Falsche Staatsanwältin am Telefon

Miese Masche: Betrüger ruinieren diese Rentnerin

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Arme Anna D. (70). Telefon-Betrüger haben sie finanziell ruiniert.

München - Eine 70-jährige Rentnerin aus München ist am Boden zerstört. Sie fiel auf eine miese Betrugsmasche einer falschen Staatsanwältin rein.

Der dubiose Anruf kam am 1. Dezember – zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Erst Minuten vorher hatte Anna D. (70, Name geändert) erfahren, dass ein geliebter Verwandter überraschend verstorben war. „Ich war total durch den Wind. Sonst hätte ich vielleicht geschaltet.“ Unter diesen Umständen aber hinterfragte Anna D. den Anruf der angeblichen Frankfurter Staatsanwältin Rösner nicht.

Und so kam es, dass die Witwe, die ihr Leben lang hart gearbeitet, drei Kinder großgezogen hat und mit nur 400 Euro im Monat zum Leben auskommen muss, von Betrügern in Minutenschnelle finanziell ruiniert wurde.

„Diese Staatsanwältin war sehr energisch und teilte mir mit, dass ein Strafantrag wegen Betrugs gegen mich vorliege.“ Es folgte eine Flut von Belehrungen, deren Sinn Anna D. nicht verstand: „Es ging um ein Gewinnspiel, an dem ich angeblich teilgenommen hätte. Man stellte mir einen Gewinn von 46.200 Euro in Aussicht – doch erst, wenn ich die Außenstände bezahlt und die Strafanzeige aus der Welt geschafft hätte. Dazu empfahl mir die Staatsanwältin ein Gespräch mit meiner Rechtsschutzversicherung. Ich war völlig verwirrt.“

Diese Verwirrung ist beabsichtigt und hat System. Denn nur zwei Stunden später meldete sich eine gewisse Gabriele Berger von der Versicherung, die der verzweifelten Rentnerin wie ein rettender Engel vorkam. Sie schlug vor: „Wir regeln das außergerichtlich. Sie überweisen 5000 Euro – und dann ist alles gut.“

Erleichtert fuhr Anna D. zu ihrer Schwägerin, lieh sich 5000 Euro und überwies das Geld am 5. Dezember per Western Union (siehe Stichwort) in die Türkei! Tage später dämmerte ihr, dass sie einen Riesenfehler gemacht hatte. Am 12. Dezember lief sie weinend zur Polizei in Haar. „Doch das Geld ist weg. Und ich habe Schulden, die ich nie mehr abbezahlen kann.“

Zur Not kommt die Scham und das schreckliche Gefühl, niemandem trauen zu können. Anna D. war bereits bei der Schuldnerberatung – doch die konnte auch nicht helfen. „Im Nachhinein verstehe ich selbst nicht, wie mir das passieren konnte. Ich hoffe, dass mein Fall anderen Menschen meiner Generation eine Warnung ist.“

Betrüger geben übrigens niemals auf. Vor drei Tagen bekam Anna D. schon wieder einen komischen Anruf – angeblich von einem „Inkasso-Büro“. Diesmal aber rief sie in den Hörer: „Mit mir nicht!“ Und legte ganz schnell auf.  

Dorita Plange

tz-Stichwort Western Union

In Sekundenschnelle Geld in ein anderes Land transferieren: Genau das macht Western Union möglich. Das kann hilfreich sein – beispielsweise wenn ein Angehöriger dringend Geld im Urlaub braucht, weil ihm der Geldbeutel geklaut wurde.

Aber Tatsache ist auch: Viele Kriminelle nutzen genau Firmen wie Western Union (oder auch Moneygram oder Ria) für ihre Betrügereien. Der Grund ist simpel: Man kann das Geld nämlich als Empfänger ganz einfach gleich mitnehmen – ohne selbst ein Bankkonto zu haben.

Zudem reicht beim Geldempfang ein Ausweis, um seinen Namen zu bestätigen (der kann natürlich leicht gefälscht werden). Auch ein Vorteil für Gangster: Hat der Absender das Geld eingezahlt, kann er es nicht mehr zurückholen. Anders als beispielsweise bei einer Banküberweisung.

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