir an allen Haltestellen Personal einsetzen, um den Zugang zu regulieren. Personal, das wir nicht haben.“

Einig sind sich Grüne und Rote dann wieder in der Forderung, dass OB Reiter bei Unternehmen für eine Erweiterung der Homeoffice-Möglichkeiten und für flexiblere Arbeitszeiten werben soll. „Wir wollen das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich halten und das Vertrauen der Fahrgäste in den ÖPNV stärken“, sagt Smolka. „Dazu empfiehlt sich eine gezieltere Steuerung der Fahrgastzahlen und der Ausbau des Informations- und Serviceangebotes.“

Außerdem sind Hinweisschilder an Wartebereichen und Fahrzeugen gewünscht, dass bei der Wahl der Sitzplätze möglichst auf einen Mindestabstand zu anderen Fahrgästen zu achten ist. SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl sagte: „Wir wollen, dass sich die Fahrgäste noch sicherer fühlen können. Das lässt sich durch Abstand bei den Sitzplätzen, mehr Hygienestationen und Verstärkerfahrten in der Hauptverkehrszeit erreichen.“

2020 hatte die MVG ein Minus von rund 155 Millionen Euro erwirtschaftet. SPD und Grüne fordern nun, den Rettungsschirm von Bund und Land auch in 2021 fortzusetzen. Gradl. „Wir brauchen den Rettungsschirm. Die Stadt muss jetzt planen können, dass sie auch während des Lockdowns in der Hauptverkehrszeit ein gutes Angebot fahren kann.“

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