Die Miet-Explosion: Alle Preise erreichen Rekorde

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Die Entwicklung der Mieten in München.

München - Die Wirtschaft springt an, die Arbeitslosigkeit sinkt, Fachkräfte wie Ingenieure sind kaum zu haben. Eigentlich toll, aber auch vor den Mietpreisen macht die Konjunktur nicht halt.

Es soll sogar Menschen geben, denen der Chef heuer ein bissl was aufs Gehalt drauflegt: Das ist der Stoff, aus dem Miet-Rekorde gemacht werden – schließlich wollen die Menschen nicht nur fleißig arbeiten, sondern auch schön wohnen. Aber es hätte ja nicht gleich so explodieren müssen: Die Mieten für neu vermietete Immobilien erreichen in allen Bereichen neue Rekorde. „Dass es so durchgängig nach oben gehen wird, haben wir so nicht erwartet“, sagt Prof. Stephan Kippes, Chef des IVD-Forschungsinstituts. In der Stadt ist Wohnen so teuer wie noch nie!

Wer sich derzeit eine hergerichtete Wohnung im Altbau wünscht, steht damit nicht alleine da und muss sich deswegen auf einen Preis von 13,50 Euro pro Quadratmeter kalt einstellen. Damit ist der Rekord vom Herbst 2010 übertroffen. Bayernweit werden – auch in vielen Städten – nur 7,60 Euro fällig. Ausnahme: In Ingolstadt schnellen die Mieten – weil nun im Münchner Einzugsbereich – von 6,90 Euro auf 8 Euro nach oben.

Beliebt sind Wohnungen aus dem Bestand der Nachkriegsjahre, weil sie leichter zu finden und bislang noch erschwinglich waren. Neuerdings verlangen Vermieter dafür im Schnitt 12,50 Euro pro Quadratmeter kalt. Selbst wer Abstriche in der Lage macht und nicht gar so ruhig wohnen will, muss mit einem neuen Rekord-Preis von 10,70 Euro rechnen. Bayernweit stag­niert die Miete bei 8 Euro – fast alle Städte sind billiger.

Neubau-Wohnungen waren bislang die einzigen, die noch nicht den Preis zu Zeiten der Internet-Hysterie von 2002 übertroffen hatten. Das ändert sich jetzt: 13,80 Euro zahlt man im Schnitt. Bayernweit kostet der Neubau 9 Euro. Deutlich teurer ist mit 9,50 Euro nur Erlangen als Heimat der Hightech-Branche.

Neue Rekorde setzen auch Reihenmittelhäuser (125 qm, neu 1710 Euro im Monat, gebraucht 1620 Euro) und Doppelhaushälften (140 qm, neu 2200 Euro, gebraucht 1880 Euro).

Im Umland gehen die Preise alle Rekorde mit, vor allem in der Nähe der S-Bahn, sagt Prof. Kippes. Zwischen den Ästen lassen die Beträge etwas nach. Wo das hinführt, vermögen die Experten nicht zu sagen. „Die Preise reizen die Spielräume langsam aus, weil die Gehälter nicht so schnell steigen“, sagt Prof. Kippes. Heißt: Wenn die Menschen nicht noch mehr zahlen, steigen die Mieten nicht mehr.

Teure Mietspiegel: Experten skeptisch

Die Mietspiegel-Pläne der Stadt stoßen bei den Experten des Immobilienverbands IVD auf Skepsis: Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) will das Zahlenwerk auf Antrag der SPD künftig alle zwei statt alle vier Jahre neu erstellen lassen und dafür jeweils bis zu eine Million Euro Steuergeld hinlegen (tz berichtete). „Das Verhältnis von Kosten und Nutzen ist fragwürdig“, sagt Prof. Stephan Kippes, Chef des IVD-Forschungsinstituts. Ein teurer, neuer Mietspiegel würde nichts zu sinkenden Mieten beitragen. Zumal die Fachwelt über die Bedeutung der jüngsten Statistik vom März, die erstmals sinkende Mieten ausweist, diskutiere.

So entwickeln sich die Mieten in den Vierteln

Stadtteil Miete pro qm kalt Vergleich Frühjahr 2010
Hasenbergl 9,30 € +0,05 €
Aubing-Lochhausen-Langwied 9,50 € –0,30 €
Neuperlach 9,50 € =
Allach-Untermenzing 9,80 € –0,20 €
Moosach 9,90 € –0,20 €
Freimann 10,00 € –0,10€
Parkstadt-Solln 10,00 € =
Feldmoching 10,20 € –0,20 €
Riem 10,20 € –0,15 €
Berg am Laim 10,30 € =
Ramersdorf 10,30 € +0,30 €
Milbertshofen 10,40 € –0,10 €
Fürstenried 10,40 € +0,15 €
Pasing 10,50 € –0,25 €
Laim 10,60 € –0,10 €
Waldperlach 10,80 € –0,35 €
Obersendling 10,80 € –0,10 €
Trudering 10,80 € +0,25 €
Hadern 11,00 € –0,10 €
Sendling 11,00 € =
Forstenried 11,00 € +0,10 €
Obergiesing 11,10 € +0,20 €
Untergiesing 11,10 € +0,20 €
Obermenzing 11,30 € +0,05 €
Schwanthalerhöhe 11,30 € +0,40 €
Sendling-Westpark 11,30 € +0,50 €
Bogenhausen-Denning 11,50 € +0,20 €
Waldtrudering 11,60 € –0,10 €
Bogenhausen-Johanneskirchen 11,90 € +0,10 €
Alt-Solln 12,00 € +0,10 €
Thalkirchen 12,20 € +1,20 €
Neuhausen 12,30 € +0,10 €
Bogenhausen-Arabellapark 12,40 € +0,30 €
Bogenhausen-Oberföhring 12,60 € =
Schwabing-West 12,80 € +0,20 €
Harlaching 12,80 € +0,20 €
Au-Haidhausen 13,00 € =
Nymphenburg 13,30 € =
Ludwigvorstadt-Isarvorstadt 13,40 € +0,40 €
Maxvorstadt 13,50 € =
Schwabing 13,70 € +0,40 €
Alt-Bogenhausen 13,90 € +0,30 €
Altstadt-Lehel 14,00 € +0,15 €
Quelle: IVD-Institut, Experten-Stadtteileinwertung, Juni 2011

dac

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