Mieser Briefkasten-Trick mit Überweisungen

München - Mit einem miesen Trick haben Betrüger die Überweisungszettel ahnungsloser Münchner erbeutet und sich so geheime Kontodaten abgegriffen. Wir erklären, worauf Sie aufpassen müssen.

Die Täuschung war professionell – und absolut glaubwürdig: Statt ihre Überweisungsscheine in den üblichen Bankbriefkasten zu werfen, wurden die Kunden per Anschlag aufgefordert, das Kasterl nebenan zu benutzen. Was die Kunden eines Kreditinstitutes in Solln nicht ahnten: Den Briefkasten im Vorraum hatten dreiste Betrüger in einer Nacht-und Nebel-Aktion angebracht.

Ihr Ziel: geheime Kontodaten abzugreifen. Mit Erfolg: Knapp 70 000 Euro wäre der Schaden für die Kunden gewesen, wenn alle Überweisungen durchgegangen wären! Der falsche Briefkasten hing übers Wochenende, also außerhalb der Öffnungszeiten, an der Wand des Eingangsbereichs.

An einem Sonntagabend montierten die Betrüger den Kasten wieder ab und entfernten den Hinweis vom eigentlichen Einwurfkasten. So gelangten die Täter an die original Überweisungsträger. Sie füllten mit diesen Kontodaten neue Überweisungsscheine aus – allerdings mit einem anderen Empfänger. Die Scheine warfen sie dann in den richtigen Briefkasten der Bank.

Am Montag fiel keinem Mitarbeiter auf, dass hier zwei Tage ein Schein-Briefkasten gehangen hatte. Zumal der echte Einwurf voll mit Überweisungsträgern war. Einem Bankmitarbeiter fielen aber bei der Bearbeitung Unregelmäßigkeiten auf. Er fragte bei einem ahnungslosen Kunden nach, die Überweisung wurde gestoppt.

Als immer mehr Bankkunden Anzeige wegen falscher Überweisung von ihren Konten erstatteten, flog der Trick mit dem Schein-Briefkasten auf. Bisher bearbeitet die Münchner Polizei neun solcher Fälle. Wieviele unberechtigte Überweisungen durchgegangen sind, ist noch nicht geklärt. Ähnliche Fälle werden aus Ingolstadt und Nürnberg gemeldet.

„Wir bitten um besondere Aufmerksamkeit“, sagt Polizeisprecher Christoph Reichenbach. „Besonders, wenn ein Briefkastenschlitz überklebt ist, sollten die Überweisungen nicht in einen anderen Briefkasten geworfen werden.“

So bekommen Sie Ihr Geld zurück

Ist von Ihrem Konto unrechtmäßig Geld abgegangen? Bei Lastschrifteinzug haben Sie gute Karten, sagt Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern: „Bis sechs Wochen nach Rechnungsabschluss der Bank können Sie Widerspruch einlegen. Nach einer kurzen Befragung beider Seiten macht die Bank für gewöhnlich den Vorgang rückgängig.“

Im aktuellen Fall einer Überweisung sieht’s schlechter aus. Straub: „Die Beweislast liegt hier beim Kunden. Als Indiz kann eine veränderte Unterschrift dienen oder ein ungewöhnlich hoher Betrag. In diesem Fall, wo gleich viele Kunden in einem engen Zeitraum betroffen sind, sollte der Beweis leicht zu erbringen sein.“ Ist er erbracht, haftet die Bank. Da­mit’s gar nicht erst so weit kommt, bittet die Münchner Polizei, sich bei zugeklebten Briefkästen zu melden.

J. Mell

Rubriklistenbild: © Westermann

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