Polizei startet Kampagne

Miese Tricks mit der Enkel-Masche

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Vorsicht an der Wohnungstür: Mit Fremden macht man keine Geschäfte

München - Enkeltrickbetrüger haben derzeit in der Stadt Hochkonjunktur. Die Münchner Polizei will jetzt verschärft dagegen vorgehen und startet deshalb eine Kampagne.

Er steht mitten im Leben, hat alles im Griff. Und darum trifft es ihn besonders hart, derart hinterlistig hereingelegt worden zu sein: Ein Münchner Diplom-Ingenieur (68) bekam am Donnerstag einen Anruf von einem Mann, den er für den Sohn eines Freundes hielt. Der bat um ein eiliges Darlehen von 34 000 für einen Wohnungskauf. Da wollte der 68-Jährige gern helfen. Er hob 34 000 Euro von seinem Konto ab, übergab die Summe in der Kaiserstraße (Schwabing) einer fremden Frau, die ihm als Sekretärin eines Notars angekündigt worden war. Alles Lüge und Betrug. Und das Geld ist weg.

Der Ingenieur war der Sechste, der an diesem Tag von Trickdieben angerufen wurde. Und er ist heuer bereits das zwölfte Opfer, das sein Geld an Verbrecher verschleuderte. Münchner Senioren werden derzeit von einer Betrugs-Serie ohnegleichen heimgesucht. Seit Jahresanfang wurden 103 Enkeltrickbetrugsfälle angezeigt. Zwölf Opfer zahlten. Schaden: 367 000 Euro! Damit hat sich die Summe gegenüber dem ganzen letzten Jahr (72 000 Euro) bereits verfünffacht! Und das reicht jetzt.

Angesichts dieser hochaktiven, gut organisierten Betrügergruppe, deren Hintermänner in Polen vermutet werden, holt die Münchner Polizei nun zu einer großen Aufklärungs-Kampagne mit dem Titel „Hallo Gerlinde, rat mal, wer dran ist?“ aus. Ziel: Die Maschen der Betrüger in einem Netzwerk publik zu machen. Polizeivizepräsident Robert Kopp forderte am Freitag „einen Ruck durch die Gesellschaft“. Jeder Münchner soll die Gefahren kennen. In der Praxis sieht das so aus:

- Alle Mitarbeiter der Münchner Altenpflege- und Servicedienste sollen geschult werden.

- Die Polizei informiert und verteilt in Arztpraxen, Apotheken, Sozialbürgerhäusern, Stadtbibliotheken, Super- und Wochenmärkten, Einkaufszentren und Stadtfesten Info-Material. Dort gibt es auch ein Formular, mit dem man seinen Vornamen im Telefonbuch abkürzen lassen kann. Trickbetrüger suchen ihre Opfer nach altmodischen Vornamen (Gerlinde, Heinz, Erna, etc.) aus.

- Alle Münchner Banker sollen informiert sein. Sie sind die letzten in der Kette, die den Betrug noch verhindern könnten.

- Geprüft wird, ob Präventionstipps mit den Rentenbescheiden verschickt werden können.

- In den U-Bahnhöfen wird schon bald per Infoscreen gewarnt.

- Bei einer telefonischen Überwachung ist es der Kripo gelungen, ein Original-Telefongespräch zwischen Täter und Opfer mitzuschneiden. Es soll veröffentlicht werden.

Kopp übte erneut Kritik an der Einschränkung der Vorratsdatenspeicherung. Der Polizei bleiben bestenfalls nur noch wenige Tage, um Telefondaten der Betrüger zu sichern. In diesem engen Zeitraum haben viele Senioren den Betrug noch nicht mal angezeigt…

Dorita Plange

Die fünf wichtigsten Präventionstipps der Münchner Polizei

Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon als Verwandter oder Bekannter ausgibt, den Sie nicht sofort an der Stimme erkennen!

Lassen Sie sich nicht auf Ratespielchen („Rat mal, wer dran ist?“) ein. Geben Sie keine Namen oder Details zu familiären oder finanziellen Verhältnissen preis!

Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellem Hintergrund bei Ihren Familienangehörigen Rücksprache!

Übergeben Sie niemals (!) Geld oder Wertgegenstände an Fremde!

Informieren Sie sofort die Polizei unter Notruf 110, wenn Sie einen verdächtigen Anruf bekommen haben!

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