tz-Interview

Bully über seinen Film: Da ist Musik drin!

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Michael "Bully" Herbig

München -  Bully hat einen neuen Film gemacht. Im tz-Interview spricht er deshalb über sein Werk "Buddy", aber auch über seinen Sohn und seine Entwicklung.

Es soll ja Leute geben, die der felsenfesten Ansicht sind, dass Michael Bully Herbig sein Pulver beim Schuh des Manitu verschossen habe. Stimmt nicht, Wickie war stark wie die Männer – und jetzt kommt Buddy  und dürfte ein toller Erfolg werden. Der Film ist wunderbar. Wir trafen Bully Herbig zum Interview.

Herr Herbig, gleich die erste Szene – ein eingefrorenes Bild einer rauschend-frivolen Schickiparty, und die Kamera fährt munter im Raum herum – erzählt eine Menge über die Atmosphäre. Und erinnert an den Anfang von Hitchcocks „Fenster zum Hof“, wo auch ohne Text die Einleitung erzählt ist.

Michael Bully Herbig: Sie lieben Hitchcock? Ich auch! Ohne ihn würde ich heute wahrscheinlich gar keine Filme machen.

Welchen Hitchcock-Film haben Sie zuerst gesehen?

Herbig: Die Vögel. Ich war neun, zehn Jahre alt und lurte heimlich durch den Türspalt. Das war wahnsinnig aufregend. Ich hatte keine Angst, sondern war fasziniert, was man mit Bildern machen kann. Und als ich zwei Jahre später Psycho sah, war’s um mich geschehen. Mich fasziniert Hitchcocks Ansatz, dass der Zuschauer immer alles wissen muss, um mitfiebern zu können.

Was bei Ihnen ja anders ist – wenn etwa Sie als Schutzengel Ihr „Opfer“, das partout sein Leben nicht ändern will, mit Musik fast in den Wahnsinn treiben …

Herbig: Mir sind ja als Schutzengel die Hände gebunden. Wie soll ich sonst den Druck erhöhen? Gut, ich könnte 24 Stunden am Tag auf ihn einlabern, aber das wäre langweilig. Und mit Musik kann man tatsächlich eine Menge Terror ausüben (grinst).

Klingt so, als würden Sie aus Erfahrung sprechen …

Herbig: Mein dreijähriger Sohn hat mal eine Elvis-CD bei mir im Auto gehört, und seitdem will er nichts anderes mehr. Wenn ich ihn frage: Können wir nicht mal zur Abwechslung was anderes hören?, sagt er: nein! Und für diesen Terror braucht man nicht mal einen miesen Song, das geht auch mit guter Musik. Alles eine Sache der Penetranz.

Es ist heikel, Musik ganz bewusst im Film als Stilmittel einzusetzen – das kann leicht ins Auge gehen.

Herbig: Stimmt. Und es macht auch keinen Sinn, einen Film mit Musik zuzukleistern. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und sage: Mein Komponist Ralf Wengenmayr ist der beste in Deutschland – er kann jedes Genre bedienen und beherrscht das Kunststück, dass die Musik Präsenz hat, aber nicht aufdringlich wirkt.

Wie sind denn die bisherigen Reaktionen der Presseleute auf Ihren Film?

Herbig: Durchweg positiv, und das beunruhigt mich fast ein bisschen. Beim Schuh des Manitu gab es nur eine wirklich positive Besprechung. Ich genieße es jetzt, wenn Journalisten mit glasigem Blick aus dem Kino kommen.

Sie bedienen wunderbar die haarscharfe Grenze zwischen Gefühl und Kitsch …

Herbig: Halbscharig bringt nichts. Das muss man sich aber auch trauen. Etwa die Flashmob-Szene: Wie leicht kann das in die Hose gehen und peinlich werden … Und keiner blamiert sich gerne. Was wir machen, machen wir konsequent – sogar bei den Action-Sequenzen, die ja so auch nicht in einer emotionalen Komödie erwartet werden. Aber das ist kein willkürlicher Genre-Mix – wir gehen halt immer so weit wie möglich.

In der Verfolgungsszene zu Fuß zitieren Sie Daniel Craigs Debütfilm als James Bond, „Casino Royale“ …

Herbig: Ja. Ich finde, die erste richtig gute Verfolgungsjagd zu Fuß sah man in Lethal Weapon. Ich mag’s reduziert – also nicht Flugzeuge, Autos und so, sondern das Purste, was es geben kann: rennen! Die Eingangs-Sequenz zu Casino Royale ist die beste aller James-Bond-Filme. Das wird ganz schwer zu toppen sein.

Hätten Sie diesen Film machen können, wenn Sie nicht Vater wären?

Herbig: Nein. Die vergangenen drei, vier Jahre waren ex­trem entscheidend. Ich war ­sozusagen auf Fortbildung. Beruflich, weil ich keinen Kinofilm inszeniert habe, sondern viel aufsaugen konnte – etwa von Joseph Vilsmaier, Helmut Dietl oder Leander Haußmann. Und privat, weil ein Kind einiges verändert – was da mit einem alles passiert …

Stimmt es, dass zu Hause der Fernseher kaum läuft?

Herbig: Stimmt. Seit über drei Jahren bleibt tagsüber die Kiste aus. Bis auf Samstag, da schauen mein Sohn und ich ein bisschen Fußball. Ich finde es toll, zu beobachten, wie so ein kleiner Mensch den Wald, den Garten entdeckt und mir Dinge zeigt, von denen ich vergessen habe, dass sie existieren. Außerdem ist er eine extreme Plaudertasche.

Woher er das wohl hat?

Herbig: Keine Ahnung …

Was könnte denn Ihr nächstes Filmprojekt sein? Kollege Tarantino dreht ja wieder einen Western …

Herbig:  Warum nicht? Bei einem Western hast du ein Genre, das alles bedient. Mord, Liebe, Rache, Abenteuer, Freiheit. Herrlich! Aber der Hitchcock spukt mir schon im Kopf rum. Vielleicht wird’s ja ein Thriller? Es wird ja nicht einfacher: Zum einen wollen die Leute wissen, auf was sie sich bei einem Kinofilm einlassen, zum anderen wollen sie auch überrascht werden. Aber jetzt bin ich erst mal wahnsinnig erleichtert, dass bei Buddy alles gut gelaufen ist.

Interview: Matthias Bieber

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