Schließung

Traditionsfirma zieht sich nach 50 Jahren aus München zurück - Mitarbeiter demonstrieren

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Der Küchen- und Haushaltsgeräte-Hersteller Miele schließt sein „Experience Center“ in München - nach 50 Jahren. (Symbolbild)

Der Haushaltsgerätehersteller Miele zieht sich aus München zurück. Ende des Jahres soll das seit 50 Jahren bestehende Miele-Center im Euro-Industriepark geschlossen werden. Die 51 Beschäftigten wollen ihre Jobs nicht kampflos aufgeben.

„Bei uns brummt der Laden“, sagt Susanna Hauber, die Münchner Betriebsratsvorsitzende. Acht Schulungs- und Tagungsräume, zwei Aktivküchen und diverse „Praktizierräume“ für technische Schulungen seien gut ausgelastet. Das Center betreut Händler und Kundendienstmitarbeiter und bietet Kunden die Möglichkeit, sich unverbindlich zu informieren. Dazu gibt es Koch-Events, bei denen man die Geräte selbst testen kann. Dass Miele dieses Angebot in der Region streichen wolle, sei ihr absolut unverständlich, sagt Hauber. „Wir haben auch ganze Generationen von Kunden, die darüber fassungslos sind.“ Gerade jetzt, da die Digitalisierung auch die Haushaltsgeräte erfasse, sei Information und Beratung schließlich wichtiger denn je.

Zieht sich Miele immer weiter zurück aus Deutschland?

Auch die IG Metall hat kein Verständnis für die Schließung. Hier würden Arbeitsplätze der Kostenoptimierung geopfert, argwöhnt Gewerkschaftssprecher Sebastian Roloff. Ein Konzept des Betriebsrats zur Fortführung des Standorts habe die Konzernspitze in Gütersloh „ohne irgendeine Beratung“ abgelehnt.

„Ich habe den Eindruck, Miele zieht sich sukzessive aus Deutschland zurück“, sagt Susanna Hauber. „Als ich anfing, gab es noch 30 Niederlassungen in Deutschland.“ Inzwischen unterhält Miele neben der Zentrale in Gütersloh und sieben weiteren Produktionsstandorten nur noch die „Experience Center“ in München und Berlin sowie ein an München angegliedertes Schulungszentrum in Leipzig mit vier Mitarbeitern.

Miele-Händler wollen „zentral“ bedient werden

Die Entscheidung, München zu schließen, sei „Teil eines Gesamtkonzeptes“ aus dem Jahr 2014, sagt Miele-Sprecher Carsten Prudent. Man wolle „den Innendienst am Hauptsitz Gütersloh zusammenführen, um so eine schlagkräftige Betreuung der Kunden und des Außendiensts aus einer Hand zu gewährleisten“ und „auch Kosten zu sparen“. Ein Grund: Die Zahl der Händler habe sich halbiert, die großen Ketten wollten „zentral bedient werden“. Nach eigenen Angaben beschäftigt Miele weltweit 20 300 Mitarbeiter, davon 11 300 in Deutschland.

Dezentrale Kochevents für Endkunden werde es weiterhin geben, so Prudent. „Zum Beispiel in Kochschulen, mit denen wir seit Langem kooperieren.“

Miele: Münchner Angestellte können in Gütersloh weiterarbeiten 

Für die Münchner Arbeitnehmer, so Prudent weiter, sei nun „ein Sozialplan mit Abfindungen und weiteren Leistungen auszuhandeln“. Zudem gelte für alle das Angebot, „ihre Arbeit für Miele bei gleicher Bezahlung in Gütersloh fortzusetzen“.

„Wie soll das gehen?“, fragt Susanna Hauber sarkastisch. „Wir haben hier langjährige Mitarbeiter, die auch ein entsprechendes Lebensalter haben.“ Für die sei ein Umzug ins fast 600 Kilometer entfernte Gütersloh keine Option.

Wie die Stimmung im „Experience Center“ ist, wird sich heute zeigen: Um 10 Uhr ruft die IG Metall alle Beschäftigten zu einer Protestkundgebung vor dem Eingang auf.

Lesen Sie auch: Alfons Schuhbeck macht Laden mitten in München dicht - nach einem halben Jahr

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